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Wer war Georg von Eucken-Addenhausen? Ein digitaler Vortrag über den früheren Präsidenten der Ostfriesischen Landschaft

Abb. Georg von Eucken-Addenhausen, 1913 (Quelle: NLA AU Dep. 39 Nr. 27)

Georg von Eucken-Addenhausen war nicht nur von 1932 bis 1942 als Vorsteher bzw. Präsident der Ostfriesischen Landschaft tätig, sondern hatte sich bereits zuvor als Kommunalpolitiker in Thüringen und als Jurist im Reichsministerium des Inneren in Berlin einen Namen gemacht, der weit über seine ostfriesische Heimat hinaus bekannt war. In seinem Vortrag skizziert Herr Dr. Heiko Suhr die Lebensstationen Eucken-Addenhausens und beleuchtet dessen Sozialisation im Kaiserreich und dessen ideologische Wurzeln in der Weimarer Republik. Besonderes Augenmerk gilt jedoch der Zeit des Nationalsozialismus, als unter Eucken-Addenhausens Führung die Anpassung der landschaftlichen Verfassung an NS-Maßstäbe erfolgte. Ziel des Vortrages ist es, über die Analyse der bisher unveröffentlichten Memoiren Eucken-Addenhausens dessen innere Überzeugungen sowie Handlungsmaximen herauszuarbeiten und so zu einer Neubewertung der Rolle von Eucken-Addenhausen im Nationalsozialismus zu kommen.

Der Vortrag trägt den Titel: “Georg von Eucken-Addenhausen (1855-1942). Ein Monarchist zwischen Berliner Schloss, Aurich und Neuharlingersiel”

Wegen der Corona-Lage findet dieser dritte Vortrag der gemeinsamen landeskundlichen Vortragsreihe von Landschaftsbibliothek und Niedersächsischem Landessarchiv – Abteilung Aurich am 6. Dezember 2021 um 19.30 Uhr erstmals in digitaler Form über ZOOM statt.

Um die notwendigen Zugangsdaten zu erhalten, melden Sie sich bitte per E-Mail bei Frau Oltmanns (oltmanns@ostfriesischelandschaft.de) bzw. bei der Landschaftsbibliothek (bibliothek@ostfriesischelandschaft.de).

(Red.: P.W.)

Siegfried Kunstreich und sein “Bildwerk” des Friesen-Bataillons 1940

Im Bestand der Landschaftsbibliothek befindet sich ein Fotoalbum mit dem Titel „Bildwerk über den Einsatz und Marschweg des I. Friesen-Bataillons in Holland, Belgien, Frankreich 1940“. Das erste Blatt des Albums zeigt einen übergroßen Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen auf einem von einem Eichenkranz umgebenen Hakenkreuz und mit einer Widmung in gebrochener gotischer Schrift: „Der Ostfriesischen Landschaft zugeeignet vom I. Friesen-Bataillon“. Auf dem dritten Blatt des Albums wird unter der Überschrift „I. Friesen Bataillon“ in einer lithographierten Kohlezeichnung mit einer Fahne mit der Aufschrift „Eala Freya Fresena“ der direkte Bezug zum Mythos der Friesischen Freiheit hergestellt.

Abb. 1: Drittes Blatt des “Bildwerks” zum Friesenbataillon (Landschaftsbibliothek Aurich, Ms 92) mit einer lithographierten Kohlezeichnung einerFahne mit der Aufschrift “Eala Freya Fresena” von Siegfried Kunstreich.

Dieses Album steht nicht einfach in der Tradition privater Kriegsfoto-Alben mit einem quasi privaten Blick auf den Krieg,1 sondern es stellt in gewisser Weise eine gedruckte und autorisierte Selbstdarstellung des „Friesen-Bataillons“ dar – mit fast 100 lithographierten Zeichnungen des Kunstlehrers Siegfried Kunstreich (1908-1998) aus Leer in Ostfriesland, der auf einem Foto auf der vorletzten Seite des Albums als „Zeichner des Bildwerkes“ mit Stift und Zeichenblock auf den Knien in einer Bunkerruine sitzend gezeigt wird.2 Das Album ist 1940 bis 1941 professionell in der Graphischen Kunstanstalt Franz Keppler in Aachen als Lithographie-Druck in unbekannter Auflage erstellt worden. Die Machart mit dem farbigen Druck, mit Illustrationen in Kombination mit Fotos ist relativ selten und erscheint vor allem häufiger im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den deutschen Angriff auf Frankreich 1940.3 Die Ostfriesische Landschaft besitzt zwei Exemplare des Albums, zwei weitere befinden sich im Besitz des Landesmuseums in Emden, und weitere antiquarische Angebote kursieren zu vergleichsweise hohen Preisen im Internet.

