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Wo bauten die Friesen ihre Burgen?

Wissenschaftliche Fachtagung zu Burgenbau und Häuptlingsherrschaft in Ostfriesland

Ein Beitrag von Michael Hermann, Sonja König und Stefan Krabath

Abb. 1: Ausschnitt aus einer Karte von 1782 mit der alten Burgstelle bei Loquard (NLA AU Rep. 244 A Nr. 2368)

Seit Oktober 2019 wurde am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven (NIhK) ein von Pro*Niedersachsen gefördertes, auf drei Jahre ausgelegtes Forschungsprojekt mit dem Titel „Manifestation der Macht – Burgen als Indiz gesellschaftlicher Transformationsprozesse im Niedersächsischen Küstenraum“ durchgeführt. Neben dem Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft, dem Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen, Regionaldirektion Aurich und der Fryske Akademy in Leeuwarden war die Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs von Anfang an ein wichtiger unterstützender Projektpartner.

Um nach Abschluss des Projektes die Forschungsergebnisse vorzustellen und im interdisziplinären Rahmen zu diskutieren, luden die Ostfriesische Landschaft, das NIhK und das Niedersächsische Landesarchiv für den 26. April 2023 zu einer wissenschaftlichen Tagung unter dem Titel „Manifestation der Macht – Burgenbau im friesischen Küstenraum“ nach Aurich ein. Mehr als 110 Teilnehmende sowie knapp 25 Interessierte, die digital zugeschaltet waren, verfolgten die sieben von niederländischen und deutschen Wissenschaftler:innen gehaltenen Vorträge. Neben Fachwissenschaftler:innen aus Deutschland und den Niederlanden nahmen auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an der Veranstaltung teil.

In der ersten Sektion Archäologie / historische Geographie stellten Thorsten Becker, Sonja König und Stefan Krabath den mittelalterlichen Befestigungsbau an der Küste zwischen Ems und Weser vor. Sie konnten darauf verweisen, dass rund 420 Standorte von Befestigungen bzw. Steinhäusern auf Grund historisch-archivalischer Nennungen, archäologischen Untersuchungen und Funden in einer Fachdatenbank erfasst werden konnten. Diese Burgen finden sich vor allem im fruchtbaren Marschenland oder auf den Wurten, wobei unterschiedliche Siedlungsmuster im Osten und Westen der ostfriesischen Halbinsel erkennbar sind. Regionale und überregionale Verkehrsverbindungen über kleine Binnengewässer und küstennahe Schifffahrtswege stellen wichtige Aspekte für die Landeserschließung dar. Von großer Bedeutung war zudem die Vergrößerung von agrarischen Nutzflächen im Zuge einer günstigen Klimaphase durch den systematischen Ausbau der Deichlinien. Der Bau von Festen Häusern, im friesischen Küstengebiet als Steinhäuser oder Stinzen bezeichnet, kann als wichtige Architektur gesellschaftlicher Abgrenzung bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Deutlich früher stellt ein weiteres Indiz gesellschaftlicher Differenzierung die Bestattung lokaler Eliten in Sarkophagen dar, die aus dem Maingebiet im Verlauf des 12. Jahrhunderts in großer Anzahl importiert wurden.

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Vom Bunderneuland in der frühen Neuzeit bis nach Emden in den 1970er Jahren

Auch in diesem Jahr zeichnet sich das Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands durch eine umfangreiche thematische Bandbreite aus

Sechs Hauptbeiträge und eine Miszelle, das ist in Zahlen ganz kurz zusammengefasst der Inhalt des diesjährigen Emder Jahrbuchs, das von der Ostfriesischen Landschaft, der Gerhard ten Doornkaat Koolman-Stiftung, der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, der Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden sowie dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich herausgegeben wird. Auch in diesem Jahr haben Dr. Michael Hermann und Dr. Paul Weßels, unterstützt durch Dr. Regina Grünert, die Beiträge redigiert und lektoriert.

