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Im Wandel der Zeit: Das Rathaus in Esens und seine Geschichte

Eine neue Publikation widmet sich Wilhelm von Heespen und dem Wangelinschen Witwenstift

Ein Gastbeitrag von Dietrich Nithack

Abb. 1: Titelbild der von Axel Heinze und Miriam Budinger erarbeiteten Publikation.

Seit dem Mittelalter gehören Rathäuser zum Bild einer Stadt. Die Verleihung von Stadtrechten bedeutete meist nicht nur den Aufstieg eines Ortes; sie erforderte vor allem ein Gebäude, das den neuen Status der Stadt, ihre Wichtigkeit, ihre Stärke sowie Bedeutsamkeit und Selbstverständnis ihrer führenden Schicht nach innen und außen repräsentativ darstellte. Dementsprechend wurden – jeweils im Stil der Zeit – reich verzierte oder architektonisch besonders auffällig gestaltete Gebäude errichtet, von denen nicht wenige die Jahrhunderte überdauerten. So ist es ein langer Weg von frühen z.B. in Backsteingotik oder Fachwerk errichteten Mehrzweckgebäuden, die nicht nur dem Rat die Möglichkeit zur Tagung boten, sondern gleichzeitig etwa eine Markthalle u.a. vorhielten, bis zu modernen Glas-und-Beton-Gebäuden, die nur noch Verwaltungsaufgaben dienen. Gerade jahrhundertealte Rathäuser, die oft untrennbar mit dem Geschick „ihrer“ Stadt verbunden sind, haben ihre Geschichte, der es sich lohnt, nachzuspüren.

Auch Ostfriesland hat mehrere historisch bedeutsame Rathäuser, wovon z.B. in Leer, Norden oder Emden nur die bekanntesten zu finden sind. Zu den weniger bekannten, aber dennoch bemerkenswerten Häusern dürfte wohl das Rathaus von Esens gehören.

In der Reihe „Kulturlandschaft Küste“ des Heimatvereins Esens ist nun aus der Feder von Axel Heinze – als Heimatforscher wohlbekannt – und Miriam Budinger ein neues Heft erschienen, das das markante Gebäude am Esenser Marktplatz und seine Geschichte vorstellt.

Über das Esenser Rathaus sind bereits mehrere Veröffentlichungen erschienen. U.a. findet sich im Emder Jahrbuch von 1998 ein Aufsatz mit ähnlichem Titel1; auch ins renommierte Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler von Dehio hat das Haus seinen Weg gefunden2. Gleichwohl ist die neue Arbeit über das Esenser Rathaus und seine Geschichte sehr zu begrüßen, zeichnet sich das Heft doch besonders durch seine reiche Bebilderung und Hintergrundinformationen zu diesem schönen und für die Stadt Esens so wichtigen Gebäude aus.

„Im Wandel der Zeit: Das Rathaus in Esens und seine Geschichte“ weiterlesen
  1. Edzard Rust, Das Gebäude des heutigen Esenser Rathauses und sein Erbauer Wilhelm von Heespen. Ergebnisse einer kunst- und baugeschichtlichen Untersuchung, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands 78, 1998, S. 45–77. [↩]
  2. Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen, Niedersachsen, München / Berlin 1992, S. 455–456. [↩]

Zum 400. Todestag von Ubbo Emmius (1547-1625)

Der diesjährige Tag der ostfriesischen Geschichte am 6. Dezember 2025 befasst sich mit dem friesischen Gelehrten und Kartographen

Ein älterer Mann mit weißem Bart in eine schwarzen Robe mit Halskrause
Abb. Ubbo Emmius (1547-1625), Historiker und Universitätsprofessor, Schabkunstblatt von Last, ca. 1850 (NLA AU Rep. 243 A 169)

Am Samstag, 6. Dezember, laden die Ostfriesische Landschaft und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum 25. „Tag der ostfriesischen Geschichte“ ein. Von 10 bis 12:45Uhr dreht sich bei der kostenfreien Veranstaltung im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am Georgswall 1 in Aurich anlässlich seines 400. Todestages alles um den friesischen Gelehrten und Kartographen Ubbo Emmius (1547-1625).

Als erster wissenschaftlicher Geschichtsschreiber Frieslands legte Ubbo Emmius mit seiner monumentalen „Rerum Frisicarum Historia“ den Grundstein für die moderne Geschichtsschreibung der Region. Sein methodisches Vorgehen und sein kritischer Umgang mit Quellen machten ihn zum Wegbereiter einer neuen Epoche. Auch seine Karte von Ostfriesland stellte einen Höhepunkt der Kartographie des ostfriesischen Raumes dar.