„Siegfried Kunstreich und sein “Bildwerk” des Friesen-Bataillons 1940“ weiterlesen
  1. Bopp / Starke 2009, S. 14-17. []
  2. Bildwerk 1940 Bl. 47r. []
  3. Mündl. Auskunft Petra Bopp, Hamburg, 13.05.2020. []

Ostfriesland im politischen Umbruch nach 1945

Ein Gastbeitrag von Frau Dr. Inge Lüpke-Müller1

Am 1. November 1946 wurde der ehemalige Regierungsbezirk Aurich Teil des von der britischen Besatzungsmacht neugebildeten Bundesstaates Niedersachsen mit der Landeshauptstadt Hannover. Zu diesem Zeitpunkt war die Kreisstadt Aurich Sitz der für Ostfriesland zuständigen britischen Militärregierung. Vier Wochen nach der Gründung Niedersachsens, am 29. November 1946, wurde die Militärregierung für den Regierungsbezirk aufgelöst, die Dienststelle des Regierungspräsidenten wurde von der Militärregierung Oldenburg aus kontrolliert.2

Die Zuordnung zu Hannover war für Ostfriesland nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert war der Regierungsbezirk nach den Napoleonischen Kriegen von Preußen für etwa 50 Jahre an das Königreich Hannover abgetreten worden (1815-1866). Dies geschah damals gegen den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung, fühlte sie sich dadurch doch in ihrer kulturellen und traditionellen Eigenständigkeit eingeschränkt. Die Rückkehr zum preußischen Mutterland 1866 wurde daher begrüßt.3

Ob diese Skepsis der Ostfriesen gegenüber Hannover knapp hundert Jahre später noch bestand, sollte nicht zuletzt die erste Landtagswahl 1947 zeigen. Aber auch die übrigen Wahlgänge – von den Gemeinde- und Kreistagswahlen 1946 bis zur Bundestagswahl 1949 – lassen Rückschlüsse darauf zu, ob in Ostfriesland ein demokratischer Neubeginn möglich war, wobei zunächst die Bedingungen, unter denen der politische Neuanfang zu geschehen hatte, sowie die einzelnen sich zur Wahl stellenden Parteien untersucht werden sollen.

Bedingungen für den politischen Neuanfang

1. Politische Entwicklung in Ostfriesland während der Weimarer Republik

Die Eigenständigkeit Ostfrieslands zeigte sich nicht nur im kulturell-traditionellen Selbstverständnis seiner Einwohner, sondern auch in der politischen Orientierung, wie die Wahlergebnisse der Weimarer Republik nahelegen.


Abb. 1: Politische Entwicklung in Ostfriesland während der Weimarer Republik (Ausschnitte); Ergebnisse nach: Lüpke-Müller, Region 1998, S.155ff. Dort auch weitere Quellenangaben.
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  1. Überarbeitetes Vortragsmanuskript des auf der digitalen Tagung „75 Jahre Ostfriesland in Niedersachsen“ am 2. Juli 2021 gehaltenen Vortrages []
  2. Lüpke-Müller, Region, S. 58f. []
  3. Franz 1953, S. 94. []

Der diesjährige Tag der Ostfriesischen Geschichte befasst sich mit dem Kriegsende 1945 in Ostfriesland

Nachdem 2020 der alljährliche Tag der Ostfriesischen Geschichte wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte, greifen die Ostfriesische Landschaft und die Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs das im vergangenen Jahr aktuelle 75jährige Jubiläum des Ende des Zweiten Weltkriegs nochmals auf. Somit beschäftigt sich der diesjährige Tag der Ostfriesischen Geschichte mit demThema “Das Kriegsende 1945 in Ostfriesland”.

Kanadische Soldaten in der Auricher Innenstadt, 1945 (NLA AU, Rep. 243 A 2241)

Zwei Vortragende konnten für den Tag der Ostfriesischen Geschichte gewonnen werden. Privatdozent Dr. Michael Jonas von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg hält einen Vortrag über “Das Kriegsende 1945: Ostfriesland im nordwesteuropäischen Kontext”, während Prof. Dr. Bernhard Parisius, ehemals NLA Aurich, sich konkret mit dem “Kriegsende in Ostfriesland” auseinandersetzt. Nach einer kurzen Pause präsentieren anschließend Dr. Paul Weßels und Dr. Michael Hermann wie gewohnt noch “Neues aus Wissenschaft und Forschung zur ostfriesischen Geschichte”.

Der Tag der Ostfriesischen Geschichte findet am Samstag, den 20. November 2021, ab 10.00 Uhr im Forum der Ostfriesischen Landschaft (Georgswall 1-5, 26603 Aurich) statt.

