Digital resources in the Social Sciences and Humanities OpenEdition Our platforms OpenEdition Books OpenEdition Journals Hypotheses Calenda Libraries OpenEdition Freemium Follow us

Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Overledingerland – eine neue Publikation von Hermann Adams

In der Riege der ostfriesischen Heimatforscher ist Hermann Adams aus Westoverledingen schon lange kein Unbekannter mehr. Immer wieder hat er sich durch Publikationen und Initiativen mit der Geschichte des Overledingerlandes (historische Landschaft im südöstlichen Landkreis Leer), insbesondere während des „Dritten Reiches“, auseinandergesetzt, und auch der Sensationsfund der vergangenen Jahre, die Entdeckung des Fotoalbums des Völleners Johann Niemann aus dem Vernichtungslager Sobibor, wird unverrückbar mit seinem Namen verbunden bleiben.

Nun hat Adams eine neue Publikation herausgebracht, in der er sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Overledingerland befasste. Dazu hat er nicht nur unzählige Zeitzeugen befragt, sondern auch Aktenrecherche betrieben und mit dem Militärarchiv in Warschau/Warszawa und dem kanadischen National Archive in Ottawa korrespondiert. Im Mittelpunkt dieser Geschehnisse stehen vor allem die wenigen Tage zwischen dem 21. und dem 28. April, also vom Vorstoß alliierter Streitkräfte auf ostfriesisches Gebiet bis zum Angriff auf die Stadt Leer.

„Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Overledingerland – eine neue Publikation von Hermann Adams“ weiterlesen

Margarete Cramer: Von der Unternehmergattin zur Unternehmerin. Ein Auricher Frauenleben im Wandel

Ein Gastbeitrag von Laura-Sophie Bönemann

Konflikte und Neustrukturierungen markieren das frühe 20. Jahrhundert als zentrale Phase gesamtgesellschaftlicher Umbruchs- und Modernisierungsprozesse. Nach dem Ersten Weltkrieg, der die bis dato bestehende kollektive Ordnung erschütterte und als Katalysator eines ubiquitären Wandlungsdrucks fungierte, verblieben revolutionäre Gedanken und eine neue demokratische Aufbruchsstimmung. Neben Institutionen, Identitäten und Idealen drängten „traditionelle“ Familienstrukturen und Rollenbilder nach Veränderung, wodurch mit dem erreichten Frauenwahlrecht 1918, sowie Reformen der Frauenbildung und Erwerbstätigkeit, Angelpunkte der Emanzipationsgeschichte in diese Zeit fallen. War es bis Kriegsbeginn gerade im Mittel- und Großbürgertum noch selbstverständlich, dass der Erwerb des Patriarchen die Versorgung der Familie gewährleistet, während die Frau ihren „häuslichen Pflichten“ nachging, galt es nach Einzug der wehrfähigen Männer deren Erwerbslücke auszufüllen, um Kriegsversorgung und Infrastruktur an der „Heimatfront“ abzusichern.

Abb. 1: Fotografie der jungen Margarete Aden, aufgenommen im Atelier des Fotografen J.B. Feilner in Hannover, 1902 (aus: Musolf, Rüdiger, Gerhard Silomon. Geschichte eines Textilhauses, Aurich 1994, S. 57).
„Margarete Cramer: Von der Unternehmergattin zur Unternehmerin. Ein Auricher Frauenleben im Wandel“ weiterlesen

Wanderausstellung “Jüdisches Leben in der Grenzregion – Joods leven in de grensstreek”

Ein Gastbeitrag von Dr. Juliane Irma Mihan (Forschungsprojekt: “Jüdisches Leben im grenznahen Raum”)

Abb. 1: Der Teppich der Wanderausstellung “Jüdisches Leben in der Grenzregion – Joods leven in de grensstreek” als Rahmen (Foto: LK Leer)

Ein Teppich in Knallbunt ist der Rahmen einer Wanderausstellung, die über jüdisches Leben in der Grenzregion Rheiderland – Groningen informiert. Der Teppich zeigt eine stilisierte Landkarte mit den Orten Jemgum, Bunde, Weener, Winschoten, Bourtange und Groningen, die Heimat für jüdische Gemeinden gewesen sind und miteinander in Zusammenhang standen. Durch den Teppich kann die Wanderausstellung in ganz unterschiedlichen Räumlichkeiten aufgebaut werden, denn er ist gewissermaßen der Ausstellungsraum. Alle Ausstellungsteile sind mit dem Teppich verbunden, indem sie mit mindestens einer Ecke auf dem Teppich stehen. Auf der Teppichkarte kann man ganz leicht (und ohne nasse Füße zu bekommen) von Leer ins Rheiderland und weiter ins Groningerland und nach Groningen wandern – und selbstverständlich auch wieder zurück. Diese Wanderungsbewegung gab es seit dem 17. Jahrhundert, als sich jüdische Gemeinden im Rheiderland formierten.

