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“Leybuchtsiel”, “Leydeich” und Schöpfwerk “Leybuchtsiel” – ein Blick auf die Eindeichungs- und Entwässerungsmaßnahmen in der Leybucht in den vergangenen 95 Jahren

Ein Gastbeitrag von Ude Hangen

Der genossenschaftliche Deichbau reicht in seiner Geschichte in Ostfriesland bis in das Hochmittelalter zurück. Bereits um 1300 hat vermutlich im Bereich der Leybucht eine durchgehende Deichlinie bestanden. Wegen ihrer unzureichenden Querschnitte dürfte sie den verheerenden Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, der Clemensflut vom 23. November 1334, der zweiten Marcellusflut (erste Mandränke) vom 16. Januar 1362, der ersten Dionysiusflut vom 9. Oktober 1374 und der zweiten Dionysiusflut vom 9. Oktober 1377 kaum großen Widerstand entgegengesetzt haben. Vor allem die letztgenannte Flut führte zu einer Zerstörung der Deiche. Die See drang im Südosten der Leybucht bis zur Ortschaft Canhusen, im Osten bis nach Marienhafe und im Nordosten bis nach Halbemond und Bargebur vor. Das Kirchspiel Westeel südlich von Norden musste aufgegeben werden. Die Küstenbewohner mussten ihre Deichlinie weit zurücknehmen, und die Leybucht erreichte mit rund 13.000 ha ihre größte Ausdehnung (Abb. 1).

Im 14. und 15. Jahrhundert gelang es, hochgelegene ausgedeichte Flächen durch die Anlegung neuer Deiche zurückzugewinnen. Mit der Auflandung der Bucht folgten über Jahrhunderte hinweg zahlreiche weitere Eindeichungen (Abb. 2). Insgesamt wurden neue Deiche auf einer Länge von rd. 150 km errichtet und ca. 10.000 ha Land dem Meer abgerungen. Die letzten großen Eindeichungen vor der Küstenschutzmaßnahme „Leybucht“ fanden in den Jahren 1928/30 vor Neuwesteel / Leybuchtsiel („Leydeich“) und in den Jahren 1947/50 vor Leybuchtpolder („Störtebekerdeich“) statt.

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Die “Ostfriesischen Zeitschwingen. Blätter zur Besprechung vaterländischer Interessen” und ihre Herausgeber, Aurich, Emden 1848-1849

Ostfriesland galt 1848 aus der Sicht des Königs in Hannover als „revolutinaire au possible“. Nachdem seit Mitte März im Königreich nicht nur die Zensur abgeschafft und die Versammlungsfreiheit eingeführt worden war, sondern auch die Pressefreiheit galt, wurden die neuen Möglichkeiten zur Artikulation des politischen Willens schnell genutzt. Auch in Ostfriesland erfolgten kurzfristig eine Reihe von Zeitschriftenneugründungen, und am 7. Mai 1848 erschien in Aurich die erste Ausgabe eines neuen revolutionären Wochenblatts „Ostfriesische Zeitschwingen. Blätter zur Besprechung vaterländischer Interessen“. Verantwortlicher Redakteur war der junge Auricher Gymnasiallehrer Franz Wilhelm Miquél, und herausgegeben wurde die kleine Zeitschrift zunächst vom Verlag der Auricher Buchhandlung Prätorius und Seyde. Gedruckt wurde die jeweils vier Seiten umfassende Wochenschrift bei Tapper in Aurich.1

Eigentlich war es geplant, zwei Ausgaben wöchentlich zu publizieren – jeweils sonntags und mittwochs –, aber tatsächlich sind in knapp elf Monaten 72 Nummern erschienen, so dass durchschnittlich drei Ausgaben in zwei Wochen herauskamen. Die Herausgabe wurde schließlich am 20. März 1849 unvermittelt abgebrochen.

Der Titel „Ostfriesische Zeitschwingen“ signalisierte ein anspruchsvolles Programm, denn damit stellte sich der Herausgeber direkt in die Tradition von Ludwig Börne und dessen 1819 in wenigen Nummern herausgegebene „Zeitschwingen, oder Des deutschen Volkes fliegende Blätter“. Die ostfriesische Variante sollte sich also am revolutionären nationalen Liberalismus Ludwig Börnes und der Organisatoren des Hambacher Festes orientieren. Mit Stil und Inhalt wandte sich die Wochenzeitung insbesondere an das ostfriesische Bildungsbürgertum, und damit war sie vergleichsweise erfolgreich, denn die „Ostfriesischen Zeitschwingen“ konnten immerhin fast ein Jahr lang erscheinen.