Auf Basis der am 22. September 2021 in Kraft getretenen Corona-Verordnung gilt für die Vortragsveranstaltung die 2G-Regel (Geimpfte und Genesene).

(Red.: G.K. / S.K.)

“gepflückt von Herrn Winter aus Hannover” – Das Herbarium von Adele Feldmeyer als florales Reisetagebuch 1874-1882

Mit dem „Herbarium“ von Adele Feldmeyer ist ein ganz ungewöhnliches Buch in die Landschaftsbibliothek gelangt. Äußerlich ist der Band im handlichen Taschenbuchformat eher unscheinbar: Der ursprünglich einmal rote Einband ist stark verblasst, der durch eine schlichte Blindprägung und Goldprägung rechteckig gerahmte Buchdeckel mit der goldgeprägten Inschrift „Herbarium“ ist leicht verzogen. Zwei Bänder am Buchdeckel, die es ermöglichten, das kleine Buch fest zu verschließen, sind abgerissen.

Abb. 1: Das Herbarium der Adele Feldmeyer, Oldenburg 1874-1882 (Landschaftsbibliothek Aurich, Rara: x 74509)

Innen ist auf dem rechten Vorsatzblatt der Name „Adele Feldmeyer“ in gedruckten Goldbuchstaben eingeprägt. Eine Widmung auf der ersten Seite lautet: „M.[einer] l.[ieben] Adele zum 13. Juli 1874 von Auguste Dörffler, Bremen“. Ergänzt wurde diese Eintragung durch Zeilen aus einem Gedicht des seinerzeit sehr populären Autors Friedrich Martin von Bodenstedt (1819-1892): „Ein treu Gedenken, / lieb Erinnern, / Das sind die herrlichsten / der Gaben, / Die wir von Gott / empfangen / haben!“1 Damit definiert die Bremer Freundin dieses Buchgeschenk von vornherein als Erinnerungsbuch mit einer Funktion an der Grenze zwischen Herbarium und Poesiealbum, das ja ebenfalls häufig mit getrockneten Blumen geschmückt wird. Adele Feldmeyer hat anschließend diese erste Widmungsseite mit einem Blumenarrangement versehen, für das sie die Pflanzen laut Eintragung bereits Pfingsten 1874 in Oldenburg gesammelt hatte.

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  1. Landschaftsbibliothek Aurich, Rara : x 74509, Herbarium der Adele Feldmeyer, Oldenburg 1874-1882. []

Welche Bedeutung hat Wasser in der ostfriesischen Kultur? Antworten gibt der 2020 erschienene Ausstellungskatalog „Dat löppt!“

In unregelmäßigen Abständen führen die am Museumsverbund Ostfriesland beteiligten Einrichtungen Gemeinschaftsausstellungen zu verschiedenen Themen durch. Lautete der Titel der Ausstellungsreihe 2017 „Unnerwegens“ sollte es für das Jahr 2020 um „Wasser in der ostfriesischen Kultur” gehen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten die geplanten Ausstellungen überhaupt nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden bzw. wurden 2021 nachgeholt. Gleichwohl war im vergangenen Jahr bereits der zugehörige Ausstellungskatalog erschienen, der einen Überblick über die Ausstellungsschwerpunkte bietet, die die dreizehn beteiligten Institutionen zum Themenbereich Wasser gesetzt hatten.

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Die “Kunst” und der Kunstraub im Nationalsozialismus. Ein Beitrag zur Geschichte von 1820dieKUNST in Emden

Am 1. November 2021 um 19.30 Uhr findet im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft (Georgswall 1-5) der zweite Vortrag in der landeskundlichen Vortragsreihe von Landschaftsbibliothek und der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs statt. Der im Ostfriesischen Landesmuseum Emden als Provenienzforscher beschäftigte Mag. Georg Kö befasst sich dabei mit einem dunkleren Kapitel aus der Geschichte der „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden“ – kurz: die „Kunst“ genannt.

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Die Ostfriesische Evangelische Missionsgesellschaft – Bestandsaufnahme, Überlegungen und Ausblicke

Ein Gastbeitrag von Matthias Thaden

Abb. 1: Statuten der Ostfriesischen Missions-Gesellschaft (NLA AU Rep. 16/2 Nr. 1487.)

