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Wie das „Land der edlen Friesen arg verleumdet und begeifert“ wurde. Über einen „Dichterstreit“ 1853 und das ostfriesische Selbstbewusstsein

In Ostfriesland, wo Bücher früher wie heute nur auf einen kleinen Markt treffen, sind Zweitauflagen und Nachdrucke an sich schon etwas Bemerkenswertes. Aber wenn ein Heftchen, das zudem nicht mehr als zwei Gedichte enthält, in einem Zeitraum von 100 Jahren zehn Neuauflagen erfährt und anschließend auch noch anderweitig publiziert wird, lässt das auf eine besondere Bedeutung dieser Veröffentlichung für Ostfriesland schließen. Und es ist deshalb auch nicht verwunderlich, wenn dieser Druck in verschiedenen Auflagen in der Landschaftsbibliothek in Aurich vorliegt.

Die kleine Broschur, auf die hier Bezug genommen wird, erschien zuerst 1853 unter dem Titel „Ostfriesland. Angriff und Verteidigung“ in Leer. Sie war eine Reaktion auf ein großes Aufsehen erregendes Spottgedicht, das wiederum ohne den Willen seines Autors ebenfalls zu Beginn des Jahres 1853 in ostfriesischen Tageszeitungen veröffentlicht worden war. Sein Urheber war Leutnant Adolph von Düring, ein hannoverscher Offizier, der im Dezember 1852 mit einer 50 Mann umfassenden Wachtruppe von Osnabrück nach Aurich verlegt worden war. Eine Versetzung in den äußersten Nordwesten des Königreichs konnte in dieser Zeit durchaus als Strafe empfunden werden. Für sich zum Trost und zur Erheiterung seiner Kameraden in Osnabrück verfasste er zum Silvesterabend ein längeres Spottgedicht „Ostfriesland“. Die aus Ostfriesland stammende Frau eines Osnabrücker Regimentskameraden schrieb das Gedicht ab und schickte es vermutlich zu ihrer Verwandtschaft nach Norden, und hier wurde es schon am 27. Januar im „Norder Stadtblatt“ veröffentlicht. Das Gedicht beginnt und endet folgendermaßen:

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Falschmünzer und Falschgeld in Ostfriesland

Nach offiziellen Angaben der Deutschen Bundesbank wurde im Jahr 2020 ein Anstieg bei der Fälschung von Geld festgestellt. Insgesamt hatten in Deutschland 58.800 falsche Euro-Banknoten mit einem Nennwert von fast drei Millionen Euro ermittelt werden können (https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/mehr-falsche-10-und-20-euro-banknoten-im-umlauf-856660). Daher ist es auch kein Wunder, wenn in unregelmäßigen Abständen in der Presse auch immer wieder vor dem Auftauchen von Falschgeld gewarnt wird, wie etwa im November 2019, als in Norden gefälschte Zehn-Euro-Scheine in Umlauf gebracht wurden (https://www.oz-online.de/-news/artikel/718686/Norden-Polizei-warnt-vor-falschen-Zehnern). Natürlich ist das Fälschen von Zahlungsmitteln keine neue Entwicklung, sondern wurde auch in naher und fernerer Vergangenheit in Ostfriesland ausgeführt, wie ein Blick ins Archiv beweist. Einzelne Beispiele sollen an dieser Stelle aufgeführt werden.

Deckblatt einer Akte zur “Falschmünzerei”, die von 1885 bis 1935 im Landratsamt Leer geführt worden ist (NLA AU Rep. 32 Nr. 1245)
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Das „Ostfriesische Heimatbuch“ – 1938 zusammengestellt und nie gedruckt

Zwei Aktenordner mit dem Manuskript des „Ostfriesischen Heimatbuchs“ aus dem Jahr 1938 (Landschaftsbibliothek, Ms 189 (4); Foto: Paul Weßels, Ostfriesische Landschaft)

Nicht jede Publikation ist das Papier wert, auf dem sie gedruckt ist, und manchmal darf man sogar froh sein, wenn die Zeitumstände das Erscheinen eines Buchs verhindern. Im Magazin der Landschaftsbibliothek befinden sich im Nachlass von Landrat Robert Onnen (1887-1968) und Lehrer Andreas Baumann (1883-1967) zwei alte Aktenordner mit einem fast 360 Seiten umfassenden Manuskript für ein „Ostfriesisches Heimatbuch“, das 1938 für den Druck bei der Fa. Soltau in Norden vorbereitet worden war.1 Der Plan für das Buch war eine Reaktion auf die mit dem Erlass vom 10. April 1937 formulierte Forderung des Reichsbildungsministers Bernhard Rust, dass der „gesamte Unterricht der Volksschule der Heimatkunde im weiteren Sinne dienen“ sollte. Rust verlangte für die Schulen neue ideologisch korrekte Schulbücher, die dem völkischen und nationalsozialistischen Gedankengut angepasst sein sollten.