Besonders spannend ist die grenzüberschreitende Dimension seines Wirkens: Geboren in Greetsiel, führte sein Lebensweg über Norden und Leer schließlich nach Groningen, wo er als erster Rektor die Universität prägte und bis heute als einer der bedeutendsten Gelehrten der friesischen Geschichte verehrt wird. Diese Verbindung zwischen Ost- und Westfriesland, zwischen dem heutigen Deutschland und den Niederlanden, spiegelt die historisch gewachsene kulturelle Einheit des friesischen Raums wider.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm: Tag der ostfriesischen Geschichte 2025

Friesischer Gelehrter und Kartograph:
Zum 400 Todestag von Ubbo Emmius (1547-1625)

10:00 Uhr                   Begrüßung durch den Landschaftspräsidenten Rico Mecklenburg

10:15 Uhr                   Prof. Klaas van Berkel (Groningen): Ubbo Emmius – Gründer der Universität Groningen?

11:00 Uhr                   Michael Recke (Emden): Ubbo Emmius – Die Ostfrieslandkarte von 1595/1599 und von 1616: Entstehung, Druck, Veränderungen und Nachwirkungen

11:45 Uhr                   Kaffeepause

12:15 Uhr                   Gesprächsrunde: Neues aus Wissenschaft und Forschung zur ostfriesischen Geschichte – Bericht und Moderation: Dr. Heiko Suhr, Dr. Michael Hermann

12:45 Uhr                   Ende der Veranstaltung

Von Seekarten, Seezeichen und Landmarken

In einem Vortrag im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am 1. Dezember 2025 befasst sich Michael Recke mit Seekarten des 19. Jahrhunderts zwischen Ems und Jade

Abb.: Die im Wasserbaukreis Emden ausliegenden Seezeichen, 1906 (NLA AU Rep. 244 B Nr. 3031)

Im Rahmen der „Landeskundlichen Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ widmet sich der Referent des letzten Vortrages im Jahr 2025 den Seekarten der ostfriesischen Küste im 19. Jahrhundert. Dabei konzentriert sich der seit mehr als vierzig Jahren durch Vorträge, Ausstellungen und Veröffentlichungen ausgewiesene Kartographie-Experte Michael Recke auf die Frage nach Funktion und Bedeutung der auf den Seekarten abgebildeten Landmarken, wie z.B. Leuchttürme, Feuerschiffe, Baken, Tonnen, Kirchtürme oder markante Gebäude. Denn diese erfüllten keinen dekorativen Zweck, sondern waren für Seefahrer unerlässlich, um auf offener See präzise Positionsbestimmungen vornehmen zu können.

Mit einer Fülle bislang kaum beachteter Seekarten aus dem 19. Jahrhundert verwahrt das Niedersächsische Landesarchiv in Aurich einen bedeutenden Schatz zur maritimen Geschichte der ostfriesischen Küste. Die oft großformatigen Kartenwerke, nicht immer eindeutig als Seekarten gekennzeichnet, haben durch die fortschreitende Digitalisierung neue Aufmerksamkeit erlangt.

Der Vortrag richtet den Blick auf die Arbeiten der Königlichen General-Direktion des Wasserbaues zu Hannover und würdigt dabei besonders die Leistungen des Wasserbau-Inspektors Arend Emanuel Taaks. Der in Resterhafe geborene und lange in Esens tätige Fachmann ist vor allem durch seine Karten für wasserbauliche Projekte im Binnenland bekannt geworden, doch seine Bedeutung für die Seekartographie verdient eine eigene Betrachtung. Zahlreiche historische Kartendarstellungen veranschaulichen die technischen und navigatorischen Herausforderungen der Zeit.

Michael Recke

Michael Recke (Emden)

Die Ostfriesische Küste von der Ems bis zur Jade auf Seekarten des 19. Jahrhunderts. Mit Berücksichtigung von Seezeichen und Landmarken wie Feuerschiffen, Leuchttürmen, Baken, Tonnen, Kirchtürmen und anderen markanten Gebäuden

Zeit:                Montag, den 1. Dezember 2025, 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Römisches Recht im mittelalterlichen Friesland

In einem Vortrag im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft am 27. Oktober 2025 geht der Historiker Dr. Marvin Wiegand u.a. der Frage nach, weshalb trotz „Friesischer Freiheit“ im mittelalterlichen Friesland auf römisches und kanonisches Recht zurückgegriffen wurde.