Eingeleitet wird das Jahrbuch von zwei niederländischen Beiträgen, die innerhalb des deutsch-niederländischen Forschungsprojektes „Grenzgänger im Nordwesten“ entstanden sind. In dem Projekt, das von der Rijksuniversität Groningen und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg getragen und von der Gerhard ten Doornkaat Koolman-Stiftung mit 200.000 € über vier Jahre unterstützt wird, werden die Alltagsmigration aus den Niederlanden, aber auch der grenzüberschreitende Einfluss der niederländischen Sprache und deren Wirkungen diesseits und jenseits der Grenze untersucht. Meggy Lennaerts M.A. befasst sich dabei mit der Grenzgemeinde Bunderneuland zwischen 1600 und 1800 und stellt dar, wie die damaligen Einwohner, die hauptsächlich aus den Niederlanden stammten, auch immer wieder niederländische Behörden in Anspruch nahmen, obwohl das Gebiet prinzipiell in die ostfriesische Gerichtsbarkeit fiel. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bewohner je nach Sachlage die Gerichtsbarkeiten diesseits oder jenseits der Grenze für ihre Anliegen zu nutzen wussten und dabei auch die Grenze selbst, die in der Praxis kein Hindernis darstellte, regelmäßig und wie selbstverständlich überquerten.

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Ein Kriegs- und Nachkriegstagebuch aus Ostfriesland

Im Rahmen einer Sitzung der Arbeitsgruppe “Lokal- und Regionalgeschichte Ostfrieslands” wird am 5. Mai 2023 das Tagebuch von Wübke Lott aus Rorichum vorgestellt

Am Freitag, den 5. Mai um 15.00 Uhr, trifft sich die Arbeitsgruppe „Lokal- und Regionalgeschichte Ostfrieslands“ der Ostfriesischen Landschaft im RPZ (Fischteichweg 16 in Aurich). Bei der öffentlichen Veranstaltung stehen die Tagebuchaufzeichnungen von 1940 bis 1950 von Wübke Lott aus Rorichum im Mittelpunkt. Auf eine sehr sachliche Art schrieb sie nieder, was sie und die Menschen in dieser Zeit voller Gefahren und Mangel bewegt hat.

Heiner Köneke hat das 300-seitige Tagebuch aus der Sütterlin-Schrift übertragen und mit Bildern ergänzt. Unter dem Titel „Wübke Lott. Wir werden schon durchkommen. Ein ostfriesisches Tagebuch 1940-1950“ ist es nun als Buch publiziert worden. Das Tagebuch befindet sich im Original in der Landschaftsbibliothek und ist als Online-Publikation auf der Seite der Landschaftsbibliothek veröffentlicht.

(Red.: P.W.)

Über das Archivgut Sozialer Bewegungen, Vereine und Gedenkstätten

Der 26. Band der Archiv-Nachrichten Niedersachsen ist erschienen.

Ein Gastbeitrag von Dr. Thomas Brakmann (NLA-Abteilung Osnabrück)

Abb. 1: Cover des aktuellen Bandes der Archiv-Nachrichten Niedersachsen

Die Relevanz der nichtamtlichen Überlieferung neben dem in den Behörden entstandenen Schriftgut wird seit den 1990er Jahren intensiver diskutiert: Die geschichtswissenschaftliche Forschung weist wiederholt auf die stärkere Beachtung nichtstaatlicher Unterlagen hin. Zahlreiche Historikerinnen und Historiker schätzen inzwischen zu bestimmten Fragen den Wert der nichtamtlichen Überlieferung höher ein als den des amtlichen Schriftguts. Und auch im Archivwesen wurde in den letzten Jahren zunehmend die Bedeutung der nichtamtlichen Überlieferung – gerade auch aus „alternativen“ und staatsfernen Kontexten – anerkannt.