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  1. Ostfriesische Zeitschwingen. Blätter zur Besprechung vaterländischer Interessen, Aurich, Emden, 1.1848 – 20.1849, Landschaftsbibliothek Aurich, Signatur: y 114. Weiterhin abgekürzt als: OZS. []

“Der Fürsprecher” – Hinrich Janssen Sundermann und sein “Revolutionsblatt” als Beilage zum ostfriesischen Amtsblatt 1848

Eine interessante kurzlebige Blüte auf der reichen Wiese der ostfriesischen Publikationen des 19. Jahrhunderts ist der „Fürsprecher“. Eine Zeitschrift, die 1848 bei der Druckerei Zopfs in Leer produziert wurde und nur zwei Ausgaben als Beilage im Ostfriesischen Amtsblatt erlebt hat. Herausgeber ist der vielseitig begabte, aber vornehmlich autodidaktisch gebildete Heseler Dorfschullehrer Hinrich Janssen Sundermann (1815-1879), der den Ostfriesen vor allem als Reformpädagoge und Organisator des ostfriesischen Lehrerstandes im Gedächtnis geblieben ist. Sundermann war aber als Publizist und Herausgeber auch einer der führenden politischen Köpfe der Revolution des Jahres 1848 in der Region. Er wurde vor allem zum Sprachrohr der Kleinbauern und Kolonisten.

Sundermann hatte keinen bildungsbürgerlichen Hintergrund, sondern stammte wie die meisten seiner Kollegen an den Dorfschulen aus sehr einfachen ländlichen Verhältnissen. Deshalb setzte er von Beginn seiner Laufbahn an auf das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Er warb für regionale Zusammenschlüsse in selbstorganisierten „Konferenzen“ der Dorflehrerschaft, um gemeinsam durch Lektüre und Übungen den allgemeinen Ausbildungsstand zu heben. Er legte auch den Grundstein zur Vereinigung in der „Ostfriesischen Lehrer-Union“ und 1848 zur Gründung des ostfriesischen Provinzialvereins als Teil des „Central-Vereins der Volksschullehrer im Königreich Hannover“. 1846 nahm er die lange geplante Herausgabe der Zeitschrift „Der Lehrer-Schriftwechsel“ als Vereinsblatt auf, womit ein öffentliches Forum für den fortschrittlichen Teil der ostfriesischen Dorflehrerschaft geboten wurde.

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Quarantäne für Seefahrer im Emder Hafen

Ansicht des Wirtschaftsgebäudes von der Seite
Abbildung 1: Wirtschaftsgebäude mit Wohnräumen der Wärter (Ausschnitt aus einem Plan, NLA AU, Rep. 16/1, Nr. 3331, Blatt 287)

Seit über einem Jahr hat die Covid-19-Pandemie rasend schnell und weltweit um sich gegriffen. Die Gefahr, dass sich Krankheiten durch Handel und den Transport von Personen und Waren verbreiten und dadurch unkontrollierbar werden könnten, ist jedoch schon lange bekannt.

Quarantänemaßnahmen, z.B. für Seeleute, gehen mindestens bis ins Jahr 1377 zurück. Damals beschloss der Rat der italienischen Stadt Ragusa, jenen Schiffen, die aus Gebieten kamen, in denen die Pest wütete, die Einfahrt in den Hafen der Stadt zu verwehren. Stattdessen zwang man die Seeleute, auf einer Insel vor der Stadt dreißig Tage in Isolation zu verbringen. Dieser Zeitraum wurde 1383 in Marseille auf vierzig Tage („quaranta giorni“) verlängert. Aus dieser zeitlichen Festlegung entwickelte sich der Begriff „Quarantäne“.1 Später wurden spezielle Einrichtungen zur Beobachtung der Isolierten und ggf. ihrer medizinischen Behandlung geschaffen. Auch in anderen Städten gab es entsprechende Quarantäneanstalten.2 Bis heute besitzen große Häfen einen hafenärztlichen Dienst, zu dessen Aufgabengebiet auch die Kontrolle der ankommenden Seeleute auf ansteckende Krankheiten gehört.3