Enge Verbindungen

Die Geschichte der benachbarten Regionen Rheiderland und Groningerland ist seit dieser Zeit untrennbar mit der Geschichte ihrer jüdischen Gemeinden verbunden. Die Jüdinnen und Juden in der Grenzregion hatten sich aktiv in den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Alltag integriert. Ohne die Geschichte dieser jüdischen Gemeinden kann die historische Entwicklung Ostfrieslands und der Provinz Groningen nicht gedacht und verstanden werden. Dem tschechisch-jüdischen Kulturwissenschaftler Vilém Flusser (1920 – 1991) folgend, der in einem Interview über das Thema „Grenze“ kurz vor seinem Tod konstatierte, dass zwei benachbarte Regionen in der Realität nie scharf voneinander abgegrenzt seien,1 ist auch für die Grenzregion Rheiderland – Groningerland eine Überschneidung der Kulturen festzustellen. Allein die Ähnlichkeit von Rheiderländer und Groninger Platt unterstreicht dies.2 Und so wird die Grenzregion Rheiderland – Groningerland zu einer Kontaktzone.3 Zur Geschichte der Grenzregion gehört aber auch, dass Jüdinnen und Juden unter der nationalsozialistischen Regierung ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. In der Wanderausstellung wird dieser Geschichte auf unterschiedlichen Ebenen und mit verschiedenen Methoden nachgegangen.

„Wanderausstellung “Jüdisches Leben in der Grenzregion – Joods leven in de grensstreek”“ weiterlesen
  1. Das Interview ist u.a. abgedruckt in Klaus Sander (Hrsg.), Vilém Flusser. Zwiegespräche. Interviews 1967-1991. Göttingen: European Photography, 1996, S. 94-98. [↩]
  2. Juliane Irma Mihan, Jüdisches Leben im grenznahen Raum. Die Wechselbeziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden im Rheiderland und Groningerland. Aurich: Ostfriesische Landschaft, 2021, S. 51. [↩]
  3. Zum Begriff der Kontaktzone vgl. die Studie von Alexandra Binnenkade, KontaktZonen. Jüdisch-christlicher Alltag in Lengnau. Köln u.a.: Böhlau, 2009. [↩]

Ein “Haupt- und Heldenbuch in plattdeutscher Sprache” – Karl Tannen und seine Bearbeitung des “Reineke Voß”, Bremen 1861

Abb. 1: Der Reinicke Voß auf einem Hamburger Druck aus dem Jahr 1660

Etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts blühte im Zuge von Romantik, Historismus und später der Heimatbewegung auch in Ostfriesland die niederdeutsche Literatur wieder auf. Bereits damals gab es einerseits die begründete Angst der Verdrängung des Plattdeutschen, und andererseits wurde das Plattdeutsche gleichzeitig Teil einer neuen, eigenen ostfriesischen Identität – in Abgrenzung vom Hochdeutschen, von Hannover und allem was man damit assoziierte. Im Zuge dieser Aufwertung der plattdeutschen Sprache veröffentlichte der aus Leer stammende Karl Tannen eine plattdeutsche Bearbeitung des Versepos „Reineke Voß“ auf der Basis einer berühmten mittelniederdeutschen Fassung von 1498. Das schmale, schön gesetzte Bändchen erschien 1861 im Bremer Verlag von Heinrich Strack. Tannens Ziel bei dieser Bearbeitung des Stoffs war die Aufwertung der plattdeutschen Sprache und Literatur. Der Reineke Fuchs sei ein „Haupt- und Heldenbuch in plattdeutscher Sprache“ postuliert der niederdeutsche Lyriker und Schriftsteller Klaus Groth (1819-1899) im Vorwort dieser Ausgabe von 1861. Groth war neben Fritz Reuter (1810-1874) der Begründer der niederdeutschen Literaturrenaissance des 19. Jahrhunderts. Die bearbeitete Wiederveröffentlichung sollte nach Groth dazu beitragen, „den wieder erwachten Sinn für den [niederdeutschen] Schatz an Sprache und Poesie, den unsere Altvordern uns überliefert haben“ zu stärken und veredeln. Indem gezeigt werde, dass das Niederdeutsche in seiner Dichtung „eigene Blüthen und Früchte“ tragen könne, rette man zugleich auch „Stamm und Wurzeln“ des Hochdeutschen.

