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Was Ostfriesland am Laufen hielt

Eine Archivalienausstellung im Niedersächsischen Landesarchiv zeigt am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 13. September 2026, ausgewählte historische Pläne, Karten und Schriftstücke zur Infrastrukturgeschichte Ostfrieslands

Abb. 1: Verlauf des Treckfahrtstiefs zwischen Aurich und Emden vorbei am Großen Meer und dem Kleinen Meer um 1830 (NLA AU Rep. 244 B Nr. 581)

Wie gelangten Nachrichten über weite Entfernungen ans Ziel? Auf welchen Wegen wurden Menschen und Waren transportiert? Und wie konnten die ostfriesischen Inseln selbst im strengen Winter versorgt werden? Unter dem Titel „Was Ostfriesland am Laufen hielt …“ zeigt das Niedersächsische Landesarchiv in Aurich am diesjährigen Tag des offenen Denkmals, wie Verkehrswege, Kommunikationsnetze und Versorgungsstrukturen das Leben in Ostfriesland prägten.

Die eigens konzipierte Ausstellung greift das bundesweite Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ auf. Anhand von historischen Plänen, Karten und Schriftstücken zeigt sie, wie Post, Kanäle, Schienen und Bunkeranlagen den Alltag organisierten und in schwierigen Zeiten handlungsfähig hielten. Dazu gehören neben der historischen Entwicklung der Post ab Mitte des 16. Jahrhunderts auch der Bau des Vorläufers des Ems-Jade-Kanals von Emden nach Aurich zwischen 1798 und 1800, die Anbindung Aurichs an das Kleinbahnschienennetz ab 1890, die Nutzung der Bunkeranlagen in Aurich und Emden oder die Notversorgung der ostfriesischen Inseln im Winter.

Abb. 2: Beispiele aus der Archivalienausstellung in der NLA-Abteilung Aurich

Neben der Ausstellung steht die Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs (Oldersumer Straße 50, 26603 Aurich) von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr allen Interessierten offen und bietet verschiedene weitere Veranstaltungspunkte an:

  • Wie und wo werden authentische Quellen zur ostfriesischen Geschichte aufbewahrt?
    Führung durch das Archiv und das Archivmagazin, die einen Einblick gibt, wie die Originale aufbewahrt werden, damit sie auch die nächsten Jahrhunderte überdauern
    (12.00 Uhr / 14.00 Uhr / 16.00 Uhr).
  • Wie und wo finde ich Unterlagen zu meinem Thema?
    Für alle, die Familienforschung betreiben, sich für die Geschichte ihres Ortes interessieren oder in die ostfriesische Geschichte eintauchen wollen, gibt es eine Einführung in das Archivinformationssystem „Arcinsys“, mit dem man online nach Archivalien recherchieren und diese gleich in den Lesesaal bestellen kann
    (13.00 Uhr).
  • Haben Sie Dias, Fotos, Fotoalben oder ähnliches Bildgut mit Bezug zu Ostfriesland, die es wert sind, für nachfolgende Generationen erhalten zu werden und daher im Archiv dauerhaft aufbewahrt werden sollten? Dann nutzen Sie unsere Tauschbörse, bei der historische Fotos gegen Bücher aus dem Dubletten-Bestand der Dienstbibliothek getauscht werden können. Oder stöbern Sie in unserem Bücherflohmarkt.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen! Das Landesarchiv freut sich auf Ihren Besuch!