Abb. 1: Codex Roorda (15. Jahrhundert) (Tresoar Leeuwarden, PBF hs 6, Bl. 249–250)

Dr. Marvin Wiegand, der 2023 an der Freien Universität Amsterdam über die Rezeption des gelehrten Rechts im Friesland des 14. und 15. Jahrhunderts promovierte, setzt die gemeinsam von der Landschaftsbibliothek und dem Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich –organisierte Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ fort.

Friesland befand sich im Mittelalter in einer besonderen Situation: Seine Bewohner standen nicht unter fürstlicher Lehnsherrschaft, sondern organisierten sich in kleinen, lokalen Gemeinschaften und wandten ihr eigenes Recht an. Im Spätmittelalter vollzog sich innerhalb dieser „Friesischen Freiheit“ eine bemerkenswerte Entwicklung: Das gelehrte römische und kanonische Recht gewann zunehmend an Einfluss. Diese Entwicklung endete mit der Ausbildung der Lehnsherrschaft in den friesischen Landen und zeigt ein eigenständiges Bestreben nach rechtlichen Veränderungen.

Welche Gründe und Motivationen bewogen die Friesen, fremdes Recht zu rezipieren und zu adaptieren? Zur Beantwortung dieser Frage werden klassische und spätmittelalterliche Rechtstexte mit besonderem Fokus auf das Westerlauwersche Friesland untersucht. Die verschiedenen Aspekte der friesischen Rezeption werden dargestellt und veranschaulicht – ergänzt durch Vergleiche mit dem Sachsenspiegel und dem Ostfriesischen Landrecht.

Abb. Dr. Marvin Wiegand

Dr. Marvin Wiegand (Utrecht)

Die Rezeption des gelebten Rechts im mittelalterlichen Friesland

Zeit:                Montag, den 27. Oktober 2025; 19.30 Uhr

Ort:                 Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Datenschutz- und Urheberrechtsfragen bei der Geschichtsvermittlung

Ein vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich und der Landschaftsbibliothek organisierter Workshop am 19. September 2025 lieferte grundlegende Informationen und Tipps

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Dr. Michael Hermann begrüßte als Mitorganisator des Workshops die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führte in das Thema ein (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

Die Aufarbeitung und Präsentation historischer Erkenntnisse zur Region ist ohne das Engagement vieler ehrenamtlich und wissenschaftlich tätiger Personen kaum denkbar. Doch gerade, wer sich mit regionaler Geschichte beschäftigt, bewegt sich – insbesondere bei der Veröffentlichung von Dokumenten, Fotografien und persönlichen Daten – oftmals in einem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach offener Wissensvermittlung und komplexen rechtlichen Vorgaben.

In einem Workshop, veranstaltet vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich und der Ostfriesischen Landschaft, wurden am 19. September 2025 aktuelle Aspekte des Datenschutzes und des Urheberrechtes beleuchtet, die für die Arbeit in Geschichtsinitiativen, Archiven, Gedenkprojekten oder sozialen Medien von Bedeutung sind.

Abb. 2: Mit dem Datenschutz in Archiven befasste sich der Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

Nach der Begrüßung der knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befasste sich das erste Panel des Workshops mit dem Themenbereich des Datenschutzes. Unter dem Titel „Recht(s)sicher? Datenschutz- und Datennutzungsregelungen für Archive“ zeigte der Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann, dass es sich bei den Archivgesetzen aus den 1980/90er Jahren um „Kinder des Datenschutzes“ handelt, die nicht zuletzt auf das „Volkszählungsurteil“ des Bundesverfassungsgerichts am 15. Dezember 1983 zurückgehen. Auch wenn nach dem Niedersächsischen Archivgesetz prinzipiell jedermann das Archiv nutzen kann, können bei einzelnen Archivalien oder Aktengruppen noch sogenannte Schutzfristen bestehen, die bei personenbezogenen Unterlagen sogar über den Tod des Betroffenen hinausgehen. Dennoch ist die Forschungsfreiheit gewährleistet, da für wissenschaftliche Vorhaben diese Fristen verkürzt werden können. Zudem ging Dr. Hermann auf die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein, die zwar ein „Recht auf Vergessenwerden“ vorsieht, welches aber „für im öffentlichen Interesse liegende Archivzwecke, wissenschaftliche oder historische Forschungszwecke“ nicht gilt. Abschließend widmete er sich auch noch den sich vielerorts bildenden Digitalen Dorfarchiven, die sich bewusst machen sollten, dass sie mit ihrer verdienstvollen Arbeit nicht im rechtsfreien Raum agieren. Abgesehen von der Beachtung des Urheberrechtes bei der Online-Veröffentlichung von historischen Unterlagen, Briefen oder Fotos sollten diese darauf achten, sich bei der Übergabe von Schriftgut stets die entsprechenden Nutzungsrechte übertragen zu lassen.