Bei ihrem ersten Treffen nach drei Jahren Corona-Pause haben sich die niedersächsischen und bremischen Archivarinnen und Archivare auf dem 5. Niedersächsischen Archivtag am 25. und 26. April 2022 in Delmenhorst unter dem Motto „Vor dem Verlust bewahren: Archivgut Sozialer Bewegungen, Vereine und Gedenkstätten“ mit den vielfältigen Herausforderungen der nichtamtlichen Überlieferung befasst. Eigentlich hätte die Tagung schon 2020 in Stade stattfinden sollen. Nun haben sich die etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Niedersachsen und Bremen im Turbinenhaus des Nordwestdeutschen Museums für IndustrieKultur in Delmenhorst versammelt, um in Präsenz Vorträge zu hören, zu diskutieren und in Kaffeepausen mit Kolleginnen und Kollegen zu plaudern. Denn nichtamtliche Unterlagen finden sich in nahezu jedem Archiv – vom kleinen, ehren- oder hauptamtlich geführten Kommunalarchiv über Kreis-, Universitäts- und Landesarchive bis hin zum Bundesarchiv. Dabei weist die nichtamtliche Überlieferung eine große Bandbreite auf: Sammlungsgut wie Plakate und Flugblätter, Nachlässe von Forscherinnen und Politikern, Künstlern und Schriftstellerinnen, Firmenarchive sowie Vereins- und Verbandsarchive. Alle diese Unterlagen bedürfen einer spezifischen Herangehensweise, um sie im Archiv zu sichern.

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Bilder eines Prinzen – Enno Ludwig von Ostfriesland in Geschichtsschreibung und Kunstgeschichte

Ein Gastbeitrag von Hanke Immega

Die Geschichte des regierenden Hauses Cirksena liest sich in der ostfriesischen Historiographie oft wie eine 280jährige Verfallszeit: Auf die Idealgestalten zu Beginn – Ulrich I., Theda, Edzard „der Große“ – folgen drei Generationen, die mehr oder weniger energisch die Probleme der Reformationszeit und des Ständekampfes anpacken – von Enno II. und Anna über ihre Söhne bis Enno III. Nur ihrem Genuss, dem Essen, Trinken, Lieben und Jagen verfallen werden Ulrich II., Juliane und deren Söhne beschrieben, bevor das Fürstenhaus nach einem letzten absolutistisch überspannten Aufbäumen Christine Charlottes in drei Generationen von kränklichen Pietisten ausläuft und schließlich „an einem Glas Buttermilch“ zugrundegeht.1

Graf Ulrich II.
Abb. 1: Cornelis Koning nach Andries Andriessen, Ulrich [II.], Graf und Herr von Ostfriesland. Niederlande um 1650 (Albertina Wien: https://sammlungenonline.albertina.at/?query=search=/record/objectnumbersearch=[H/I/53/69]&showtype=record)
Gräfin Juliane von Ostfriesland
Abb. 2: Cornelis Koning nach Andries Andriessen, Juliane, Gräfin von Ostfriesland. Niederlande um 1650 (Albertina Wien: https://sammlungenonline.albertina.at/?query=search=/record/objectnumbersearch=[H/I/53/70]&showtype=record)

Den schlechtesten Ruf genießen ohne Zweifel die Mitglieder der dritten Periode der Dynastie. Zwar wird ihnen zugestanden, dass sie das Land während und nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Kriegs regierten und viele ihrer „Laster“ zeittypisch für den Adel des Frühbarocks sind, aber mit Anton Günther von Oldenburg, der sein Land zur gleichen Zeit mustergültig regierte und vor dem Krieg bewahrte, findet sich ein positives Gegenbeispiel gleich in der Nachbarschaft.2

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  1. Vgl. Tileman Dothias Wiarda, Ostfriesische Geschichte, Band 8, Aurich 1798, S. 127. [↩]
  2. So z.B. bei Andreas Vonderach, Kleine Geschichte des Landes Oldenburg, Oldenburg 2015, S. 48-55. [↩]

Personenbezogene Unterlagen zur NS-Zeit und ihren Folgen im Niedersächsischen Landesarchiv

Eine neue Veröffentlichung stellt Quellengruppen und Nutzungsmöglichkeiten vor.