Zwischen Kochtopf und Archiv

Am 21. April 2026 trafen sich Historiker:innen, Archäolog:innen und Sprachwissenschaftler:innen aus Ost- West-, und Nordfriesland zu einem interdisziplinären Workshop im Steinhaus Bunderhee

Ein Beitrag von Dr. Heiko Suhr

Wer im breiten Publikum nach der Küche der Frieslande fragt, erhält in der Regel nur wenige, immer wiederkehrende Antworten: das ostfriesische Teezeremoniell, vielleicht Grünkohl und Pinkel, Mehlpüüt oder Krintstuut. In Reiseportalen, Lifestyle-Magazinen und sozialen Medien werden solche Schlagworte ebenso publikumswirksam wie unhinterfragt als Inbegriff einer „typisch friesischen“ Esskultur präsentiert – meist ohne die historischen Wurzeln, die soziale Differenzierung der Tafel oder den Austausch zwischen Ost-, West- und Nordfriesland in den Blick zu nehmen. Tatsächlich ist die kulinarische Geschichte der Frieslande wissenschaftlich bislang nur in Ansätzen erschlossen, bietet aber gleichwohl faszinierende Einblicke in Esskultur, Trinkgewohnheiten, Gastlichkeit und regionale Identität.

Abb. 1: Drohnenaufnahme des Steinhauses in Bunderhee (2024) (Foto: Ostfriesische Landschaft)

Um diese Forschungslücke aus interdisziplinärer Perspektive zu adressieren, trafen sich am 21. April 2026 – auf Einladung der Ostfriesischen Landschaft, der Auricher Abteilung des Niedersächsischen Landesarchivs, des Nordfriisk Instituut (Bredstedt) und der Fryske Akademy (Leeuwarden) – Expertinnen und Experten zu einem Workshop im Steinhaus Bunderhee, um sich mit der Kulinarik in den Frieslanden zwischen Kochtopf und Archiv zu befassen.

Das Projekt „Steinhausgespräch: Friesische Kulinarik“ wurde durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland sowie seine Programmpartner ermöglicht und von der Europäischen Union kofinanziert. Die Tagung fand im Rahmen des niederländisch-deutschen Historikernetzwerks der Ems Dollart Region (EDR) statt.

Den Auftakt bildete ein Beitrag von Redmer Alma (Stichting Twickel, Delden/Provinz Overijssel) über die adlige Küche in den friesischen Landen des 16. und 17. Jahrhunderts. Alma näherte sich dem weiten Feld exemplarisch anhand zweier Angehöriger des Ommelander Adels an: Johan van Ewsum (um 1508–1570) und Occa Johanna Ripperda (1619–1669). Die Auswahl, so betonte er, sei weniger durch die herausragende Bedeutung der beiden Personen bestimmt als durch die Quellenlage, die für diesen Zeitraum ausgesprochen dürftig ausfällt und deshalb jeden dichter überlieferten Fall besonders kostbar macht.

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Von Wappen und verschwundenen Gewässern bis hin zu dunklen Kapiteln der NS-Zeit

Das neue “Emder Jahrbuch” eröffnet abermals Einblicke in die ostfriesische Geschichte

Abb. 1: Umschlagbild des aktuellen Emder Jahrbuchs 2026

Dass unsere Sicht auf die Geschichte nicht statisch ist, sondern in einem fortwährenden Prozess des Entdeckens entsteht, beweist eindrücklich die neueste Ausgabe des „Emder Jahrbuchs für historische Landeskunde Ostfrieslands“. In insgesamt sechs Forschungsbeiträgen, die zeitlich vom 15. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit reichen, unterstreicht der aktuelle Band, dass die Geschichte der Region durch moderne Fragestellungen ständig neu beleuchtet werden kann.

Der erste Beitrag stammt von Hanke Immega, Mitarbeiter der Landschaftsbibliothek, der sich für Ostfriesland immer mehr zu dem Heraldik-Experten entwickelt. Nachdem er im „Blog für ost-friesische Geschichte“ seit September 2025 bereits vier umfangreiche Beiträge zu verschiedenen Themen rund um ostfriesische Wappen veröffentlicht hat,1 befasst er sich im Emder Jahrbuch mit der „Entwicklung der Helmzierden des ostfriesischen Grafen- und Fürstenwappens“. Es geht darin nicht um den bekannten Wappenschild mit seinen sechs Feldern, sondern um den oberen Teil des Wappens. In seinem Aufsatz kommt Immega zu dem Ergebnis, dass die Helmzierden nicht nur den tatsächlichen Besitz, sondern darüber hinaus auch nicht verwirklichte Herrschaftsansprüche des Grafenhauses repräsentieren. Nach 1630 kam neben dem Oberwappen der Häuptlinge des Harlingerlandes auch das der Herrschaft Jever hinzu, welche die Cirksena nie in die Grafschaft integrieren konnten. Später wurde diese Helmzier durch die der Grafschaft Rietberg ersetzt, die vorher im Besitz einer Nebenlinie der Cirksena gewesen war.

