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Festschrift für Dr. Paul Weßels

Ein Sammelband mit 25 Beiträgen befasst sich mit “Ostfriesland im ‘langen’ 19. Jahrhundert”

Abb. 1: Titelbild der neuerschienenen Festschrift für Dr. Paul Weßels zu Ostfriesland im “langen” 19. Jahrhundert

Bereits 1987 prägte der Historiker Eric J. Hobsbawm den Epochenbegriff des „langen 19. Jahrhunderts“ und bezog sich dabei auf einen Zeitabschnitt, der von der Französischen Revolution 1789 auf der einen Seite und dem Ersten Weltkrieg auf der anderen Seite eingerahmt wird1. In der deutschen Historiographie hat sich diese Bezeichnung weitgehend durchgesetzt,2 auch wenn sich das „lange 19. Jahrhundert“ bis heute noch den Versuchen entzieht, mit einem passenden und allgemeingültigen Stichwort belegt zu werden. Vielmehr wird in der Regel der „Übergangscharakter“ dieses Zeitraumes betont – etwa vom Feudalismus zu einer bürgerlichen Gesellschaft, von einer „ständisch gebundenen Ökonomie […] zur kapitalistischen, zunehmend industrialisierten Marktwirtschaft“, schließlich von der absolutistischen Herrschaftsform zu einen modernen Nationalstaat3.

Auch die Region Ostfriesland sah sich während des „langen 19. Jahrhunderts“ vielfachen Veränderungen ausgesetzt. Mehrmals wechselte die politische Zugehörigkeit: infolge der napoleonischen Kriege war Ostfriesland zeitweise ein Departement im Königreich Holland, ab 1811 das französische „Département de l‘Ems Oriental“, nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Gebiet dem Königreich Hannover zugesprochen, um dann 1866 – nunmehr als Bestandteil der Provinz Hannover – in den preußischen Staat zurückzukehren und schließlich 1871 Teil des Deutschen Kaiserreiches zu werden. Aber darüber hinaus lassen sich noch weitere bedeutsame sozio-ökonomische Entwicklungslinien aufzeigen, darunter das Aufkommen der Dampfschifffahrt, die Verdichtung des Kanal- und Eisenbahnnetzes, die flächendeckende Energieversorgung mit Strom und Gas,4 das Anwachsen des Fremdenverkehrs, insbesondere auf den ostfriesischen Inseln, die Kultivierung der Moore und die Verbesserung der Landeskultur, zwischenzeitlich auch die Auswanderung der Ostfriesen vor allem in die Vereinigten Staaten von Amerika.

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  1. Vgl. Eric Hobsbawm, The Age of Empire 1875-1914, London 1987, S. 6-12 [↩]
  2. Vgl. Theo Jung / Sonja Levsen / Sabine Mischner / Friedemann Pestel / Christina Schröer, Das lange 19. Jahrhundert, in: Laura Busse u.a. (Hrsg.), Clio-Guide. Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, Berlin 2018, S. C.4-1-C.4.34 (https://guides.clio-online.de/guides/epochen/das-lange-neunzehnte-jahrhundert/2018) [zuletzt abgerufen: 01.06.2023]; Jürgen Kocka, Kampf um die Moderne. Das lange 19. Jahrhundert in Deutschland, Stuttgart 2021. [↩]
  3. Siehe dazu: Kocka, S. 20-21 [↩]
  4. Darauf hat aktuell Paul Weßels in einem Beitrag hingewiesen: Paul Weßels, Die Gaswerke in Ostfriesland. Ein vergessenes Kapitel regionaler Energie- und Wirtschaftsgeschichte, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 103, 2023, S. 83-120. [↩]

200 Jahre Stadtrechte

Eine Festschrift lässt Leeraner Geschichte Revue passieren

Abb. 1: Titelblatt der Festschrift

Gerade rechtzeitig für die in Leer anstehenden Feierlichkeiten zum 200jährigen Stadtrechtsjubiläum konnte auch die dazugehörige Festschrift fertiggestellt werden, die maßgeblich vom Stadtarchiv Leer erarbeitet worden ist. Herausgekommen ist ein 100 Seiten umfassendes Buch, das reichhaltig illustriert ist und – neben mehreren lesenswerten Beiträgen – auch zahlreiche ausgewählte Stadtansichten zu Leer aus dem 19. Jahrhundert, aber auch aus jüngeren Zeiten bereithält.