Ein Gastbeitrag von Kirsten Hoffmann (NLA-Abteilung Aurich)

Die Erforschung der Geschichte des Nationalsozialismus wie auch seiner Wirkungen auf die frühe Bundesrepublik Deutschland stößt nach wie vor auf ein hohes Interesse, das auf absehbare Zeit vermutlich kaum nachlassen wird. Das Niedersächsische Landesarchiv gibt mit diesem von Kirsten Hoffmann, Bernhard Homa und Nicolas Rügge herausgegebenen Buch Einblick in seine umfangreiche personenbezogene Überlieferung zur Geschichte des Nationalsozialismus und der sich daraus ergebenden Folgen nach 1945. Es möchte damit an historische Quellen staatlicher Herkunft heranführen, die für vielfältige geschichtliche Fragestellungen der wissenschaftlichen Forschung wie auch für die gesellschaftliche und private Erinnerungsarbeit und historische Selbstvergewisserung von Bedeutung sind. Diesem breiten Benutzerkreis eine Hilfestellung und Handreichung für den Umgang mit personenbezogenen Unterlagen zur NS-Zeit im Niedersächsischen Landesarchiv zu geben ist das Ziel der Veröffentlichung.

Die hier vorgestellten Aktengruppen dokumentieren das Handeln von Verwaltung und Justiz während der NS-Zeit und in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. In ihnen spiegelt sich vor allem das unermessliche Leid und das erlittene Unrecht von Opfern des Nationalsozialismus. Diese Archivalien sind nach wie vor ein elementarer Zugang zur NS-Geschichte vor wie nach 1945. Zudem liegen diese im Landesarchiv in allen Abteilungen in großen Mengen zur Benutzung bereit. Doch sind zum einen die verfügbaren Quellentypen, ihre Besonderheiten, die Hintergründe ihrer Entstehung und die Möglichkeit der gezielten Suche und Auswertung den Forschenden, insbesondere wenn sie sich zum ersten Mal mit dieser Materie beschäftigen, oft unbekannt.

An dieser Stelle möchte die vorliegende Publikation ansetzen: Die Quellen, die Suchstrategien und die Benutzungs- sowie Auswertungsmöglichkeiten werden von Experten und Expertinnen aus dem Landesarchiv vorgestellt. Benutzung zu ermöglichen und nach Kräften zu fördern ist nicht nur gesetzlicher Auftrag, sondern auch Anspruch und Selbstverständnis des Niedersächsischen Landesarchivs.

Personenbezogene Unterlagen zur NS-Zeit und ihren Folgen im Niedersächsischen Landesarchiv – Quellengruppen und Nutzungsmöglichkeiten, herausgegeben von Kirsten Hoffmann, Bernhard Homa und Nicolas Rügge (Kleine Schriften des Niedersächsischen Landesarchivs, Band 3), Hannover 2023, 132 S., zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-9822657-1-1, 9,00 €.

Die Publikation kann über den Buchhandel oder direkt beim Niedersächsischen Landesarchiv, Am Archiv 1, 30169 Hannover, oder per E-Mail an poststelle@nla.niedersachsen.de bezogen werden.

(Red.: M.H. / S.K.)