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  1. Vgl. N.N.: Quarantāna. []
  2. Vgl. Dirk Hempel: Pest, Cholera, Corona: Quarantäne im Wandel der Zeit. []
  3. Vgl. N.N.: Hafenärztliche Dienste und N.N.: Im Einsatz gegen Seuchen: Der Hafenärztliche Dienst. []

Archäologische Spurensuche ohne Spatenstich: Von Gräben, Wällen und Backsteinen

Geophysikalische Prospektionen von Häuptlingsburgen der friesischen Halbinsel

von Thorsten Becker, Dirk Dallaserra, Emma Hadré, Kirsten Hüser und Stefan Krabath

Unsichtbares sichtbar machen: Das ist eine der ambitionierten Aufgaben des Projekts „Burgenbau im niedersächsischen Küstenraum“ des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung. Mithilfe historisch-geographischer und archäologischer Methoden sollen ehemalige Burgenstandorte aufgespürt und erforscht werden, um so ein Fenster in die Zeit der „Friesischen Freiheit“ zu öffnen und gesellschaftlichen Wandel sowie die Verlagerung der Machtverhältnisse nachzuvollziehen. Historische Karten und ein hochaufgelöstes Modell der Geländeoberfläche sind zwei Beispiele für Archive, die genutzt werden, um nach Hinweisen auf frühere Burgen zu suchen. Rund 500 mögliche Burgenstandorte auf dem Gebiet zwischen Ems und Weser konnten auf diese Weise bereits identifiziert werden. Heute finden sich im Gelände jedoch nur in Ausnahmefällen noch obertägig Zeugnisse der Burgen; in den meisten Fällen ist mit dem bloßen Auge lediglich Ackerfläche oder Grünland zu erkennen. Mithilfe geophysikalischer Methoden wie der Geomagnetik werden die im Boden verborgenen Strukturen sichtbar gemacht.

Ein zerstörungsfreier „Blick in den Boden“. Die MitarbeiterInnen des Burgen-Teams setzen Vermessungstechnik und Geomagnetik ein  (Foto: S. Krabath, NIhK).
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Das unstete Leben des Albert Stockvis und die beiden ersten ostfriesischen Reiseführer 1900 und 1902

Schon 1801 veröffentlichte der Auricher Landphysikus von Halem mit der kleinen Abhandlung „Ueber die Seebade=Anstalt auf der Ostfriesischen Insel Norderney“ eine Frühform eines Inselführers. Im 1827 gegründeten Verlag von Karl Baedeker erschienen bald serielle Reiseführer, die nach einem festen Schema den Reisenden praktische Hinweise für Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte und Verkehrsanbindungen boten. Der Baedeker für „Mittel- und Nord-Deutschland westlich bis zum Rhein“ erschien 1880 bereits in der 19. Auflage, berücksichtigte in Ostfriesland aber fast ausschließlich die Inseln. Es ist deshalb sehr ungewöhnlich, dass Albert Stockvis im Jahr 1900 einen „Fremdenführer durch die Stadt Leer und ihre Umgebung“ im dortigen Verlag Leendertz veröffentlichte. Etwa zeitgleich entstanden die ersten Reiseführer für die ostfriesischen Inseln, und für die Stadt Emden ist der erste Führer erst 1909 erschienen. Entsprechende Publikationen für der Stadt Leer vergleichbare Orte an der Nordseeküste gibt es dagegen erst seit den 1970er Jahren.

Albert Stockvis vermutlich in seinem Arbeitszimmer in Cleveland vor 1915 (Landesmuseum Emden, FS 4325-1)

Albert Stockvis (1878-1966) hat 1945 eine kurze „literarische Autobiographie“ verfasst, die ein wenig Einblick in sein Leben gibt. Er ist in Bremen in einer vermutlich jüdischen Familie geboren worden und aufgewachsen. Nachdem er früh verwaist war und als schwer erziehbar galt, wurde er von seinem Vormund und Großvater in ein strenges Pensionat in Mainz gegeben und dort zur Schule geschickt. Nach dem Abschluss der Mittleren Reife ging er 1898 bei Buchhändlern in Mainz und Göttingen in die Lehre. In Göttingen wurde er als Einjährig-Freiwilliger für das Militär gemustert. Er brach die Lehre ab, nahm Privatunterricht in den Fächern Griechisch und Latein, um Geschichtslehrer werden zu können und machte nach eigener Auskunft über kurze Zwischenstationen in Hannoversch Münden, Kiel, Bremerhaven, Bremen schließlich etwa zwei Jahre später in Nienburg seinen gymnasialen Abschluss. Bis zum Sommer 1900 führte ihn sein Weg nach Ostfriesland. „Selbst Kind der nordwestdeutschen Tiefebene“ scheint er sich hier wohlgefühlt zu haben, und in diesen Jahren erhielt er durch den Rechtsanwalt Dr. Carl Georg Barkhausen aus Bremen regelmäßige Zahlungen aus seinem Bremer Erbe, deshalb konnte er hier scheinbar relativ ungebunden leben.

