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Von Wappen und verschwundenen Gewässern bis hin zu dunklen Kapiteln der NS-Zeit

Das neue “Emder Jahrbuch” eröffnet abermals Einblicke in die ostfriesische Geschichte

Abb. 1: Umschlagbild des aktuellen Emder Jahrbuchs 2026

Dass unsere Sicht auf die Geschichte nicht statisch ist, sondern in einem fortwährenden Prozess des Entdeckens entsteht, beweist eindrücklich die neueste Ausgabe des „Emder Jahrbuchs für historische Landeskunde Ostfrieslands“. In insgesamt sechs Forschungsbeiträgen, die zeitlich vom 15. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit reichen, unterstreicht der aktuelle Band, dass die Geschichte der Region durch moderne Fragestellungen ständig neu beleuchtet werden kann.

Der erste Beitrag stammt von Hanke Immega, Mitarbeiter der Landschaftsbibliothek, der sich für Ostfriesland immer mehr zu dem Heraldik-Experten entwickelt. Nachdem er im „Blog für ost-friesische Geschichte“ seit September 2025 bereits vier umfangreiche Beiträge zu verschiedenen Themen rund um ostfriesische Wappen veröffentlicht hat,1 befasst er sich im Emder Jahrbuch mit der „Entwicklung der Helmzierden des ostfriesischen Grafen- und Fürstenwappens“. Es geht darin nicht um den bekannten Wappenschild mit seinen sechs Feldern, sondern um den oberen Teil des Wappens. In seinem Aufsatz kommt Immega zu dem Ergebnis, dass die Helmzierden nicht nur den tatsächlichen Besitz, sondern darüber hinaus auch nicht verwirklichte Herrschaftsansprüche des Grafenhauses repräsentieren. Nach 1630 kam neben dem Oberwappen der Häuptlinge des Harlingerlandes auch das der Herrschaft Jever hinzu, welche die Cirksena nie in die Grafschaft integrieren konnten. Später wurde diese Helmzier durch die der Grafschaft Rietberg ersetzt, die vorher im Besitz einer Nebenlinie der Cirksena gewesen war.

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  1. Hanke Immega, Selbstvergewisserung einer fürstlichen Halbwaise. Die Heraldik im Stammbaum der Cirksena im Rathaus zu Esens, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 24.09.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/6435; Hanke Immega, Nachahmung eines Stadtwappens mit fürstlichen Mitteln. Ein ungewöhnliches Wappen auf einer Münze Enno Ludwigs von Ostfriesland, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 05.11.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/6760; Hanke Immega, Häuptlingswappen oder Regionalwappen? Teil 1: Zur Herkunft des Norder Stadtwappens, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 04.12.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/7042; Hanke Immega, Häuptlingswappen oder Regionalwappen? Teil 2: Das Dreililienwappen von Faldern und Oldersum, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 15.01.2026, https://ostfrhist.hypotheses.org/7301. [↩]

Exekutionsplatz gesucht – Der Egelser Richtplatz beim Tränenhügel

Ein Gastbeitrag von Hans-Joachim Habben

Im Februar des Jahres 1815 wurde die Auricher Landdrostei vom Emder Landrat darüber informiert, dass im Haus des Bauern Siebelt Hanshen Hanshen in Suurhusen dessen Magd „in ihrem Blute todtliegend und ein Messser neben ihr“ aufgefunden worden war. Erste Befragungen ließen zunächst einen Selbstmord vermuten. Doch die weitere Untersuchung ergab, dass es sich um „eine der furchtbarsten Mordthaten“ gehandelt hatte, da die Tote 52 Hieb- und Stichwunden aufwies.1 Der Mörder wurde schnell ermittelt. Siebelt Hanshen Hanshen hatte seine Bedienstete erstochen und wurde kurzerhand zum Tode verurteilt.

Wahrscheinlich war in Aurich schon lange kein Todesurteil mehr vollstreckt worden, denn die alte Richtstätte in Egels war inzwischen zu Ackerland geworden. Man schaute sich nach einer anderen Stelle um und führte die Exekution schließlich in einem Gebiet zwischen Aurich und Schirum – in Middelburg – durch.

Abb. 1: Auszug aus einem Schreiben der Königlich ostfriesischen Oberlandesgerichts-Kommission vom 04.05.1816, dass der Termin für die Hinrichtung von Siebelt Hanshen Hanshen festgelegt worden ist (NLA AU Rep. 15 Nr. 11235)

Damit war das Problem aber nur kurzzeitig aus der Welt geschafft. Im Jahr 1819 sollte der Schäfer Gerd Hinrichs Büsselmann wegen eines Doppelmordes „durch das Rad von oben“2 hingerichtet werden und wieder hatte man dafür keine geeignete Richtstätte.

In früheren Zeiten wurde die Vollziehung von Todesstrafen meistens öffentlich, oft auf dem Marktplatz, durchgeführt. Eine derartige Veranstaltung lockte viele Schaulustige an und hatte nicht selten den Charakter eines Volksfestes. In Aurich fanden Hinrichtungen außerhalb der Stadtmauern statt. Die Gemeinde Egels hatte, wie die Beamten der Landdrostei schreiben, seit undenklichen Zeiten die Verpflichtung übernommen, einen Platz für Exekutionen bereitzustellen. Dafür war sie von einigen Abgaben befreit.

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  1. Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Aurich (im Folgenden: NLA AU) Rep. 15, Nr. 11235, Schreiben des Emder Landrats. [↩]
  2. H. Ites, Die letzte öffentliche Hinrichtung in Ostfriesland, in: Heimatkunde und Heimatgeschichte, 1959, H. 4, S. 15; J. Knoop, Die letzte Hinrichtung in Egels bei Aurich im Jahre 1819, in Heimatkunde und Heimatgeschichte, 1927, Heft 3. [↩]