Manifestation der Macht – eine wissenschaftliche Fachtagung widmet sich in Aurich am 26. April 2023 dem Burgenbau im friesischen Küstenraum

Abb.: Greetsiel, Burg, Ansicht von Nordwesten (NLA Aurich Rep. 243 Nr. A 88/1)

Wie ist das Häuptlingswesen in Ostfriesland entstanden? Welche Stellung hatten die Burgen im altfriesischen Recht? Und wie sah der mittelalterliche Befestigungsbau an der Küste zwischen Ems und Weser aus? Dies sind nur einige wenige Fragen, die auf einer wissenschaftlichen Fachtagung am Mittwoch, den 26. April 2023, geklärt werden sollen.  

Nach Abschluss des von Pro*Niedersachsen geförderten Projektes „Manifestation der Macht – Burgenbau als Indiz gesellschaftlicher Transformationsprozesse im niedersächsischen Küstenraum“ sollen die Ergebnisse vorgestellt und im interdisziplinären Rahmen diskutiert werden. Dazu

Die Veranstaltung findet am 26. April 2023 von 10.00 bis 17.30 Uhr im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft (Georgswall 1, 26603 Aurich) statt. Es besteht auch die Möglichkeit, digital an der Veranstaltung teilzunehmen. Bitte melden Sie sich dazu bei Frau K. Andreä unter folgender Mailadresse bis zum 24. April 2023 an:

archaeologie@ostfriesischelandschaft.de  

Vortragsprogramm

Mittwoch, den 26. April 2023

10.00–10.15 Uhr Rico Mecklenburg, Aurich, und Hauke Jöns, Wilhelmshaven, Begrüßung für die Ostfriesische Landschaft und das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK)

Sektion Archäologie/historische Geographie – Moderation: Matthias Stenger

10.15–10.55 Uhr (10 min Diskussion) Thorsten Becker, Kirsten Hüser, Sonja König, Stefan Krabath, Ostfriesische Landschaft, Aurich / NIhK, Wilhelmshaven, Mittelalterlicher Befestigungsbau an der Küste zwischen Ems und Weser

10.55–11.35 Uhr (10 min Diskussion) Diana Spickhout, Fries Museum, Leeuwarden, Burgen zwischen Vlie und Ems: Stand des Wissens und Möglichkeiten für zukünftige Forschung 11.35–12.15 Uhr (10 min Diskussion) Hans Mol, Leeuwarden, Verteidigungsfähigkeit der Steinhäuser in Westfriesland in der Zeit von 1475 bis 1525

12.15–13.25 Uhr Mittagspause im Ständesaal

12.15–12.35 Uhr Matthias Stenger, Führung durch den Ständesaal

Sektion Geschichte – Moderation: N.N.

13.25–14.05 Uhr (10 min Diskussion) André Köller, Weener, Entstehung des Häuptlingswesens in Ostfriesland

14.05–14.45 Uhr (10 min Diskussion) Han Nijdam, Fryske Akademy, Leeuwarden, Burgen im altfriesischen Recht

14.45–15.15 Uhr Kaffeepause im Ständesaal

Moderation: Michael Hermann

15.15–15.55 Uhr (10 min Diskussion) Christopher Folkens, Universität Münster, Meer | Deich Mensch. Eine Umweltgeschichte der ostfriesischen Küstenregion am Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit

15.55–16.30 Uhr (10 min Diskussion) Antje Sander, Schlossmuseum Jever, Häuptlingsburgen und höfisches Leben

16.30–17.05 Uhr (10 min Diskussion) Paul Weßels, Ostfriesische Landschaft, Aurich, Das „Steinhaus“. Von der Konstruktion eines ostfriesischen Erinnerungsortes

17.05–17.30 Uhr Abschlussdiskussion

(Red.: S.K.)

