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Frühneuzeitliche Befestigungsanlagen in Ostfriesland

Dr. Andreas Hüser berichtet in einem Vortrag von den archäologischen Erkenntnissen zur Festung Leerort und zur Dieler Schanze

Abb.: Darstellung der Festung Leerort, von Georg Faber, 1632 (Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur 30917/36)

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ zum zweiten Vortrag des Jahres 2026 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein.

In diesem Vortrag geht es um zwei bedeutsame frühneuzeitliche Festungswerke der Grafschaft Ostfriesland: Die Festung Leerort auf der Landspitze zwischen Leda und Ems als einst größte ostfriesische Landesfestung und die Schanze bei Diele als Grenzbefestigung im Rheiderland.

Beide Festungswerke waren zwischen 2010 und 2013 Bestandteil archäologischer Untersuchungen durch die Ostfriesische Landschaft, um Kenntnisse über die Struktur und den Aufbau zu gewinnen: Im Boden verborgen haben zahlreiche Zeugnisse dieser teils unruhigen Zeiten überdauert. Die Ergebnisse ergänzen maßgeblich das bisherige Wissen zu den Anlagen. Das reichhaltige Fundmaterial liefert Einblicke in Belagerungstechniken, aber auch in das tägliche Leben der gräflichen Familie im Schloss Leerort oder das Leben der in den Festungen stationierten Soldaten. Im Vortrag wird über zehn Jahre nach Abschluss der Untersuchungen ein Einblick in den Festungsbau des 16. bis 18. Jahrhunderts gegeben und unterschiedliche Alltagssituationen beleuchtet.

Dr. Andreas Hüser hat im Rahmen des Projektes „Grenzland Festungsland“ zwischen 2010 und 2013 die Grabungen in Diele und Leerort geleitet und war anschließend für den Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft bis 2015 tätig. Seit 2017 ist er Leiter der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven.

Dr. Andreas Hüser

Dr. Andreas Hüser (Bad Bederkesa)

Dieler Schanze und Festung Leerort

Zeit:                Montag, den 16. Februar 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Zwei Emder Renaissancehäuser zwischen Abrissbirne und Denkmalschutz

Aiko Schmidt M.A. widmet sich in einem Vortrag im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am 26. Januar 2026 der Geschichte der beiden im 16. Jahrhundert errichteten Bürgerhäuser in der Pelzerstraße in Emden

Abb.: Blick aus der Klunderburgstraße auf die Nordfassaden der Häuser Pelzerstraße 11 (links) und 12 (rechts), 2001 (Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Adolf Harms)

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ laden die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum ersten Vortrag im Jahr 2026 ein. Im Mittelpunkt steht die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert.

Die Emder Altstadt fiel im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig den Bombenangriffen zum Opfer. Inmitten dieser Zerstörung haben zwei im 16. Jahrhundert errichtete Bürgerhäuser an der Pelzerstraße die Zeiten überdauert und gewähren noch heute – zumindest ansatzweise – einen seltenen Einblick in die einstige Wohnkultur einer wohlhabenden Bürgerschaft. Der Vortrag zeichnet die wechselvolle Geschichte dieser beiden Renaissancegebäude von ihrer Entstehung bis in die jüngere Vergangenheit nach. Während das Haus Nr. 11 trotz fortschreitender Baufälligkeit bis 1989 als Unterkunft für sozial schwach gestellte Personen diente, wurde das Haus Nr. 12 – mit Ausnahme der erhaltenen Nordfassade – durch einen Neubau ersetzt und ab 1984 als Kulturhaus genutzt. An der Wende zum 21. Jahrhundert erfuhr das Haus Nr. 11 eine behutsame Restaurierung und vermittelt seither einen Eindruck der Lebensverhältnisse vor rund 350 Jahren, wenngleich dessen Authentizität gewissen Einschränkungen unterliegt.

Aiko Schmidt M. A. ist seit 1994 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostfriesischen Landesmuseum Emden tätig und hat zahlreiche Aufsätze zur Emder Stadtgeschichte veröffentlicht.

Aiko Schmidt M.A.