„Ein “Haupt- und Heldenbuch in plattdeutscher Sprache” – Karl Tannen und seine Bearbeitung des “Reineke Voß”, Bremen 1861“ weiterlesen

“100 Bände Emder Jahrbuch”

Mit einem Vortrag über die Geschichte der einzigen geschichtswissenschaftlichen Zeitschrift Ostfrieslands startet die landeskundliche Vortragsreihe 2021/22.

Nach der langen und unerfreulichen Pandemie-Pause laden die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – endlich wieder zum Start der gemeinsamen Vortragsserie 2021/22 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein.

Am 20. September 2021 um 19.30 Uhr hält Dr. Michael Hermann einen Vortrag mit dem Titel „100 Bände Emder Jahrbuch – Die Entwicklung der historischen Zeitschrift für ostfriesische Landeskunde im Beziehungsgeflecht zwischen ‘Kunst’, Staatsarchiv und Ostfriesischer Landschaft“.

„“100 Bände Emder Jahrbuch”“ weiterlesen

Vom “Beweglichwerden der Kinder”. Die Beratungsstelle für Laienspiel in Jugendgruppen und Schulen und ihre Zeitschrift “Wer spielt mit?” 1950 bis 1959

Abb. 1: Titelblatt des 3. Rundbriefes von 1952 (Landschaftsbibliothek Aurich)

In der ersten Hälfte der 1950er Jahre erlebte das Laienspiel in Jugendvereinen und Schulen einen ungeheuren Aufschwung. 1953 wandte sich der vierte Ostfriesentag direkt an die ostfriesische Jugend. Es wurde u.a. ein „Wettstreit im plattdeutschen Spiel“ veranstaltet. Unter Beteiligung von 95 Schulen mit ca. 3.000 Schülern wurden an drei Veranstaltungsorten vor insgesamt etwa 12.000 Gästen nicht nur Volkstanz und Chorgesang, sondern auch das Laienspiel präsentiert. In der abschließenden Festveranstaltung führten Wittmunder Schüler schließlich auch das Spiel „Gudrun. En Spill na dat olle Lied“ von Wilhelmine Siefkes auf.1

„Vom “Beweglichwerden der Kinder”. Die Beratungsstelle für Laienspiel in Jugendgruppen und Schulen und ihre Zeitschrift “Wer spielt mit?” 1950 bis 1959“ weiterlesen
  1. Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Aurich (im Folgenden: NLA AU), Dep. 1 N, Nr. 2407. [↩]

Wider den Impfzwang – Pockenschutzimpfung und Impfgegner in Ostfriesland um 1900

Abb. 1: Stempel des 1912 gegründeten Impfgegner-Vereins Aurich (NLA AU Dep. 34 B Nr. 1040).

„Impfen tötet“ – so stand es auf einem selbstgemalten Plakat, das auf der Demonstration der Initiative „Querdenken 494 – Ostfriesland“ am 18. Oktober 2020 in Aurich zu sehen war.1 Auch wenn es auf der Demo in erster Linie um die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, u.a. der Maskenpflicht, ging, waren darüber hinaus bereits kritische Meinungen zu den geplanten Impfmaßnahmen gegen Covid-19 sichtbar.

Abb. 2: Plakat gegen das Impfen auf einer Demonstration in Aurich am 18. Oktober 2020 (Foto: Claus Arne Hock).

