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Migration und Integration in Ostfriesland

Am Tag der Archive fand unter dem Motto “Alte Heimat – neue Heimat” im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft ein Vortragsvormittag statt

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Der Tag der Archive ist eine bundesweite Veranstaltung, um Archive und ihre Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen (Foto: Michael Hermann)

Für den 7. März 2026 lud das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – in Kooperation mit der Ostfriesischen Landschaft zu einem Vortragsvormittag unter dem Titel „Alte Heimat – Neue Heimat“ ein. Die Veranstaltung fand im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft statt und war Teil des bundesweiten „Tags der Archive“, der 2026 zum dreizehnten Mal seit seiner Erstauflage im Jahr 2001 begangen wurde. Dieser Aktionstag, organisiert vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA), gibt Archiveinrichtungen in ganz Deutschland die Gelegenheit, sich an die breite Öffentlichkeit zu wenden und auf die gesellschaftliche Bedeutung archivischer Arbeit aufmerksam zu machen.

Die Begrüßung der über dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die trotz des ungewöhnlich schönen Wetters gekommen waren, übernahmen Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft, sowie Dr. Michael Hermann, Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs.

Rico Mecklenburg hob in seiner Ansprache neben der überregionalen Bedeutung des Tags der Archive die langjährige und traditionsreiche Kooperation zwischen Landesarchiv und Ostfriesischer Landschaft hervor. Vortragsreihen, der „Tag der ostfriesischen Geschichte“ sowie zwei wissenschaftliche Buchreihen zeugten von einem fruchtbaren institutionellen Miteinander, das auch zu der sofortigen Bereitschaft führte, das Landschaftsforum als Veranstaltungsort zur Verfügung zu stellen.

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“Ich hätte niemals gedacht, dass in ‘Klein-Ostfriesland’ solche unmenschlichen Taten begangen wurden”

Ein Projekttag der KGS Wiesmoor zum Gedenken und Erinnern in Kooperation mit der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs

Ein Gastbeitrag von Isabel Scheunert (Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Aurich)

Abb. 1: Einführung in den Projekttag der 12. Jahrgangsstufe der KGS Wiesmoor durch Daniela Peters (Foto: KGS Wiesmoor)

Geschichtsunterricht in der Schule wird oftmals mit Klischees in Verbindung gebracht: Trockene Schulbücher vermitteln historische Grundkenntnisse von der Antike bis in die Moderne, große und komplizierte Zusammenhänge sollen sich anhand von zunächst oft unverständlichen Quellen erschließen und das Auswendiglernen von Zahlen und Daten darf zum Bestehen der kommenden Klausur ebenfalls nicht fehlen. Insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus wird hierbei wiederkehrend in verschiedenen Jahrgängen thematisiert. Die zentralen Orte, an denen sich die Grausamkeit des NS-Regimes abgespielt hat, scheinen dabei jedoch oft die gleichen zu sein: Berlin, München, Auschwitz und weitere. Für Ostfriesen sind dies jedoch Orte, die damals wie heute weit weg von der eigenen Lebenswelt liegen.

Wie vermittelt man also Schülern einen Eindruck davon, dass all die Dinge, die sie sonst nur aus Schulbüchern kennen, vor mehr als achtzig Jahren auch in ihrem Dorf, ihrer Stadt, ihrer Heimat geschehen sind? Wie bringt man ihnen näher, dass die grausamen Taten des NS-Regimes überhaupt stattfinden konnten, weil genug MitbürgerInnen weggeschaut haben? Kann man Kindern und Jugendlichen diese Geschehnisse überhaupt begreiflich machen? Diese Fragen stellte sich auch die Kooperative Gesamtschule in Wiesmoor und entschied sich dazu, einen themenspezifischen Projekttag anzubieten.

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Strandräuber auf Borkum: Gregor Ulsamers Dokumentation eines vergessenen Kriminalfalls

Ein Beitrag von Dr. Heiko Suhr

Abb. 1: Titelblatt der Publikation

Was das kollektive Gedächtnis der Insel Borkum über fast zwei Jahrhunderte vollständig vergessen hatte, hat Gregor Ulsamer nun in einer sorgfältig recherchierten Dokumentation aufgearbeitet: die Geschichte der Strandung des Kuffschiffs „Constantino“ im November 1831 und ihrer erstaunlichen juristischen Nachspiele. Sein Band „Strandräuber. Achtzehn Borkumer zu 187 Tagen Gefängnis verurteilt“ ist 2025 erschienen und schließt dabei gleich zwei Lücken der ostfriesischen Küsten- und Sozialgeschichte: zum einen die Entwicklung des Strandrechts in den vergangenen Jahrhunderten, mit seinen Wurzeln in Seerecht, Piraterie und dem althergebrachten Strandraub; zum anderen die extrem schwierigen sozialen Verhältnisse der Küstenbewohner in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hier exemplarisch dargestellt an den Einwohnerinnen und Einwohnern Borkums. Der Kampf zwischen der Obrigkeit – repräsentiert durch die Amtsvögte und das königlich hannoversche Gericht in Emden – und den Insulanern um das Strandgut liefert den Rahmen für die Geschichte der Ladung der „Constantino“.