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Aurichs Wasserstraße – der Ems-Jade-Kanal

Ein Beitrag anlässlich der Sonderausstellung zum Gemeinschaftsprojekt im Museumsverbund Ostfriesland „Dat löppt! Wasser in der ostfriesischen Kultur“ im Historischen Museum Aurich – 16. März bis 5. Dezember 2021

Ein Gastbeitrag von Brigitte Junge

„Das schwarze, moorige Wasser stand zwischen hohen Deichen, an deren Sohle ein Pfad entlanglief für die Männer oder Pferde, die die Torfschiffe zogen, wenn die Schiffer sie nicht von Bord aus stakten. Dann gingen sie, die langen Stangen an die Schulter gestemmt, gegen die Fahrtrichtung und drückten so die Schiffe vorwärts. Tief und schwer fuhren die Kähne dahin, bis an den Rand mit Kohlen, Steinen, Gemüse oder Torf beladen. Über die Deiche ragten die Spitzen der Kirchtürme oder der kreisende Gang der Windmühlenflügel. Wenn man am Ufer lag, sah man nur den Himmel über sich und das hohe Zittergras, das auch ohne Lufthauch bebte, und hörte nichts als das leise Glucksen des Wassers, das die Lastschiffe zerteilten.“ Mit diesen Worten erinnerte sich Herbert Jhering, der einen Teil seiner Kindheit in einem Haus am Alten Hafen, Ecke Hafenstraße verbrachte, an Aurichs Wasserstraße.1

Westdeutsche Kanäle, Mittelandkanal und Märkische Wasserstraßen. Ausschnitt aus dem Kartenblatt – Maßstab 1:800.000 nach amtlichem Material hrsg. von „Rhein“, Verlagsgesellschaft Duisburg, Schmorl & Seefeld Nachf., Hannover o. J. (HMA-20431)

Menschen machten jahrhundertelang die Erfahrung, dass Waren auf dem Wasser einfach und kostengünstig zu transportieren waren. Im Binnenland nutzten ostfriesische Handwerker und Kaufleute die Flüsse Ems, Jümme, Leda und Ee (Ehe). Doch konnten die natürlichen Flussläufe den wirtschaftlichen Interessen kaum genügen. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein taten schlecht ausgebaute Straßen ihr Übriges, denn sie waren während langanhaltender Regenperioden im Frühjahr und Herbst kaum befahrbar. Folgerichtig wünschte man sich zwischen der Residenzstadt Aurich und dem Emder Hafen bereits um 1630 eine künstliche Wasserstraße.

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  1. Herbert Jhering, Theaterkritiker in Berlin 1920/30er Jahre, geboren 1888 in Springe, gestorben 1977 in Berlin, lebte als Kind eine Zeitlang in Aurich; zitiert nach Detlef Hartlap: Hundert Jahre Ems-Jade-Kanal in: Ostfriesland-Magazin Nr. 6, Juni 1988, S. 60. []

Wie das „Land der edlen Friesen arg verleumdet und begeifert“ wurde. Über einen „Dichterstreit“ 1853 und das ostfriesische Selbstbewusstsein

In Ostfriesland, wo Bücher früher wie heute nur auf einen kleinen Markt treffen, sind Zweitauflagen und Nachdrucke an sich schon etwas Bemerkenswertes. Aber wenn ein Heftchen, das zudem nicht mehr als zwei Gedichte enthält, in einem Zeitraum von 100 Jahren zehn Neuauflagen erfährt und anschließend auch noch anderweitig publiziert wird, lässt das auf eine besondere Bedeutung dieser Veröffentlichung für Ostfriesland schließen. Und es ist deshalb auch nicht verwunderlich, wenn dieser Druck in verschiedenen Auflagen in der Landschaftsbibliothek in Aurich vorliegt.