Aiko Schmidt M.A. (Emden)

Die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 26. Januar 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Zum 400. Todestag von Ubbo Emmius (1547-1625)

Der diesjährige Tag der ostfriesischen Geschichte am 6. Dezember 2025 befasst sich mit dem friesischen Gelehrten und Kartographen

Ein älterer Mann mit weißem Bart in eine schwarzen Robe mit Halskrause
Abb. Ubbo Emmius (1547-1625), Historiker und Universitätsprofessor, Schabkunstblatt von Last, ca. 1850 (NLA AU Rep. 243 A 169)

Am Samstag, 6. Dezember, laden die Ostfriesische Landschaft und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum 25. „Tag der ostfriesischen Geschichte“ ein. Von 10 bis 12:45Uhr dreht sich bei der kostenfreien Veranstaltung im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am Georgswall 1 in Aurich anlässlich seines 400. Todestages alles um den friesischen Gelehrten und Kartographen Ubbo Emmius (1547-1625).

Als erster wissenschaftlicher Geschichtsschreiber Frieslands legte Ubbo Emmius mit seiner monumentalen „Rerum Frisicarum Historia“ den Grundstein für die moderne Geschichtsschreibung der Region. Sein methodisches Vorgehen und sein kritischer Umgang mit Quellen machten ihn zum Wegbereiter einer neuen Epoche. Auch seine Karte von Ostfriesland stellte einen Höhepunkt der Kartographie des ostfriesischen Raumes dar.

Besonders spannend ist die grenzüberschreitende Dimension seines Wirkens: Geboren in Greetsiel, führte sein Lebensweg über Norden und Leer schließlich nach Groningen, wo er als erster Rektor die Universität prägte und bis heute als einer der bedeutendsten Gelehrten der friesischen Geschichte verehrt wird. Diese Verbindung zwischen Ost- und Westfriesland, zwischen dem heutigen Deutschland und den Niederlanden, spiegelt die historisch gewachsene kulturelle Einheit des friesischen Raums wider.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm: Tag der ostfriesischen Geschichte 2025

Friesischer Gelehrter und Kartograph:
Zum 400 Todestag von Ubbo Emmius (1547-1625)

10:00 Uhr                   Begrüßung durch den Landschaftspräsidenten Rico Mecklenburg

10:15 Uhr                   Prof. Klaas van Berkel (Groningen): Ubbo Emmius – Gründer der Universität Groningen?

11:00 Uhr                   Michael Recke (Emden): Ubbo Emmius – Die Ostfrieslandkarte von 1595/1599 und von 1616: Entstehung, Druck, Veränderungen und Nachwirkungen

11:45 Uhr                   Kaffeepause

12:15 Uhr                   Gesprächsrunde: Neues aus Wissenschaft und Forschung zur ostfriesischen Geschichte – Bericht und Moderation: Dr. Heiko Suhr, Dr. Michael Hermann

12:45 Uhr                   Ende der Veranstaltung

Datenschutz- und Urheberrechtsfragen bei der Geschichtsvermittlung

Ein vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich und der Landschaftsbibliothek organisierter Workshop am 19. September 2025 lieferte grundlegende Informationen und Tipps

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Dr. Michael Hermann begrüßte als Mitorganisator des Workshops die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führte in das Thema ein (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

Die Aufarbeitung und Präsentation historischer Erkenntnisse zur Region ist ohne das Engagement vieler ehrenamtlich und wissenschaftlich tätiger Personen kaum denkbar. Doch gerade, wer sich mit regionaler Geschichte beschäftigt, bewegt sich – insbesondere bei der Veröffentlichung von Dokumenten, Fotografien und persönlichen Daten – oftmals in einem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach offener Wissensvermittlung und komplexen rechtlichen Vorgaben.

In einem Workshop, veranstaltet vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich und der Ostfriesischen Landschaft, wurden am 19. September 2025 aktuelle Aspekte des Datenschutzes und des Urheberrechtes beleuchtet, die für die Arbeit in Geschichtsinitiativen, Archiven, Gedenkprojekten oder sozialen Medien von Bedeutung sind.