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  1. „Ostfriesisches Heimatbuch“, im Auftrag des Regierungspräsidenten in Aurich bearbeitet von Kreisschulrat Heinrich Kohlmeyer, Norden, „unter freundlicher Unterstützung bekannter Heimatfreunde“, Druckerei Soltau Norden; Landschaftsbibliothek Aurich, MS 189/5. [↩]

Gut verpackt will Weile haben – Die dauerhafte Aufbewahrung von Archivalien erfordert eine Vielzahl von Maßnahmen

Ein Gastbeitrag von Sinah Wirgenings.

Während meines Praktikums beim Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich erhielt ich die Gelegenheit einen neuen Aktenzugang (acc. 2020/18) – von der Übernahme ins Archiv bis zur Einlagerung im Magazin – zu bearbeiten. Es handelte sich um Unterlagen der Handwerkskammer Aurich (https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b276), die u.a. aus den 1950er/60er Jahren stammten.

Der erste Schritt, das Verzeichnen, war vergleichsweise schnell getan, da nur eine einfache Erstschließung erforderlich war. Hierzu musste zu jedem einzelnen Stück ein passender Aktentitel gefunden werden, der zusammen mit Archivsignatur und der Laufzeit in das Archivinformationssystem „Arcinsys“ eingetragen wurde. Auf diese Weise sind die Akten jederzeit auffindbar und für die Benutzer auch online recherchierbar. Sehr viel aufwändiger war dagegen die anschließende Verpackung der Unterlagen.

Es galt, die Schriftstücke in passende Mappen zu verpacken, um sie anschließend in einem Archivkarton zu verstauen. Ziel dieses Verfahrens ist es, das Papier und die darauf vorhandenen Informationen so lange wie möglich zu erhalten. Deshalb muss gewährleistet werden, dass es weder zu inneren noch äußeren Schadenseinwirkungen kommen kann. Dazu musste das Schriftgut zuerst aus der ursprünglichen Verpackung entfernt werden. So bestand der von mir zu bearbeitende Zugang hauptsächlich aus alten, häufig rostigen oder angeschlagenen Aktenordnern. Einigen war deutlich anzusehen, dass sie Jahre, sogar Jahrzehnte lang sorglos in der hintersten Ecke eines Raums gelagert worden waren. Besonders die älteren Stücke hatten eine Menge Rost angesetzt.

Rostige Büro- und Heftklammern aus den Akten des Bestandes (Foto: Sinah Wirgenings)
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Georg Major – Ein Reformator als Weihnachtsprediger – Wittenberg 1551

In dem vorderen Buchdeckel eines Sammelbandes mit Predigten aus dem Jahr 1551, der in der Landschaftsbibliothek in Aurich aufbewahrt wird, findet sich auf der Innenseite des Vorsatzes eine handschriftliche Notiz. Der Schreiber hat dafür zweimal angesetzt, der erste Versuch mit dunklerer Tinte wurde abgebrochen. Im zweiten Versuch ist zu lesen: „Wen meine Tochter Dorothea dieses Buch von anfang bis zu ende Und fleisig durchlesen haben soll ihr von den Vater 1 Rthlr. verehrt werden, sie hat angefangen den 25. Jan. Und Dies Pauli Conv[ersionis] 1630“. Auch vor fast 400 Jahren war also die Lektüre von Predigten für junge Menschen nicht unbedingt ein Vergnügen, und Belohnungssysteme und positive Verstärkung durch Geschenke erweisen sich hier als ein ganz altes Mittel der Pädagogik. Umgekehrt sichert die Tochter Dorothea klugerweise den versprochenen Lohn für ihre Mühe ab, indem sie den Vater dazu brachte, seine Zusage schriftlich auf dem Vorsatzblatt festzuhalten. Ein getrocknetes Blütenblatt, das noch zwischen den Blättern liegt, könnte darauf schließen lassen, dass Dorothea schließlich für sich auch eine sinnvolle Verwendung für das Buch gefunden hat.