Ubbo Emmius contra Thomas Franzius und Dothias Wiarda – Politische Streitschriften zwischen Aurich und Emden im Jahr 1602

von Paul Weßels

Porträts von Ubbo Emmius, Thomas Franzius und Dothias Wiarda
Abb. 1: Ubbo Emmius, Thomas Franzius und Dothias Wiarda (Bildarchiv der Ostfriesischen Landschaft bzw. bei Fanzius das Rijksmuseum, RP-P-1882-A-5920, https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Franzius#/media/Datei:Portret_van_Thomas_Franzius_op_46-jarige_leeftijd,_RP-P-1882-A-5920.jpg)

Im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts führten schwere innenpolitische Auseinandersetzungen zu tiefgreifenden Veränderungen im Machtgefüge der Grafschaft Ostfriesland. Die Stände wurden zum zweiten Souverän im Land, und das Grafenhaus scheiterte mit seinen Plänen zur Durchsetzung absolutistischer Macht. 1595 hatte die heute als „Emder Revolution“ bezeichnete Auseinandersetzung ihren ersten Höhepunkt gefunden, als im Kampf um die Vorherrschaft Graf Edzard II. aus Emden vertrieben wurde. Im Vertrag von Delfzijl musste er auf die meisten seiner althergebrachten Rechte in Emden verzichten.1

Diese und die ihnen nachfolgenden Auseinandersetzungen haben sich nicht nur auf der Straße und in den Kirchen abgespielt, sondern es wurde auch ein „ideologischer Krieg“ geführt. 1596 veröffentlichte Ubbo Emmius seine Friesische Geschichte und feierte darin die „Friesische Freiheit“ als Legitimation des Aufstands gegen den Landesherrn. 1602 ist anschließend in Emden und Aurich eine regelrechte Flut von polarisierenden politischen Druckwerken – Flugblätter, Broschüren und Bücher – erschienen, die den Kampf um die öffentliche Deutungshoheit in der Auseinandersetzung widerspiegeln.

1599 hatte es einen Regierungswechsel in Ostfriesland gegeben: Auf Edzard II. folgte Enno III., der sich den Wittenberger Professor Thomas Franzius (1563-1614) als Kanzler und Syndikus an seine Seite holte.2 Dieser hatte schon Edzard II. in den Streitigkeiten beraten und das Grafenhaus 1598 am Kaiserhof vertreten. Franzius war ein versierter Jurist, der sich schnell und umfassend in die besonderen politischen Verhältnisse Ostfrieslands eingearbeitet hatte.3 Er wollte die Anbindung an das Reich stärken und lehnte eine politische Annäherung an die niederländischen Generalstaaten ab.

„Ubbo Emmius contra Thomas Franzius und Dothias Wiarda – Politische Streitschriften zwischen Aurich und Emden im Jahr 1602“ weiterlesen
  1. Zusammenfassend zur Emder Revolution vgl. Heinrich Schmidt, Politische Geschichte, Leer 1975, S. 170-256. Zur theologischen Dimension der Auseinandersetzung Menno Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, Pewsum 1974, S. 234-268. Vgl. auch: Hajo van Lengen (Hrsg.), Die „Emder Revolution“ von 1595, Aurich 1995. [↩]
  2. Matthias Schmoeckel, [Art.] Franzius, Thomas, in: Biographisches Lexikon für Ostfriesland (BLO), Bd. IV, Aurich 2007, S. 155 – 158. [↩]
  3. 1602 referiert Franzius in seinem Werk „Noctes Pragenses“ detailliert sowohl über dessen historische Entwicklung als auch die juristische Lage. Vgl. ebd. [↩]

Die DNVP in Ostfriesland – Mit diesem Thema beschäftigt sich ein Vortrag am 13. März 2023 im Landschaftsforum

Einladung zum Landesparteitag der DNVP in Emden (NLA AU Rep. 227/8 Nr. 2)

Im letzten Vortrag der gemeinsam von der Landschaftsbibliothek und dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich organisierten landeskundlichen Vortragsreihe für die Saison 2022/23 befasst sich der Politikwissenschaftler und Historiker Siebo M. H. Janssen (Bonn) am 13. März 2023 mit der Entstehung und Entwicklung der Deutschnationalen Volkspartei in Ostfriesland.