Abb. 2: Mit dem Datenschutz in Archiven befasste sich der Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

Nach der Begrüßung der knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befasste sich das erste Panel des Workshops mit dem Themenbereich des Datenschutzes. Unter dem Titel „Recht(s)sicher? Datenschutz- und Datennutzungsregelungen für Archive“ zeigte der Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann, dass es sich bei den Archivgesetzen aus den 1980/90er Jahren um „Kinder des Datenschutzes“ handelt, die nicht zuletzt auf das „Volkszählungsurteil“ des Bundesverfassungsgerichts am 15. Dezember 1983 zurückgehen. Auch wenn nach dem Niedersächsischen Archivgesetz prinzipiell jedermann das Archiv nutzen kann, können bei einzelnen Archivalien oder Aktengruppen noch sogenannte Schutzfristen bestehen, die bei personenbezogenen Unterlagen sogar über den Tod des Betroffenen hinausgehen. Dennoch ist die Forschungsfreiheit gewährleistet, da für wissenschaftliche Vorhaben diese Fristen verkürzt werden können. Zudem ging Dr. Hermann auf die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein, die zwar ein „Recht auf Vergessenwerden“ vorsieht, welches aber „für im öffentlichen Interesse liegende Archivzwecke, wissenschaftliche oder historische Forschungszwecke“ nicht gilt. Abschließend widmete er sich auch noch den sich vielerorts bildenden Digitalen Dorfarchiven, die sich bewusst machen sollten, dass sie mit ihrer verdienstvollen Arbeit nicht im rechtsfreien Raum agieren. Abgesehen von der Beachtung des Urheberrechtes bei der Online-Veröffentlichung von historischen Unterlagen, Briefen oder Fotos sollten diese darauf achten, sich bei der Übergabe von Schriftgut stets die entsprechenden Nutzungsrechte übertragen zu lassen.

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Das Steinhaus Bunderhee

Mit einem Vortrag des Archäologen und ehemaligen Landschaftsdirektors Dr. Rolf Bärenfänger startet am 29. September 2025 wieder die Vortragreihe im Landschaftsforum

Abb.: Das Steinhaus Bunderhee (Bildarchiv der Ostfriesischen Landschaft, Foto: Sebastian Schatz)

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden zur ersten Veranstaltung der neuen Vortragssaison 2025/26 zu einem Vortrag über das Steinhaus Bunderhee ins Landschaftsforum ein.

Mit einem Alter von mehr als 600 Jahren ist das Steinhaus zu Bunderhee wohl das älteste erhaltene profane Gebäude Ostfrieslands. Der massive Backsteinturm steht im Rheiderland, nahe der niederländischen Grenze, in weitgehend unverfälschter Form. Er ist als Kulturdenkmal von überragender Bedeutung für die ostfriesische Geschichte und besitzt überregionale Ausstrahlung. Gleichzeitig belegt er die Kontinuität der hochstehenden bäuerlichen Kultur im Rheiderland vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit.

Der Vortrag des Archäologen und ehemaligen Landschaftsdirektors Dr. Rolf Bärenfänger beschreibt die Baugeschichte des Hauses, den historischen Hintergrund und die besonderen naturräumlichen Bedingungen am Rand des damals überschwemmten Dollartgebietes. Im Weiteren richtet sich der Blick auf die früheren Besitzer des Platzes sowie auf die jüngste Entwicklung hin zu einem Erlebnisort mit modernem Kulturangebot in historischem Ambiente. Zahlreiche historische und aktuelle Abbildungen tragen zur Veranschaulichung bei.

Dr. Rolf Bärenfänger

Dr. Rolf Bärenfänger (Moormerland)

Das Steinhaus Bunderhee

Zeit:                Montag, den 29. September 2025; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Ein kleiner ostfriesischer Schatz – Der Nachlass der ersten deutschen Frauenärztin Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen im Niedersächsischen Landesarchiv

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Hermine Heusler-Edenhuizen, Porträt, ca. 1890 (NLA AU Rep. 243 acc. 2024/104 Nr. 119)

Sie gilt als die erste Frauenärztin in Deutschland, war 1924 die Begründerin des Deutschen Ärztinnenbundes und engagierte sich in den 1920er Jahren in Vorträgen und Veröffentlichungen für die Abschaffung des § 218 StGB. Nunmehr konnte der im Niedersächsischen Landesarchiv überlieferte Nachlass von Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen (1872-1955) vollständig erschlossen werden.1