„Von Wappen und verschwundenen Gewässern bis hin zu dunklen Kapiteln der NS-Zeit“ weiterlesen
  1. Hanke Immega, Selbstvergewisserung einer fürstlichen Halbwaise. Die Heraldik im Stammbaum der Cirksena im Rathaus zu Esens, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 24.09.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/6435; Hanke Immega, Nachahmung eines Stadtwappens mit fürstlichen Mitteln. Ein ungewöhnliches Wappen auf einer Münze Enno Ludwigs von Ostfriesland, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 05.11.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/6760; Hanke Immega, Häuptlingswappen oder Regionalwappen? Teil 1: Zur Herkunft des Norder Stadtwappens, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 04.12.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/7042; Hanke Immega, Häuptlingswappen oder Regionalwappen? Teil 2: Das Dreililienwappen von Faldern und Oldersum, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 15.01.2026, https://ostfrhist.hypotheses.org/7301. []

“Dein Freund und Henker” – Ergebnisse eines Workshops zur Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus in Ostfriesland

Ein Beitrag von Dr. Heiko Suhr

Abb. 1: Anti-Jüdische Aktion der Nationalsozialisten in Norden am 22. Juli 1935: Öffentliche Anprangerung von „Rasseschändern“: C. Neemann und J. Wolff flankiert von 2 Polizisten (NLA AU, Rep. 243, A 898/1)

Am 12. März 2026 fand im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft in Aurich der ganztägige Workshop „Polizei im Nationalsozialismus in Ostfriesland“ statt. Veranstaltet wurde er gemeinsam von der Ostfriesischen Landschaft, der Gedenkstätte Engerhafe und dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich. Gefördert wurde die Tagung durch die Hans-Heyo Prahm Stiftung, Leer.

Zur Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus in Ostfriesland liegen bislang kaum wissenschaftliche Forschungen vor. Der Workshop verfolgte daher das Ziel, den aktuellen Kenntnisstand zu bündeln und zugleich Perspektiven für die weitere Forschungsarbeit und die Nutzung der sich daraus ergebenden Erkenntnisse in der historisch-politischen Bildungsarbeit aufzuzeigen. Entsprechend gliederte sich das Programm in zwei thematische Panels: Das erste Panel befasste sich mit der historisch-wissenschaftlichen Perspektive und beleuchtete sowohl übergreifende Forschungsstände zur Polizei im Nationalsozialismus als auch regionale Quellenbestände und biografische Fallstudien aus Ostfriesland. Das zweite Panel richtete den Blick auf die historisch-politische Bildungsarbeit und fragte nach den Möglichkeiten und Herausforderungen einer berufsspezifischen Vermittlung an Gedenkstätten, nach dem Einbezug von Betroffenenperspektiven sowie nach historischen Kontinuitäten im Verhältnis von Polizei und Demokratie.

Das erste Panel eröffnete Andreas Mix, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin, mit einem Überblicksvortrag zur Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus. Er gliederte seinen Beitrag chronologisch in drei Phasen: den Übergang von der Republik zum „Führerstaat“ (1930–1934), die Phase der „Verreichlichung“, Entstaatlichung und Militarisierung (1934–1939) sowie die Zeit der entgrenzten Gewalt im Kriegseinsatz (1939–1945).