Welche Rolle spielten die rechskonservativen Kräfte in Ostfriesland in den Jahren der Weimarer Republik? Welchen Zuspruch fand z.B. die Deutschnationale Volkspartei (DNVP)? Die DNVP entstand 1919 aus dem Zusammenschluss verschiedener (national)konservativer Parteien des Kaiserreichs. Ihre Vertreter lehnten in ihrer überwiegenden Mehrheit die Weimarer Republik ab, vertraten außenpolitisch einen Kurs des Revisionismus und gelten als Steigbügelhalter der nationalsozialistischen Machtergreifung unter ihrem letzten Vorsitzenden Hugenberg. Allerdings gab es auch moderatere Kräfte innerhalb der DNVP, Parteigänger, die sich eine Partei wünschten bzw. vorstellten, die sich eher an den britischen Konservativen und weniger am deutschen Nationalismus orientierten. Diese unterschiedlichen Sichtweisen führten zu internen Auseinandersetzungen und nach 1928 sogar zu Abspaltungen.

Ausgehend von der DNVP im Reich soll der Blick nach Ostfriesland gelenkt werden. Welche Rolle spielte die Partei im äußersten Nordwesten des Reiches, welche Positionen vertrat sie innerhalb der eigenen Gliederungen und wie sahen die anderen Parteien – vor allem die demokratischen Parteien (SPD, DDP, Zentrum, DVP) die DNVP?

Siebo Janssen

Siebo Janssen

Entstehung und Entwicklung der Deutschnationalen Volkspartei in Ostfriesland

Zeit:                13. März 2023; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1-5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: P.W.)

Die “Gallerie ostfriesischer Burgen”, zusammengestellt 1824 von Fridrich Arends

Ein Beitrag von Dr. Paul Weßels

Ende 1824 wurde in der in Emden erscheinenden Ostfriesischen Zeitung der erste Teil einer „Miszelle“ von Fridrich Arends unter dem Titel „Gallerie ostfriesischer Burgen und adlichen Güter“ veröffentlicht. Dieser Beitrag stellt in verschiedener Hinsicht eine Besonderheit dar. Es handelt sich um die erste und bislang einzige ganz Ostfriesland umfassende kurze Darstellung der bekannten und möglichen Burgen, Burgstellen und adeligen Güter. In einer Tageszeitung als „Miszelle“ veröffentlicht, hat die Serie den beachtlichen Umfang von etwa 33 Zeitungsspalten. Sie zieht sich in Fortsetzungen von Mitte Oktober 1824 über elf Nummern bis Anfang Dezember 1824.1

Fridrich Arends zeichnete hier und auch sonst gerne ein zeittypisch idealisiertes Bild des friesischen Mittelalters: Der Upstalsboom ist für ihn „heiliger Hain und Grabmal großer Helden“2 und auch die Häuptlingszeit verklärt er, obwohl sie das Ende der genossenschaftlichen Verwaltung der „Länder“ mit sich brachte, zu einer Ausdrucksform der Friesischen Freiheit: So entstand in seiner Interpretation der ostfriesische Adel „nicht durch Laune der Fürsten […], sondern aus eigener Kraft und dem Willen des Volks, daher um so achtbarer.“3