Hermine Heusler-Edenhuizen (laut Taufurkunde Harmina Egberta) wurde am 16. März 1872 in dem ostfriesischen Ort Pewsum geboren. Sie besuchte zunächst in Emden die höhere Töchterschule, um dann 1898 in Berlin das Abitur zu machen. Bis 1903 folgte ein Medizinstudium in Berlin, Zürich, Halle und Bonn, das sie als erste Frau mit einer Promotion an der medizinischen Fakultät in Bonn abschloss. Es folgten Jahre als Assistenzärztin und 1909 die Facharztausbildung zur „Spezialärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe“. Heusler-Edenhuizen praktizierte die meiste Zeit ihres Lebens in Berlin. Nach Kriegsende kehrte sie 1946 für einige Jahre in ihre ostfriesische Heimat zurück und zog erst kurz vor ihrem Tod erneut nach Berlin, wo sie am 26. November 1955 im Alter von 83 Jahren verstarb.

Ihr vollständiger Nachlass verblieb nach dem Tod der Adoptivtochter in der Familie und wurde 2003 dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Nervenheilkunde Dr. Heyo Prahm (1942-2022) treuhänderisch übergeben. Prahm, der bereits 1997 die Lebenserinnerungen Heusler-Edenhuizens veröffentlicht hatte,2 nutzte den unmittelbaren Zugriff, um erste wissenschaftliche Publikationen auf Grundlage des Nachlasses zu erarbeiten.3 Zudem machte er sich an eine Sichtung und Ordnung und legte 2014 ein erstes Findbuch zu dem Bestand vor.

„Ein kleiner ostfriesischer Schatz – Der Nachlass der ersten deutschen Frauenärztin Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen im Niedersächsischen Landesarchiv“ weiterlesen
  1. https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b370 [↩]
  2. Heyo Prahm (Hrsg.), Die erste deutsche Frauenärztin. Lebenserinnerungen. Im Kampf um den ärztlichen Beruf der Frau. Hermine Heusler-Edenhuizen, Opladen 1997. [↩]
  3. Heyo Prahm, Dr. med. Hermine Heusler-Edenhuizen. Neues zu ihrer ärztlichen und politischen Haltung, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 96, Aurich 2016, S. 55-78; Heyo Prahm, Geschlechterbeziehungen in der Weimarer Republik im Spiegel der Vorträge von Hermine Edenhuizen, Hude-Oberhausen 2021. [↩]

Eine Bildergeschichte des Landkreises Wittmund der 1960er und 1970er Jahre – Der Nachlass des Pressefotografen Ehnt Ulfert Janssen

Abb. 1: Hannes Flesner, 1974 (NLA AU, Rep. 243, acc. 2025/105 Nr. 40)

Was haben der ehemalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt, der ostfriesische Liedermacher Hannes Flesner und das Esenser Rathaus gemeinsam? Auf den ersten Blick nur wenig oder gar nichts. Tatsächlich finden sich Fotos der beiden Personen und des Gebäudes in dem Nachlass des 2023 verstorbenen Pressefotografen Ehnt Ulfert Janssen, der an das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich abgegeben und nun für die Nutzung freigegeben wurde.

Anfang des Jahres 2025 wurde das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich von einer Person angesprochen, da man bei einer Wohnungsauflösung in Wittmund auf einen großen Schrank voller Fotos gestoßen war, die Ehnt Ulfers Janssen (1937-2023) aufgenommen hatte.1 Der Sohn eines Landwirts aus Friedrichsgroden war nicht nur begeisterter Pferdesportler, sondern – nach zwei Jahren beim Jeverschen Wochenblatt – bis zu seinem Ruhestand 2003 auch Redakteur und Fotograf für den „Anzeiger für Harlingerland“ in Wittmund. Berichtete er zunächst vor allem aus Holtriem, Dornum und von den Inseln des Landkreises, verschob sich sein Fokus später auf die Samtgemeinde Esens. Diese Tätigkeit kann wohl guten Gewissens als seine Leidenschaft bezeichnet werden – zwar hatte er zwischenzeitlich Positionen als Chef vom Dienst und Redaktionsleiter inne, gab diese aber zugunsten der Tätigkeit als Redakteur und Fotograf wieder ab.2 Sein Nachlass wurde nun im März an das Landesarchiv übergeben, wo er in den vergangenen Monaten archivfachlich bewertet und in der Bildgutsammlung der NLA-Abteilung Aurich verzeichnet wurde.