Mix legte dar, wie die Polizei bereits in den letzten Jahren der Weimarer Republik unter Druck geriet und nach 1933 schrittweise zur Stütze der nationalsozialistischen Diktatur wurde. Der Schusswaffenerlass Hermann Görings vom Februar 1933 markierte dabei einen frühen Wendepunkt, mit dem die Polizei zur rücksichtslosen Gewaltanwendung gegen politische Gegner ermächtigt wurde. Die Errichtung der Geheimen Staatspolizei und die Zusammenführung der politischen Polizeien der Länder unter Heinrich Himmler trieben die Zentralisierung voran. Himmler verfolgte programmatisch das Ziel, Polizei und SS zu einer Einheit zu verschmelzen. Parallel dazu wurde die Kriminalpolizei ideologisch aufgeladen und in den Dienst einer rassistisch begründeten „Verbrechensbekämpfung“ gestellt. Mix verdeutlichte die Verfolgungspraxis auch anhand eines regionalen Beispiels: der öffentlichen Demütigung von Christine Neemann und Julius Wolff wegen sogenannter „Rassenschande“ in Norden im Juli 1935. Im Krieg schließlich weitete sich das Einsatzspektrum der Polizei dramatisch aus – von der Sicherung der Besatzungsherrschaft über Deportationen bis hin zur unmittelbaren Beteiligung an den Völkermorden an den europäischen Juden sowie den Sinti und Roma. Dass der in der Weimarer Republik geprägte Slogan „Die Polizei – Dein Freund und Helfer“ im „Dritten Reich“ zu einem „Dein Freund und Henker“ pervertierte, machte Mix abschließend noch mal deutlich.

Mix verwies in der Diskussion auf mögliche Ansatzpunkte für die regionale Erforschung der Polizeigeschichte. Als wichtige Quellengattungen nannte er historische Tageszeitungen, Fotoalben aus Privatbesitz sowie die Personalakten der SS (sog. SSO-Akten) im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde. Zudem sei zu klären, welche Polizeibataillone in der Region aufgestellt wurden. Aus dem Publikum kam der Hinweis, auch die Perspektive der Opfer stärker einzubeziehen, etwa über die Akten der Gypsy Lore Society sowie über Zeitzeugeninterviews.

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Erneutes Vortragsangebot über zwei Emder Renaissancehäuser zwischen Abrissbirne und Denkmalschutz

Nachdem der Vortrag im Januar leider ausfallen musste, widmet sich Aiko Schmidt M.A. am 20. April 2026 nochmals der Geschichte der beiden im 16. Jahrhundert errichteten Bürgerhäuser in der Pelzerstraße in Emden

Abb.: Blick aus der Klunderburgstraße auf die Nordfassaden der Häuser Pelzerstraße 11 (links) und 12 (rechts), 2001 (Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Adolf Harms)

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ laden die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum letzten Vortrag in der Vortragssaison 2025/26 ein. Im Mittelpunkt steht die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert.

Die Emder Altstadt fiel im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig den Bombenangriffen zum Opfer. Inmitten dieser Zerstörung haben zwei im 16. Jahrhundert errichtete Bürgerhäuser an der Pelzerstraße die Zeiten überdauert und gewähren noch heute – zumindest ansatzweise – einen seltenen Einblick in die einstige Wohnkultur einer wohlhabenden Bürgerschaft. Der Vortrag zeichnet die wechselvolle Geschichte dieser beiden Renaissancegebäude von ihrer Entstehung bis in die jüngere Vergangenheit nach. Während das Haus Nr. 11 trotz fortschreitender Baufälligkeit bis 1989 als Unterkunft für sozial schwach gestellte Personen diente, wurde das Haus Nr. 12 – mit Ausnahme der erhaltenen Nordfassade – durch einen Neubau ersetzt und ab 1984 als Kulturhaus genutzt. An der Wende zum 21. Jahrhundert erfuhr das Haus Nr. 11 eine behutsame Restaurierung und vermittelt seither einen Eindruck der Lebensverhältnisse vor rund 350 Jahren, wenngleich dessen Authentizität gewissen Einschränkungen unterliegt.