Dennoch erfolgt seine Auseinandersetzung mit der Burgengeschichte doch in einer vergleichsweise umfassenden, nüchternen und sachlichen Form, wie man es sich für die Vielzahl jüngerer Veröffentlichungen zu ostfriesischen Burgen in den Heimatbeilagen der Zeitungen nur wünschen könnte. Sein Aufsatz hat später aber kaum Beachtung gefunden. Zur Zeit der Veröffentlichung gab es noch keine historisch-wissenschaftliche Diskussionskultur. Und wegen der Publikation in einer nur selten überlieferten Tageszeitung war er bisher sehr schwer zugänglich.4 Darum wurden diese Ergebnisse von Arends in den wichtigen wissenschaftlichen Darstellungen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte Ostfrieslands kaum diskutiert. Erst aktuell ist sein Beitrag eingeflossen in ein wissenschaftliches Projekt des Niedersächsischen Instituts für Historische Küstenforschung in Wilhelmshaven unter der Leitung von Stefan Krabath, das in Kooperation mit der Ostfriesischen Landschaft, Aurich, und der Fryske Akademy, Leeuwarden, durchgeführt wird. Ziel des Projekts ist es, auf der Grundlage aller zugänglichen Forschungsergebnisse ein Burgenkataster für den Küstenraum Ostfriesland/Friesland/Oldenburg zu erstellen, das auch nach dem Vorbild im niederländischen HisGIS in Kooperation mit Hans Mol im HisGis Ostfriesland abgebildet werden soll.5 In diesem Zusammenhang erhält der Beitrag von Fridrich Arends eine neue Relevanz. Im Rahmen dieser Darstellung soll das Burgenverzeichnis von Fridrich Arends die ihm bislang versagte Beachtung erfahren und in seiner wissenschaftlichen Bedeutung gewürdigt werden. Dabei muss allerdings auf die durchgängige kritische Überprüfung von Einzelergebnissen verzichtet werden. Das ist Aufgabe des Wilhelmshavener Forschungsprojekts.

„Die “Gallerie ostfriesischer Burgen”, zusammengestellt 1824 von Fridrich Arends“ weiterlesen
  1. Ostfriesische Zeitung in den Nummern 82 (15.10.1824; S. 665-666), 83 (16.10.1824; S. 674-675), 84 (20.10.1824; S. 682), 85 (25.10.1824; S. 688-690), 86 (27.10.1824; S. 697-699), 87 (16.10.1824; S. 705-707), 88 (03.11.1824; S. 714-715), 89 (6.11.1824; S. 725), 94 (24.11.1824; S. 766-767), 95 (27.11.1824; S. 773-775), 96 (1.12.1824; S. 781-783). Da die Miszelle eine durchgehende Seitenzählung hat, beziehen sich im Folgenden die Nachweise auf diese Zählung. [↩]
  2. Fridrich Arends, Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden 1824, S. 109. [↩]
  3. Fridrich Arends, Gallerie ostfriesischer Burgen und adelichen Güter, in: Ostfriesische Zeitung, 1824, Nr. 83-89, 94-96, S. 665. Der Zeitungsjahrgang verfügt über durchnummerierte Seiten, so dass der Nachweis über die Seitenzahl erfolgen kann. [↩]
  4. Auch Gerhard Siebels hat die Veröffentlichung der „Gallerie“ in seiner Auflistung der Werke von Arends in seinem biographischen Artikel übersehen. Vgl. Gerhard Siebels, [Art.] Johann Friedrich Heinrich Arends, in: Martin Tielke (Hrsg.), Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Bd. I, Aurich 1993, S. 32-35, hier S. 35. In der Landschaftsbibliothek findet sich eine Kopie der Miszelle aus der Ostfriesischen Zeitung unter der Signatur Fot 340. Ein Digitalisat der Miszelle ist zu finden unter: https://www.ostfriesischelandschaft.de/2913.html. [↩]
  5. Zum Kooperationsprojekt von Stefan Krabath vgl.: https://nihk.de/forschung/manifestation-der-macht-burgenbau-als-indiz-gesellschaftlicher-transformationsprozesse-im-niedersaechsischen-kuestenraum; Thorsten Becker / Kirsten Hüser / Sonja König / Stefan Krabath Manifestation der Macht – Burgenbau als Indiz gesellschaftlicher Transformation im niedersächsischen Küstenraum, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands (im Folgenden: EJb), Bd. 102, 2022, S. 255-265. Zum HisGIS Ostfriesland siehe: https://hisgis.nl/projecten/ostfriesland/. [↩]