Vorderer Buchdeckel eines Sammelbandes mit Predigten aus dem Jahr 1551, dem Exlibris des ersten preußischen Regierungspräsidenten Christoph Friedrich von Derschau und einer handschriftlichen Notiz
Vorderer Buchdeckel eines Sammelbandes mit Predigten aus dem Jahr 1551 (Landschaftsbiblio­thek Aurich, Q 1077) dem Exlibris des ersten preußischen Regierungspräsidenten Christoph Friedrich von Derschau und einer handschriftlichen Notiz (Foto: Paul Weßels, Ostfriesische Landschaft).
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Einem der ältesten Sakralbauten Ostfrieslands droht der Verfall… Die Krypta und der reformierte Kirchhof Westerende in Leer

Ein Gastbeitrag von Heiko Suhr.

Am westlichen Stadtrand von Leer liegt auf einer Warft eine der vermutlich ältesten christlichen Kultstätten der Region: der alte Kirchhof Westerende der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leer, der sich über ein knapp achttausend Quadratmeter großes Areal erstreckt. Im Norden und Süden wird der Kirchhof auf einer Gesamtlänge von ca. 150 Metern durch Steinmauern begrenzt. Der Friedhof ist deutlich höher gelegen als seine Umgebung, sodass die Mauern innen das Niveau des Kirchhofsgeländes mancherorts nur um wenige Zentimeter überragen.

Im östlichen Drittel des Areals erhebt sich ein kleiner Hügel, der an seinem höchsten Punkt etwa acht Meter über NN liegt. An dieser Stelle findet der Friedhofsbesucher die Krytpa, die, 1955 restauriert, von 1958 bis Juni 2019 als kommunaler Gedenkraum für die Opfer der beiden Weltkriege diente.

Da der auf fünfzig Jahre abgeschlossene Pachtvertrag zwischen der Stadt Leer und der reformierten Gemeinde im Juli 2019 auslief und nicht verlängert wurde, befindet sich die Krypta wieder im Besitz der reformierten Gemeinde. Derzeit befindet sich das Bauwerk in einem bedauernswerten Zustand. Es ist offensichtlich in seiner Substanz bedroht. Die reformierte Gemeinde hat zwar bereits erste Gespräche mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und auch der Ostfriesischen Landschaft geführt, aber Lösungsansätze sind noch nicht in Sicht.

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„das Merkwürdigste aller Bauwerke“ – Die Abhandlung über die Kirche von Marienhafe von Hemmo Suur und Martin Heinrich Martens, Emden 1845

Wenn man sich fragt, wann eine Tradition historisch-kritischer Veröffentlichungen in Ostfriesland begonnen hat, die über die Chronistik und Landesbeschreibungen hinausgeht, drängen sich die frühen Veröffentlichungen von Hemmo Suur auf, der sich insbesondere auch durch seine Abhandlung über die „alte Kirche zu Marienhafe in Ostfriesland“ in bleibende Erinnerung gebracht hat. Die Darstellung, die man als die erste wissenschaftliche Buchveröffentlichung der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden ansehen kann, wurde 1845 bei Woortman in Emden veröffentlicht. Suur war eigentlich Jurist und Amtmann, aber als geschichtsbegeistertes Mitglied der Emder Kunst interessierte er sich früh für die Marienhafer Basilika. Die seit etwa 1250 errichtete evangelisch-lutherische Backsteinkirche war bis zu ihrem Teilabbruch im Jahre 1829 der größte Sakralbau zwischen Groningen und Bremen. In ihren Ausmessungen glich er dem Osnabrücker Dom. Das Gebäude war reich mit Bauplastik, Statuen und Friesen ausgestattet. Außen zog sich ein unter der Trauflinie verlaufendes, in Norddeutschland einmaliges Relieffries mit etwa 200 behauenen Sandsteinen um das Gebäude. Darauf waren Fabelwesen, Dämonen, Tiere, die menschliche Tätigkeiten verrichten, dargestellt, auch Allegorien menschlicher Tugenden und Laster oder auch Jagd- und Ritterszenen wurden abgebildet.

Die Kirche zu Marienhafe während des Abbruches 1829 (August von Halem)
Die Kirche zu Marienhafe während des Abbruches 1829 (August von Halem)
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Quarantäne! Auch für Akten?