Aiko Schmidt M. A. ist seit 1994 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostfriesischen Landesmuseum Emden tätig und hat zahlreiche Aufsätze zur Emder Stadtgeschichte veröffentlicht.

Aiko Schmidt M.A.

Aiko Schmidt M.A. (Emden)

Die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 20. April 2026; 19.30 Uhr

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Migration und Integration in Ostfriesland

Am Tag der Archive fand unter dem Motto “Alte Heimat – neue Heimat” im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft ein Vortragsvormittag statt

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Der Tag der Archive ist eine bundesweite Veranstaltung, um Archive und ihre Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen (Foto: Michael Hermann)

Für den 7. März 2026 lud das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – in Kooperation mit der Ostfriesischen Landschaft zu einem Vortragsvormittag unter dem Titel „Alte Heimat – Neue Heimat“ ein. Die Veranstaltung fand im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft statt und war Teil des bundesweiten „Tags der Archive“, der 2026 zum dreizehnten Mal seit seiner Erstauflage im Jahr 2001 begangen wurde. Dieser Aktionstag, organisiert vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA), gibt Archiveinrichtungen in ganz Deutschland die Gelegenheit, sich an die breite Öffentlichkeit zu wenden und auf die gesellschaftliche Bedeutung archivischer Arbeit aufmerksam zu machen.

Die Begrüßung der über dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die trotz des ungewöhnlich schönen Wetters gekommen waren, übernahmen Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft, sowie Dr. Michael Hermann, Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs.

Rico Mecklenburg hob in seiner Ansprache neben der überregionalen Bedeutung des Tags der Archive die langjährige und traditionsreiche Kooperation zwischen Landesarchiv und Ostfriesischer Landschaft hervor. Vortragsreihen, der „Tag der ostfriesischen Geschichte“ sowie zwei wissenschaftliche Buchreihen zeugten von einem fruchtbaren institutionellen Miteinander, das auch zu der sofortigen Bereitschaft führte, das Landschaftsforum als Veranstaltungsort zur Verfügung zu stellen.

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“Ich hätte niemals gedacht, dass in ‘Klein-Ostfriesland’ solche unmenschlichen Taten begangen wurden”

Ein Projekttag der KGS Wiesmoor zum Gedenken und Erinnern in Kooperation mit der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs

Ein Gastbeitrag von Isabel Scheunert (Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Aurich)

Abb. 1: Einführung in den Projekttag der 12. Jahrgangsstufe der KGS Wiesmoor durch Daniela Peters (Foto: KGS Wiesmoor)

Geschichtsunterricht in der Schule wird oftmals mit Klischees in Verbindung gebracht: Trockene Schulbücher vermitteln historische Grundkenntnisse von der Antike bis in die Moderne, große und komplizierte Zusammenhänge sollen sich anhand von zunächst oft unverständlichen Quellen erschließen und das Auswendiglernen von Zahlen und Daten darf zum Bestehen der kommenden Klausur ebenfalls nicht fehlen. Insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus wird hierbei wiederkehrend in verschiedenen Jahrgängen thematisiert. Die zentralen Orte, an denen sich die Grausamkeit des NS-Regimes abgespielt hat, scheinen dabei jedoch oft die gleichen zu sein: Berlin, München, Auschwitz und weitere. Für Ostfriesen sind dies jedoch Orte, die damals wie heute weit weg von der eigenen Lebenswelt liegen.