Nach den obligatorischen Grußworten des Leeraner Bürgermeisters, des Landrates des Landkreises Leer und des niedersächsischen Ministerpräsidenten werden Abbildungen der 17seitigen Verfassungsurkunde von 1823 – mit jeweils danebenstehender Transkription – präsentiert, in der die von Georg IV. verliehenen Rechte und Pflichten der neuernannten „Stadt“ niedergelegt waren. Anschließend befasst sich der Leiter des Stadtarchivs Leer, Jan Böttche, in seinem Beitrag mit dem langen Weg Leers zur Stadtwerdung. Denn seit 1600 gab es bereits mehrere Anläufe, Leer die Stadtrechte zu verleihen, was jedoch zumeist am Widerstand der Einwohner scheiterte – nichtzuletzt weil diese die damit verbundenen höheren Verwaltungskosten scheuten. Obwohl die Leeraner Bürger noch wenige Jahre vor der Stadtrechtsverleihung für eine Beibehaltung der alten Fleckensordnung gestimmt hatten bzw. es nur zu einer Stimmengleichheit gekommen war, verlieh der Hannoversche König Georg IV. – ungeachtet des Willens der Einwohnerschaft – am 11. Juli 1823 Leer die Privilegien einer Stadt.

Anschließend folgen in dem Band zwei Kurzbeiträge zum Leeraner Stadtwappen und zu den sieben Ehrenbürgern der Stadt. Ausführlicher befasst sich der Band dagegen mit der Zeit der Weimarer Republik. So wird Dr. Erich vom Bruch (1885-1933) näher vorgestellt, der zwischen 1920 und 1933 Bürgermeister der Stadt Leer gewesen ist. Vom Bruch war Ende März 1933 von den Nationalsozialisten in seiner Wohnung festgesetzt worden. Gleichzeitig wurden gegen ihn – letztlich – haltlose Vorwürfe wegen „Pumpwirtschaft“ und „Inkorrektheiten“ der städtischen Verwaltung erhoben. Massiv in seiner Ehre angegriffen sah der ehemalige Bürgermeister keinen anderen Ausweg, als sich vom 6. auf den 7. Mai 1933 mit einem Revolver das Leben zu nehmen. Dem Beitrag folgt die Vorstellung von vier „politischen Frauen“ in der Weimarer Republik, darunter z.B. die Telefonistin Auguste Redeker (1875-1962), die 1919 in das Bürgervorsteherkollegium der Stadt Leer gewählt worden war.

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Neuerscheinung der Festschrift für Dr. Rolf Bärenfänger

Seit mehreren Jahrzehnten gehört es zum guten Ton, dass sowohl den Direktoren des Auricher Archivs als auch den Landschaftsdirektoren zu deren Ausscheiden aus dem aktiven Dienst eine Festschrift gewidmet wird. Nachdem 1995 Dr. Walter Deeters (Archiv) mit der „Collectanea Frisica“ gewürdigt wurde, folgte zehn Jahre später eine Festschrift für Dr. Hajo van Lengen (Landschaft) mit „Tota Frisia in Teilansichten“ und 2015 mit dem Titel „Das 20. Jahrhundert im Blick“ ein Band für Dr. Bernhard Parisius (Archiv). Weitere fünf Jahre später ist nun die Festschrift für Dr. Rolf Bärenfänger erschienen, der 30 Jahre lang – vor allem als Archäologe – in Diensten der Ostfriesischen Landschaft stand und zuletzt seit 2008 den Posten des Landschaftsdirektors inne hatte.

Zahlreiche Wegbegleiter Bärenfängers haben sich an dieser Festschrift beteiligt. Insgesamt finden sich in dem Band knapp 40 Beiträge, die in drei große Bereich unterteilt wurden. Im ersten Teil steht die Archäologie Ostfrieslands im Fokus, Teil 2 nimmt die Archäologie in ganz Niedersachsen, aber auch in Bremen, Hamburg und den Niederlanden in den Blick. Um „Ostfriesland: historisch und gegenwärtig“ geht es dagegen im dritten Teil.

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