Nicht erst der vieldiskutierte Roman Katharina Döblers über eine deutsche Missionarsfamilie in der Südsee hat den Verstrickungen von evangelischer „Heidenmission“ und deutschem Imperialismus eine breite Aufmerksamkeit beschert.1 Seit langem sind die Wechselbeziehungen, Abgrenzungen und Konvergenzen, die zwischen christlichem Sendungsbewusstsein und deutscher Kolonialpolitik bestanden, Gegenstand geschichtswissenschaftlicher Forschungen.2 Vor allem die Frage, inwiefern das Missionierungswesen eine Symbiose mit rassistischen Hierarchiekonzepten einging und so zur gewaltsamen und genozidalen Unterwerfung der indigenen Bevölkerung beitrug, ist darin zum Teil kontrovers diskutiert worden.3

Ein vergleichsweise wenig beachteter Aspekt dieser größeren Geschichte stellt die Tatsache dar, dass die Missionsgesellschaften nicht nur in den Überseegebieten aktiv, sondern dass sie in ihrer Arbeit fundamental von den Gläubigen in Europa abhängig waren. Intensiv wurde hier um die personelle, ideelle und vor allem monetäre Unterstützung der Missionsbestrebungen geworben. In dieser Hinsicht stellten die Missionsgesellschaften eine „neue Art von ‚zivilgesellschaftlicher‘ Organisation und voluntaristischer Initiative“ im 19. Jahrhundert dar, die früh auch in peripheren Regionen ihren Ausdruck fand.4

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  1. Döbler, Katharina, Dein ist das Reich, Berlin 2021. []
  2. Ein Kompendium bietet seit neuestem Maier Bernhard, Die Bekehrung der Welt. Eine Geschichte der christlichen Mission in der Neuzeit, München 2021. []
  3. Für eine reflektierte Zusammenfassung der Diskussion, vgl. van der Heyden, Ulrich, Christliche Mission und Kolonialismus in den Neuen Welten, in: Christiane Wiesenfeldt und Stefan Menzel (Hg.), Musik und Reformation – Politisierung, Medialisierung, Missionierung, Paderborn 2020, S. 241-258. []
  4. Osterhammel, Jürgen, Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009, S. 1263. []

Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Overledingerland – eine neue Publikation von Hermann Adams

In der Riege der ostfriesischen Heimatforscher ist Hermann Adams aus Westoverledingen schon lange kein Unbekannter mehr. Immer wieder hat er sich durch Publikationen und Initiativen mit der Geschichte des Overledingerlandes (historische Landschaft im südöstlichen Landkreis Leer), insbesondere während des „Dritten Reiches“, auseinandergesetzt, und auch der Sensationsfund der vergangenen Jahre, die Entdeckung des Fotoalbums des Völleners Johann Niemann aus dem Vernichtungslager Sobibor, wird unverrückbar mit seinem Namen verbunden bleiben.

Nun hat Adams eine neue Publikation herausgebracht, in der er sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Overledingerland befasste. Dazu hat er nicht nur unzählige Zeitzeugen befragt, sondern auch Aktenrecherche betrieben und mit dem Militärarchiv in Warschau/Warszawa und dem kanadischen National Archive in Ottawa korrespondiert. Im Mittelpunkt dieser Geschehnisse stehen vor allem die wenigen Tage zwischen dem 21. und dem 28. April, also vom Vorstoß alliierter Streitkräfte auf ostfriesisches Gebiet bis zum Angriff auf die Stadt Leer.

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Margarete Cramer: Von der Unternehmergattin zur Unternehmerin. Ein Auricher Frauenleben im Wandel

Ein Gastbeitrag von Laura-Sophie Bönemann

Konflikte und Neustrukturierungen markieren das frühe 20. Jahrhundert als zentrale Phase gesamtgesellschaftlicher Umbruchs- und Modernisierungsprozesse. Nach dem Ersten Weltkrieg, der die bis dato bestehende kollektive Ordnung erschütterte und als Katalysator eines ubiquitären Wandlungsdrucks fungierte, verblieben revolutionäre Gedanken und eine neue demokratische Aufbruchsstimmung. Neben Institutionen, Identitäten und Idealen drängten „traditionelle“ Familienstrukturen und Rollenbilder nach Veränderung, wodurch mit dem erreichten Frauenwahlrecht 1918, sowie Reformen der Frauenbildung und Erwerbstätigkeit, Angelpunkte der Emanzipationsgeschichte in diese Zeit fallen. War es bis Kriegsbeginn gerade im Mittel- und Großbürgertum noch selbstverständlich, dass der Erwerb des Patriarchen die Versorgung der Familie gewährleistet, während die Frau ihren „häuslichen Pflichten“ nachging, galt es nach Einzug der wehrfähigen Männer deren Erwerbslücke auszufüllen, um Kriegsversorgung und Infrastruktur an der „Heimatfront“ abzusichern.

Abb. 1: Fotografie der jungen Margarete Aden, aufgenommen im Atelier des Fotografen J.B. Feilner in Hannover, 1902 (aus: Musolf, Rüdiger, Gerhard Silomon. Geschichte eines Textilhauses, Aurich 1994, S. 57).
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