Impfkritik ist so alt wie das Impfen selbst,2 und auch Begriffe wie „Impfpflicht“ und „Impfzwang“, die in Verbindung mit der Corona-Pandemie aktuell immer wieder fallen und diskutiert werden, sind alles andere als neu. Denn bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren in Deutschland Fragen „nach dem Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft“ aufgekommen: „Was ist wichtiger, der Schutz der Gesellschaft vor Seuchen oder die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen? Und darf der Staat die Immunisierung des Einzelnen im Dienste der Allgemeinheit erzwingen?“3

„Wider den Impfzwang – Pockenschutzimpfung und Impfgegner in Ostfriesland um 1900“ weiterlesen
  1. https://www.on-online.de/-news/artikel/882944/Viereinhalbstuendige-Demo-gegen-Corona-Auflagen [Abruf am 17.08.2021]. [↩]
  2. Vgl. Malte Thießen, Immunisierte Gesellschaft. Impfen in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 2017, S. 14. [↩]
  3. Thießen, S. 9. [↩]

75 Jahre Ostfriesland in Niedersachsen – Bericht zur digitalen Tagung der Ostfriesischen Landschaft in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesarchiv am 2. Juli 2021

Von Matthias Thaden (Berlin)

Die Vortragenden und Gastgeber der Online-Tagung: v.l. Prof. Dr. Bernhard Parisius, Astrid Parisius M.A., Rico Mecklenburg, Dr. Matthias Stenger, Dr. Inge Lüpke-Müller, Dipl. Archivarin Kirsten Hoffmann, Dr. Michael Hermann, Dr. Paul Weßels (Foto: Brasat)

Am 1. November jährt sich die Gründung des Bundeslandes Niedersachsen durch die britischen Alliierten zum 75. Mal. Dieses Ereignis bildete nicht nur den Anlass für die Herausgabe eines Sammelbands aus dem Niedersächsischen Landesarchiv, der ein beeindruckendes und reich illustriertes Kompendium verschiedener politik- und alltagsgeschichtlicher Themen darstellt.1 Auch die Ostfriesische Landschaft und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich nutzten das anstehende Jubiläum, um in einer von Paul Weßels moderierten Tagung nach der Rolle und dem Standort Ostfrieslands innerhalb des Bundeslandes zu fragen. Auf Grund der Pandemielage hatten sich die Organisatoren für die Abhaltung einer digitalen Tagung entschieden. Nur die Vortragenden fanden sich persönlich im Landschaftsforum zusammen. Mehr als 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ostfriesland, aber auch den angrenzenden Regionen hatten sich online zu der Veranstaltung zugeschaltet, die – von kleineren technischen Problemen abgesehen – reibungslos in dem neuen Format ablief.

„75 Jahre Ostfriesland in Niedersachsen – Bericht zur digitalen Tagung der Ostfriesischen Landschaft in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesarchiv am 2. Juli 2021“ weiterlesen
  1. Vgl. Sabine Graf / Gudrun Fiedler / Michael Hermann (Hrsg.), 75 Jahre Niedersachsen. Einblicke in seine Geschichte anhand von 75 Dokumenten, Göttingen 2021 (https://ostfrhist.hypotheses.org/277). [↩]

Komplizenschaft

Ein Beitrag anlässlich der aktuellen Sonderausstellung des Ostfriesischen Landesmuseums Emden über die Sammeltätigkeit der Gesellschaft für bildende Kunst und Vaterländische Altertümer (der „Kunst“) sowie der Stadt Emden während der NS-Zeit im Fokus der Provenienzforschung, die noch bis 14. November 2021 läuft.

Von Mag. Georg Kö (Provenienzforscher am Ostfriesischen Landesmuseum Emden)

„Das Sammeln von Objekten geht bis in die Anfänge menschlicher Gesellschaften zurück. Die ‚Aneignung‘ der Welt oder der Wunsch, die Zeit durch materielle Belege festzuhalten, sind nur einige Motive privaten Sammelns, die vielfach den Grundbestand heutiger Museen bilden. […] Was gesammelt wird, ist vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand und den gesellschaftlichen Gegebenheiten abhängig.“1