Am 13. November 1831 schlug ein Nordweststurm den Zweimastsegler „Constantino“ auf den Borkumer Strand. Das Schiff war nur wenige Monate alt, gehörte zu einem Viertel dem erfahrenen Kapitän Lühr Hinderks Müggenborg, und transportierte 34 Tonnen ungemahlener Eichenrinde von Bremen nach Yarmouth, wo sie als Rohstoff für die dortigen Ledergerber dienen sollte. Schiff und Ladung waren wie üblich versichert: die Ladung bei Lloyds in London, das Schiff in Papenburg. Was folgte, war ein Ereignis, das die Justiz des Königreichs Hannover über Monate beschäftigen sollte: Nach der Strandung kamen Insulaner mit Beilen an Bord, um Ladung und Tauwerk an sich zu nehmen. Der zuständige Strandvogt Tönjes Bley sah sich zwischen die Fronten gestellt. Das Kriminalamt Emden ermittelte, verhörte die dreiköpfige Besatzung sowie alle Insulaner und sogar deren Kinder. Das Gericht ordnete Hausdurchsuchungen auf der Insel an und fand am Ende gerade einmal etwas mehr als vier Prozent der Ladung in den Gärten der Borkumer verteilt.

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Ehen vor Gericht

In einem Vortrag befasst sich Hjördis Bohse mit Streitigkeiten zu Ehe und Partnerwahl bei frühneuzeitlichen Gerichtsprozessen in Ostfriesland

Abb. 1: Albrecht Dürer: Ungleiches Paar, um 1495, Kupferstich 15,4 x 14,2 cm, Schenkung Johann Heinrich Landolt (1885) © ETH-Bibliothek Zürich, Graphische Sammlung / D 7742 / Public Domain Mark 1.0 https://doi.org/10.16903/ethz-grs-D_007742

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ zum zweiten Vortrag des Jahres 2026 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein, in dem Gerichtsprozesse zu Ehe und Partnerwahl aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Mittelpunkt stehen.

Sich für eine Eheschließung zu entscheiden, bedeutet, sich in vielerlei Hinsicht Gedanken über die Kompatibilität der betreffenden Personen zu machen. Die Erwartungshaltungen können hierbei sehr unterschiedlich sein, spielen etwa Aspekte wie gegenseitige Zuneigung, übereinstimmende Vorstellungen hinsichtlich der Lebensführung oder aber ein ähnlicher sozialer Hintergrund in die Entscheidungsfindung hinein.

Auf den ersten Blick scheint es ein Gegenwartsproblem zu sein, sich eingehend mit den eigenen hohen Ansprüchen an eine potenzielle Partnerin oder einen potenziellen Partner zu befassen. Doch bereits im frühneuzeitlichen Ostfriesland gehörte es zu einer gängigen Praxis, die Eignung eines Paares für eine gemeinsame Ehe genau zu prüfen. Neben den Vorstellungen eines Paares selbst erhoben auch die beteiligten Familien Ansprüche, in die Partnerwahl einbezogen zu werden. Mit dieser Vielzahl an involvierten Personen ging ein großes Konfliktpotenzial einher. So kam es nicht selten vor, dass vor den ostfriesischen Gerichten über ein gebrochenes Eheversprechen oder aber über die Verweigerung des elterlichen Konsenses geklagt wurde.

Anhand noch kaum betrachteter Prozessakten, die sich im Niedersächsischen Landesarchiv in Aurich befinden, beleuchtet der Vortrag die komplexen Dynamiken, die die Eheanbahnungsphase prägten. Der Fokus des Vortrages liegt dabei auf den Argumentationsmustern, die Aufschluss über die Gründe für oder gegen eine Eheschließung geben. Es wird den Fragen nachgegangen, mittels welcher Kategorien – wie etwa geschlechtsspezifischer Rollenbilder, Alter oder Berufsstand – die klagenden und beklagten Personen ihr Anliegen verdeutlichten und inwiefern es durch die eigene Argumentation gelang, den Aushandlungsprozess zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Hjördis Bohse M.Ed.

Hjördis Bohse M.Ed. (Osnabrück)

Ehe und Partnerwahl: Streitigkeiten im frühneuzeitlichen Ostfriesland. Ein Einblick in Gerichtsprozesse und Argumentation aus dem 17. und 18. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 16. März 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann

(Red.: H.S.)