Dabei stellten sich schnell zwei Dinge heraus: Der Nachlass enthält nicht nur viele archivwürdige Alltagsmotive, sondern auch ausgesprochene „Raritäten“.

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Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostfriesland vor 80 Jahren

Unter dem Titel “Keine Stunde Null” widmeten sich auf einer wissenschaftlichen Tagung am 23. Mai 2025 sechs Vorträge der komplexen Zeitspanne zwischen Kriegsgewalt und Nachkriegszeit

Ein Tagungsbericht von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Ein Blick ins Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft während der Tagung “Keine Stunde Null” (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

„Der 8. Mai markiert mit dem Kriegsende einen der bedeutendsten Wendepunkte der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er ist und bleibt damit ein symbolträchtiges Datum, um dessen Deutung im politischen Raum wieder gerungen wird.“ Mit diesen einleitenden Worten begrüßte der Direktor der Ostfriesischen Landschaft, Dr. Matthias Stenger, die knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die am Freitag, den 23. Mai 2025 die wissenschaftliche Tagung „Keine Stunde Null. Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostfriesland“ besuchten. Er verwies auf die Notwendigkeit, der Geschichtsklitterung von Rechts mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und offenem Diskurs zu begegnen, und hob dabei die regionale Perspektive hervor, weil selbst epochalste Schicksalsmomente im Alltag der Menschen unterschiedlich erlebt bzw. sich auswirken würden.

Die ganztägige Tagung, die gemeinsam von der Ostfriesischen Landschaft und dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich im Landschaftsforum veranstaltet wurde, gliederte sich in drei Abschnitte, wobei sich das erste Panel mit den historischen Rahmenbedingungen befasste.

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Geschichte in Schichten – Das Emder Jahrbuch 2025 ist erschienen

Abb. 1: Titelblatt des aktuellen Emder Jahrbuchs

Im neu erschienenen Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands werden facettenreiche Einblicke in vier Jahrhunderte regionaler Geschichte präsentiert. Von der Gelehrtenkorrespondenz des 16. Jahrhunderts bis zur Museumsgeschichte der 1960er Jahre spannt sich ein faszinierender Bogen, der Persönlichkeiten, Orte und Entwicklungen in den Mittelpunkt rückt, die Ostfriesland geprägt haben.

Die fünf Hauptbeiträge führen die Leserschaft durch unterschiedliche Epochen und eröffnen dabei überraschende Perspektiven auf die ostfriesische Geschichte.

Zeitlich passend, da sich das Todesjahr Ubbo Emmius’ in diesem Jahr zum 400. Mal jährt, untersucht Kläre Seemann M.A. in ihrem Beitrag mit dem Titel „Ubbo Emmius (1547–1625) im Spiegel seiner Korrespondenz“ die umfangreiche Briefüberlieferung des bedeutenden Historikers und Groninger Universitätsprofessors, insgesamt 540 überwiegend lateinische Briefe. Dabei interessiert sich Frau Seemann vor allem für das briefliche Netzwerk von Ubbo Emmius, aber auch für die Themen und Inhalte, die in den Briefen zu Tage treten. So kann sie u.a. feststellen, dass es in der Korrespondenz allgemein um gelehrte Praktiken ging (von der Quellenbeschaffung über den Fortgang des Schreibens bis zu Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung von Schriften), aber auch um eine intensive Auseinandersetzung mit den politischen und konfessionellen Geschehnissen in Ostfriesland.