Wie vermittelt man also Schülern einen Eindruck davon, dass all die Dinge, die sie sonst nur aus Schulbüchern kennen, vor mehr als achtzig Jahren auch in ihrem Dorf, ihrer Stadt, ihrer Heimat geschehen sind? Wie bringt man ihnen näher, dass die grausamen Taten des NS-Regimes überhaupt stattfinden konnten, weil genug MitbürgerInnen weggeschaut haben? Kann man Kindern und Jugendlichen diese Geschehnisse überhaupt begreiflich machen? Diese Fragen stellte sich auch die Kooperative Gesamtschule in Wiesmoor und entschied sich dazu, einen themenspezifischen Projekttag anzubieten.

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Ehen vor Gericht

In einem Vortrag befasst sich Hjördis Bohse mit Streitigkeiten zu Ehe und Partnerwahl bei frühneuzeitlichen Gerichtsprozessen in Ostfriesland

Abb. 1: Albrecht Dürer: Ungleiches Paar, um 1495, Kupferstich 15,4 x 14,2 cm, Schenkung Johann Heinrich Landolt (1885) © ETH-Bibliothek Zürich, Graphische Sammlung / D 7742 / Public Domain Mark 1.0 https://doi.org/10.16903/ethz-grs-D_007742

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ zum zweiten Vortrag des Jahres 2026 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein, in dem Gerichtsprozesse zu Ehe und Partnerwahl aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Mittelpunkt stehen.

Sich für eine Eheschließung zu entscheiden, bedeutet, sich in vielerlei Hinsicht Gedanken über die Kompatibilität der betreffenden Personen zu machen. Die Erwartungshaltungen können hierbei sehr unterschiedlich sein, spielen etwa Aspekte wie gegenseitige Zuneigung, übereinstimmende Vorstellungen hinsichtlich der Lebensführung oder aber ein ähnlicher sozialer Hintergrund in die Entscheidungsfindung hinein.

Auf den ersten Blick scheint es ein Gegenwartsproblem zu sein, sich eingehend mit den eigenen hohen Ansprüchen an eine potenzielle Partnerin oder einen potenziellen Partner zu befassen. Doch bereits im frühneuzeitlichen Ostfriesland gehörte es zu einer gängigen Praxis, die Eignung eines Paares für eine gemeinsame Ehe genau zu prüfen. Neben den Vorstellungen eines Paares selbst erhoben auch die beteiligten Familien Ansprüche, in die Partnerwahl einbezogen zu werden. Mit dieser Vielzahl an involvierten Personen ging ein großes Konfliktpotenzial einher. So kam es nicht selten vor, dass vor den ostfriesischen Gerichten über ein gebrochenes Eheversprechen oder aber über die Verweigerung des elterlichen Konsenses geklagt wurde.

Anhand noch kaum betrachteter Prozessakten, die sich im Niedersächsischen Landesarchiv in Aurich befinden, beleuchtet der Vortrag die komplexen Dynamiken, die die Eheanbahnungsphase prägten. Der Fokus des Vortrages liegt dabei auf den Argumentationsmustern, die Aufschluss über die Gründe für oder gegen eine Eheschließung geben. Es wird den Fragen nachgegangen, mittels welcher Kategorien – wie etwa geschlechtsspezifischer Rollenbilder, Alter oder Berufsstand – die klagenden und beklagten Personen ihr Anliegen verdeutlichten und inwiefern es durch die eigene Argumentation gelang, den Aushandlungsprozess zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Hjördis Bohse M.Ed.

Hjördis Bohse M.Ed. (Osnabrück)

Ehe und Partnerwahl: Streitigkeiten im frühneuzeitlichen Ostfriesland. Ein Einblick in Gerichtsprozesse und Argumentation aus dem 17. und 18. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 16. März 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann

(Red.: H.S.)