Quarantäneregal im Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich (Foto: M. Hermann)

Spätestens seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie ist der Begriff „Quarantäne“ in aller Munde. Die Bezeichnung wird oftmals auf das italienische „quarante giorni“ zurückgeführt, also auf die 40 Tage, die in Venedig ankommende Schiffe bei Pestgefahr abwarten mussten, bevor sie in den Hafen einlaufen durften. Heute wird unter Quarantäne die befristete räumliche Isolierung von Personen (aber auch von Tieren) verstanden, die mit einer ansteckenden Krankheit infiziert sein könnten, um die übrige Bevölkerung zu schützen. Dass auch Archive – ganz unabhängig von Corona – ebenfalls Quarantänemaßnahmen beachten und umsetzen sollten, ist dagegen weniger bekannt. Dies geschieht im Rahmen der Schädlingsprävention.

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Der erste ostfriesische Taschenatlas

Die ostfriesischen Karten aus dem Topographischen Atlas August Papens, 1840-1844

Die Landschaftsbibliothek in Aurich besitzt aus dem Nachlass von Jan Luiken Oltmann einen Pappschuber mit sieben ostfriesischen Karten. Sie gehören in den Zusammenhang des Gesamtwerks des „Topographischen Atlas des Königreichs Hannover und Herzogthums Braunschweig“ von August Papen, der mit 66 Blättern zwischen 1832 und 1848 entstanden ist. Die ostfriesischen Karten aus dem Schuber sind von H. Wolff, Carl Jättnig, Wild jun. und Wilhelm Brose in den Jahren 1840 bis 1844 gestochen und in Hannover publiziert worden. Ganz offensichtlich sind die Karten verwendet worden, denn die drei Ausgaben von Aurich, Emden und Leer weisen deutliche Gebrauchsspuren auf, während z.B. die Karte Neu Schanz mit nur einem kleinen Ausschnitt des südwestlichen Rheiderlands völlig unbenutzt wirkt. Von ihrem Besitzer sind sie für den Alltagsgebrauch im „Taschenatlas-Format“ offensichtlich zu einem Buchbinder gegeben worden. Dieser hat, was nicht so unüblich war, die Karten jeweils in acht Ausschnitte geteilt und auf Leinen aufgezogen. Das Besondere dieser Ausgabe ist aber, dass die Karten am Rand verkleinert wurden. Zur Identifizierung der Einzelkarte hat man die Kartenüberschrift, die ursprünglich über dem Schmuckrand der Karte angebracht war, sauber ausgeschnitten auf die obere Rückseite der gefalteten Karte aufgeklebt. Auf der unteren Rückseite der Faltkarte ist der Maßstab angebracht, der ursprünglich unterhalb der Karte zu lesen war. Etwas verkleinert lässt sich die Karte bequem auf ein Achtel ihrer eigentlichen Größe falten und in dem extra dafür angefertigten Schuber unterbringen, der in eine Rocktasche passt. Weggeschnitten wurden in diesem Format die ansonsten durchgängig vorhandene Kartennummerierung und der Hinweis auf die Kupferstecher und Jahr und Ort der Veröffentlichung. Von den acht Papenschen Karten, die den Bereich Ostfrieslands abdecken, fehlt in dieser Sammlung leider die Karte Esens mit dem Küstenbereich und den Inseln zwischen Norden und Wittmund.

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Rätselhafte Kaiserzeichnungen

Die Aufgaben eines Archivars können durchaus als vielfältig bezeichnet werden. Sie haben u.a. aus dem aktuellen Schriftgut der Behörden oder Gerichte das Archivgut zu ermitteln, zu übernehmen, zu verwahren, zu erhalten, instand zu setzen, zu erschließen und nutzbar zu machen. Dabei ist die Bestimmung der Provenienz, d.h. der Herkunft einer Archivalie unabdingbare Voraussetzung, da sich das archivischen Ordnungssystem nicht an den historischen Themen, sondern an der Herkunft der Unterlagen orientiert. Mindestens ebenso bedeutsam ist die historische Zuordnung der Archivalien – ein Problem, das sich schnell bei Fotos aus längst vergangenen Zeiten ergibt, bei denen oftmals Angaben zu den abgebildeten Orten, Landschaften, Personen oder Ereignissen fehlen oder nicht einmal das Entstehungsjahr bekannt ist. In diesem Fall verlieren die Abbildungen vehement an Quellenwert.

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