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Keine “Stunde Null” – Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostfriesland

Eine historische Tagung widmet sich dem Kriegsende in Ostfriesland und seinen besonderen Phänomenen

Kanoniere des 12th Field Regiment der Royal Canadian Artillery mit der Sieges-Ausgabe ihrer Maple Leaf Zeitung in Aurich am 20. Mai 1945
Abb.: Kanoniere des 12th Field Regiment der Royal Canadian Artillery mit der Sieges-Ausgabe ihrer Maple Leaf Zeitung in Aurich am 20. Mai 1945 (Library and Archives Canada, ID-Nummer 3210997)

In der historischen Forschung wird die Nachkriegszeit längst nicht mehr als absolute Zäsur oder als „Stunde Null“ betrachtet, sondern als vielschichtige Übergangsphase mit Brüchen und Kontinuitäten. Das Kriegsende 1945 war auch in Ostfriesland kein einheitliches Ereignis, sondern vollzog sich mit eigener Dynamik und regionalen Unterschieden. Die Tagung beleuchtet diese komplexe Zeitspanne zwischen Kriegsgewalt und Nachkriegszeit mit erstaunlichen Kontinuitäten und graduellem Wandel und ermöglicht so auch einen neuen Blick auf die ostfriesische Geschichte.

Das Tagungsprogramm vereint renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die verschiedene Facetten dieser Zeit beleuchten: von den theoretischen Grundlagen regionaler Kriegsenden über konkrete Fallstudien wie die unterschiedlichen Schicksale Emdens und Aurichs bei Kriegsende bis hin zu grenzüberschreitenden Perspektiven. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Situation der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie den deutsch-niederländischen Grenzerfahrungen. Die drei thematischen Panels bieten Raum für einen angeregten Austausch und versprechen damit neue Erkenntnisse zu einem Schlüsselmoment der ostfriesischen Regionalgeschichte.

Die Tagung wird von der Ostfriesischen Landschaft und dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich – veranstaltet und findet am 23. Mai 2025 ab 10 Uhr statt. Als Tagungsort dient das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft (Georgswall 1–5, 26603 Aurich).

Die Teilnahme ist kostenlos, aber eine Anmeldung ist wegen der begrenzten Teilnehmerzahl erforderlich. Bitte melden Sie sich bis spätestens zum 19. Mai 2025 unter Angabe Ihres Namens und Ihrer Kontaktdaten ausschließlich per E-Mail an unter oltmanns@ostfriesischelandschaft.de.

Tagungsprogramm:

Datum: 23. Mai 2025, 10:00 bis 16:00 Uhr

Ort: Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5, 26603 Aurich

10:00–10:15 Uhr: Begrüßung: Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger

Panel 1: Historische Rahmenbedingungen (Moderation: Dr. Heiko Suhr)

10:15–11:00 Uhr: Prof. Dr. Michael Jonas (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg): Kriegsende im Kleinen. Die Entflechtung der Gewalt und der Übergang in die Nachkriegszeit in regionalhistorischer Sicht

11:00–11:30 Uhr: Kirsten Hoffmann, M.A. (Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Aurich): Phasen der Entnazifizierung in der britischen Besatzungszone und deren Auswirkungen auf Ostfriesland

11:30–11:45 Uhr: Diskussion

11:45–13:00 Uhr: Mittagspause

Panel 2: Ostfriesische Städte und das Kriegsende (Moderation: Dr. Matthias Stenger)

13:00–13:30 Uhr: Dr. Christopher Galler (Historisches Museum Aurich): Zerstörung am letzten Kriegstag verhindert. Die Kapitulation von Aurich

13:30–14:00 Uhr: Aiko Schmidt, M.A. (Ostfriesisches Landesmuseum Emden): Auf Trümmern neuerrichtet. Emdens Zerstörung und Neuaufbau

14:00–14:15 Uhr: Diskussion

14:15–14:30 Uhr: Kaffeepause

Panel 3: Grenzerfahrungen (Moderation: Dr. Michael Hermann)

14:30–15:00 Uhr: Dr. Simone Erpel (Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung Berlin): In der Gefahrenzone. Zwangsarbeitende in Ostfriesland zwischen entgrenzter Gewalt und Befreiung 1945

15:00–15:30 Uhr: Drs. Dirkje Mulder-Boers (Groningen): Annexion und Traktatland nach dem Zweiten Weltkrieg

15:30–16:00 Uhr: Diskussion und Abschlussrunde

16:00 Uhr: Ende der Veranstaltung