Die kleine Broschur, auf die hier Bezug genommen wird, erschien zuerst 1853 unter dem Titel „Ostfriesland. Angriff und Verteidigung“ in Leer. Sie war eine Reaktion auf ein großes Aufsehen erregendes Spottgedicht, das wiederum ohne den Willen seines Autors ebenfalls zu Beginn des Jahres 1853 in ostfriesischen Tageszeitungen veröffentlicht worden war. Sein Urheber war Leutnant Adolph von Düring, ein hannoverscher Offizier, der im Dezember 1852 mit einer 50 Mann umfassenden Wachtruppe von Osnabrück nach Aurich verlegt worden war. Eine Versetzung in den äußersten Nordwesten des Königreichs konnte in dieser Zeit durchaus als Strafe empfunden werden. Für sich zum Trost und zur Erheiterung seiner Kameraden in Osnabrück verfasste er zum Silvesterabend ein längeres Spottgedicht „Ostfriesland“. Die aus Ostfriesland stammende Frau eines Osnabrücker Regimentskameraden schrieb das Gedicht ab und schickte es vermutlich zu ihrer Verwandtschaft nach Norden, und hier wurde es schon am 27. Januar im „Norder Stadtblatt“ veröffentlicht. Das Gedicht beginnt und endet folgendermaßen:

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Falschmünzer und Falschgeld in Ostfriesland

Nach offiziellen Angaben der Deutschen Bundesbank wurde im Jahr 2020 ein Anstieg bei der Fälschung von Geld festgestellt. Insgesamt hatten in Deutschland 58.800 falsche Euro-Banknoten mit einem Nennwert von fast drei Millionen Euro ermittelt werden können (https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/mehr-falsche-10-und-20-euro-banknoten-im-umlauf-856660). Daher ist es auch kein Wunder, wenn in unregelmäßigen Abständen in der Presse auch immer wieder vor dem Auftauchen von Falschgeld gewarnt wird, wie etwa im November 2019, als in Norden gefälschte Zehn-Euro-Scheine in Umlauf gebracht wurden (https://www.oz-online.de/-news/artikel/718686/Norden-Polizei-warnt-vor-falschen-Zehnern). Natürlich ist das Fälschen von Zahlungsmitteln keine neue Entwicklung, sondern wurde auch in naher und fernerer Vergangenheit in Ostfriesland ausgeführt, wie ein Blick ins Archiv beweist. Einzelne Beispiele sollen an dieser Stelle aufgeführt werden.

Deckblatt einer Akte zur “Falschmünzerei”, die von 1885 bis 1935 im Landratsamt Leer geführt worden ist (NLA AU Rep. 32 Nr. 1245)
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Das „Ostfriesische Heimatbuch“ – 1938 zusammengestellt und nie gedruckt

Zwei Aktenordner mit dem Manuskript des „Ostfriesischen Heimatbuchs“ aus dem Jahr 1938 (Landschaftsbibliothek, Ms 189 (4); Foto: Paul Weßels, Ostfriesische Landschaft)

Nicht jede Publikation ist das Papier wert, auf dem sie gedruckt ist, und manchmal darf man sogar froh sein, wenn die Zeitumstände das Erscheinen eines Buchs verhindern. Im Magazin der Landschaftsbibliothek befinden sich im Nachlass von Landrat Robert Onnen (1887-1968) und Lehrer Andreas Baumann (1883-1967) zwei alte Aktenordner mit einem fast 360 Seiten umfassenden Manuskript für ein „Ostfriesisches Heimatbuch“, das 1938 für den Druck bei der Fa. Soltau in Norden vorbereitet worden war.1 Der Plan für das Buch war eine Reaktion auf die mit dem Erlass vom 10. April 1937 formulierte Forderung des Reichsbildungsministers Bernhard Rust, dass der „gesamte Unterricht der Volksschule der Heimatkunde im weiteren Sinne dienen“ sollte. Rust verlangte für die Schulen neue ideologisch korrekte Schulbücher, die dem völkischen und nationalsozialistischen Gedankengut angepasst sein sollten.

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  1. „Ostfriesisches Heimatbuch“, im Auftrag des Regierungspräsidenten in Aurich bearbeitet von Kreisschulrat Heinrich Kohlmeyer, Norden, „unter freundlicher Unterstützung bekannter Heimatfreunde“, Druckerei Soltau Norden; Landschaftsbibliothek Aurich, MS 189/5. []