Alte Heimat – neue Heimat

Im Rahmen des bundesweiten “Tags der Archive” widmet sich am 7. März 2026 ein Vortragsvormittag dem Thema “Migration in Ostfriesland” aus historischer und aktueller Perspektive

Abb.: Roman Siewert, Leiter des Sozialwerks Nazareth, umringt von geflüchteten vietnamesischen Kindern, ca. 1980 (NLA AU Rep. 243 B 2162)

Migration und Integration prägen Ostfriesland seit Jahrhunderten. Die Region war immer wieder Ziel von Menschen, die hier eine neue Heimat suchten – ob Glaubensflüchtlinge in der Frühen Neuzeit, Vertriebene nach 1945 oder Geflüchtete in jüngerer Zeit. Wie gestaltete sich das Ankommen? Welche Hürden gab es, welche Chancen wurden ergriffen?

Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich ein Vortragsvormittag anhand dreier Fallbeispiele aus unterschiedlichen Epochen: von der Nachkriegszeit über die vietnamesischen Boat-People bis zur aktuellen Integrationsarbeit im Landkreis Aurich. Dabei werden sowohl die Perspektiven der Ankommenden als auch die der aufnehmenden Gesellschaft in den Blick genommen.

Der Vortragsvormittag wird von dem Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich in Kooperation mit der Ostfriesischen Landschaft veranstaltet und findet am 7. März 2026 ab 10.00 Uhr im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft (Georgswall 1–5, 26603 Aurich) statt.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm

Alte Heimat – neue Heimat
7. März 2026

10.00 Uhr:      Begrüßung durch den Präsidenten der Ostfriesischen Landschaft, Rico Mecklenburg, und den Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann

10.15 Uhr:      Lennart Bohne (Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld)
„Das waren für uns Ausländer“ – Aufnahme und Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Ostfriesland

11.00 Uhr:      Dr. Edda Willamowski (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Vietnamesische Geflüchtete in Ostfriesland. Geschaffene und genutzte Möglichkeiten

11.45 Uhr:      Kaffeepause

12.00 Uhr:      Daphne Mariebelle Eich (KVHS Aurich)
Teilhaben und Ankommen: Integration von Migrant*innen im Landkreis Aurich

12.45 Uhr:      Abschlussdiskussion

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Frühneuzeitliche Befestigungsanlagen in Ostfriesland

Dr. Andreas Hüser berichtet in einem Vortrag von den archäologischen Erkenntnissen zur Festung Leerort und zur Dieler Schanze

Abb.: Darstellung der Festung Leerort, von Georg Faber, 1632 (Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur 30917/36)

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ zum zweiten Vortrag des Jahres 2026 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein.

In diesem Vortrag geht es um zwei bedeutsame frühneuzeitliche Festungswerke der Grafschaft Ostfriesland: Die Festung Leerort auf der Landspitze zwischen Leda und Ems als einst größte ostfriesische Landesfestung und die Schanze bei Diele als Grenzbefestigung im Rheiderland.

Beide Festungswerke waren zwischen 2010 und 2013 Bestandteil archäologischer Untersuchungen durch die Ostfriesische Landschaft, um Kenntnisse über die Struktur und den Aufbau zu gewinnen: Im Boden verborgen haben zahlreiche Zeugnisse dieser teils unruhigen Zeiten überdauert. Die Ergebnisse ergänzen maßgeblich das bisherige Wissen zu den Anlagen. Das reichhaltige Fundmaterial liefert Einblicke in Belagerungstechniken, aber auch in das tägliche Leben der gräflichen Familie im Schloss Leerort oder das Leben der in den Festungen stationierten Soldaten. Im Vortrag wird über zehn Jahre nach Abschluss der Untersuchungen ein Einblick in den Festungsbau des 16. bis 18. Jahrhunderts gegeben und unterschiedliche Alltagssituationen beleuchtet.

Dr. Andreas Hüser hat im Rahmen des Projektes „Grenzland Festungsland“ zwischen 2010 und 2013 die Grabungen in Diele und Leerort geleitet und war anschließend für den Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft bis 2015 tätig. Seit 2017 ist er Leiter der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven.

Dr. Andreas Hüser

Dr. Andreas Hüser (Bad Bederkesa)

Dieler Schanze und Festung Leerort

Zeit:                Montag, den 16. Februar 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)