Diese gefällige und weitreichende Definition des Sammelns als zentrale Museumsaufgabe veröffentlichte der Deutsche Museumsbund e. V. vor wenigen Jahren für seine Mitglieder. Daraus ergibt sich vorerst das Bild einer untadeligen Beschäftigung, welcher die Menschheit seit ihrer Geburt nachgehen würde. Blicken wir jedoch bloß einige Jahrzehnte bis in die 1930er und 1940er Jahre zurück, so finden wir völlig andere „gesellschaftliche Gegebenheiten“ vor, im Rahmen derer sowohl die Motive des Sammelns, als auch das, was damals als „wissenschaftlicher Kenntnisstand“ galt, jedoch vielfach mit ganz und gar nicht wissenschaftlicher rassistischer Ideologie aufgeladen war, zu weit mehr, als nur einer intellektuellen „Aneignung“ der Welt führten. Tatsächlich war das Sammeln in jener Zeit auch und manchmal ausschließlich mit „Beraubung“ synonym zu setzen. Vor allem das Eigentum des als jüdisch kategorisierten Teils der Bevölkerung war Ziel jener dunklen Seite dieser Tätigkeit. Die Sonderausstellung „Komplizenschaft. Die Sammeltätigkeit von ‚Kunst‘ und Stadt Emden während der NS-Zeit im Fokus der Provenienzforschung“ widmet sich dieser Problematik und zeigt auf, dass geraubtes Kulturgut aus jüdischem Eigentum – vor allem Möbel, Porzellan, Grafiken, Kunsthandwerk etc. – von beiden heutigen Trägern des Ostfriesischen Landesmuseums Emden nachhaltig gesammelt wurde und sich so auch in den aktuellen Sammlungen des Hauses wiederfindet.2

„Komplizenschaft“ weiterlesen
  1. Museumsaufgaben, Veröffentlicht vom Deutschen Museumsbund am 6. März 2017 (URL: https://www.museumsbund.de/museumsaufgaben/ ; accessed: 28. Juni 2021). [↩]
  2. Da die Corona Pandemie leider auch die Schließung des Ostfriesischen Landesmuseums Emden notwendig gemacht hat, wurden Ausschnitte der Ausstellung für den Zeitraum der Schließung digital über die Social-Media-Kanäle des Museums sowie auf dessen Homepage präsentiert: http://www.landesmuseum-emden.de/. Um die Ausstellung und ihre Architektur der Öffentlichkeit dennoch in ausreichendem Maße zugänglich zu machen, wurde diese bis 14. November 2021 verlängert. [↩]

“Leybuchtsiel”, “Leydeich” und Schöpfwerk “Leybuchtsiel” – ein Blick auf die Eindeichungs- und Entwässerungsmaßnahmen in der Leybucht in den vergangenen 95 Jahren

Ein Gastbeitrag von Ude Hangen

Der genossenschaftliche Deichbau reicht in seiner Geschichte in Ostfriesland bis in das Hochmittelalter zurück. Bereits um 1300 hat vermutlich im Bereich der Leybucht eine durchgehende Deichlinie bestanden. Wegen ihrer unzureichenden Querschnitte dürfte sie den verheerenden Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, der Clemensflut vom 23. November 1334, der zweiten Marcellusflut (erste Mandränke) vom 16. Januar 1362, der ersten Dionysiusflut vom 9. Oktober 1374 und der zweiten Dionysiusflut vom 9. Oktober 1377 kaum großen Widerstand entgegengesetzt haben. Vor allem die letztgenannte Flut führte zu einer Zerstörung der Deiche. Die See drang im Südosten der Leybucht bis zur Ortschaft Canhusen, im Osten bis nach Marienhafe und im Nordosten bis nach Halbemond und Bargebur vor. Das Kirchspiel Westeel südlich von Norden musste aufgegeben werden. Die Küstenbewohner mussten ihre Deichlinie weit zurücknehmen, und die Leybucht erreichte mit rund 13.000 ha ihre größte Ausdehnung (Abb. 1).

Im 14. und 15. Jahrhundert gelang es, hochgelegene ausgedeichte Flächen durch die Anlegung neuer Deiche zurückzugewinnen. Mit der Auflandung der Bucht folgten über Jahrhunderte hinweg zahlreiche weitere Eindeichungen (Abb. 2). Insgesamt wurden neue Deiche auf einer Länge von rd. 150 km errichtet und ca. 10.000 ha Land dem Meer abgerungen. Die letzten großen Eindeichungen vor der Küstenschutzmaßnahme „Leybucht“ fanden in den Jahren 1928/30 vor Neuwesteel / Leybuchtsiel („Leydeich“) und in den Jahren 1947/50 vor Leybuchtpolder („Störtebekerdeich“) statt.

„“Leybuchtsiel”, “Leydeich” und Schöpfwerk “Leybuchtsiel” – ein Blick auf die Eindeichungs- und Entwässerungsmaßnahmen in der Leybucht in den vergangenen 95 Jahren“ weiterlesen