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Das Steinhaus Bunderhee

Mit einem Vortrag des Archäologen und ehemaligen Landschaftsdirektors Dr. Rolf Bärenfänger startet am 29. September 2025 wieder die Vortragreihe im Landschaftsforum

Abb.: Das Steinhaus Bunderhee (Bildarchiv der Ostfriesischen Landschaft, Foto: Sebastian Schatz)

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden zur ersten Veranstaltung der neuen Vortragssaison 2025/26 zu einem Vortrag über das Steinhaus Bunderhee ins Landschaftsforum ein.

Mit einem Alter von mehr als 600 Jahren ist das Steinhaus zu Bunderhee wohl das älteste erhaltene profane Gebäude Ostfrieslands. Der massive Backsteinturm steht im Rheiderland, nahe der niederländischen Grenze, in weitgehend unverfälschter Form. Er ist als Kulturdenkmal von überragender Bedeutung für die ostfriesische Geschichte und besitzt überregionale Ausstrahlung. Gleichzeitig belegt er die Kontinuität der hochstehenden bäuerlichen Kultur im Rheiderland vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit.

Der Vortrag des Archäologen und ehemaligen Landschaftsdirektors Dr. Rolf Bärenfänger beschreibt die Baugeschichte des Hauses, den historischen Hintergrund und die besonderen naturräumlichen Bedingungen am Rand des damals überschwemmten Dollartgebietes. Im Weiteren richtet sich der Blick auf die früheren Besitzer des Platzes sowie auf die jüngste Entwicklung hin zu einem Erlebnisort mit modernem Kulturangebot in historischem Ambiente. Zahlreiche historische und aktuelle Abbildungen tragen zur Veranschaulichung bei.

Dr. Rolf Bärenfänger

Dr. Rolf Bärenfänger (Moormerland)

Das Steinhaus Bunderhee

Zeit:                Montag, den 29. September 2025; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Wie der Emslandplan das südliche Ostfriesland voranbrachte (1950-1989)

Einladung zu einem Geschichtsnachmittag in Breinermoor

Abb. 1: Logo des Projekts “75 Jahre Emslandplan” (Emsländische Landschaft e.V.)

Die Emsländische Landschaft e. V. für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim und die Ostfriesische Landschaft möchten herzlich einladen zu einem Geschichtsnachmittag:

Wie der Emslandplan das südliche Ostfriesland voranbrachte (1950-1989)

Als 1945 der Zweite Weltkrieg vorbei war und der Wiederaufbau in Deutschland einsetzte, zeigten sich generelle strukturelle Schwächen. Beispielsweise war die einheimische Landwirtschaft nach den Gebietsverlusten im Osten nicht in der Lage, die Ernährungssicherheit zu garantieren. Auch wurde bald besonders im ländlichen Raum ein Mangel an Infrastruktur deutlich, wie bei der Versorgung mit Strom und Frischwasser oder auch im Straßenbau. Die junge Bundesrepublik half, indem sie spezielle Förderprogramme auflegte. Eines davon war der 1950 ins Leben gerufene Emslandplan. Von diesem Vorhaben profitierte dabei nicht nur das Gebiet des heutigen Landkreises Emsland, sondern das Förderprogramm wirkte sich darüber hinaus auch auf die Nachbarlandkreise wie bspw. den südlichen Landkreis Leer aus, insbesondere das südliche Rheiderland sowie das südliche Overledingerland. Flurbereinigungen, infrastrukturelle Erschließung oder auch die Kultivierung der Moore waren einige der Maßnahmen, die die Emsland GmbH im Landkreis Leer durchgeführt hat.

Anlässlich des 75. Jubiläums des Emslandplans wollen wir uns gemeinsam mit Ihnen auf Spurensuche begeben. Daher laden wir Sie herzlich bei Tee und Krintstuut in die Begegnungsstätte Breinermoor ein, um anhand von alten Bildern, Karten und Filmaufnahmen den vom Emslandplan angestoßenen Wandel nachvollziehen zu können. Sehr herzlich laden wir Sie ein, alte Fotos, Dokumente oder Erinnerungsstücke an die Zeit des Emslandplans mitzubringen und vor allem Ihre Erlebnisse mit uns zu teilen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der Nachmittag wird gestaltet von Dr. Heiko Suhr (Ostfriesische Landschaft), Dr. Benjamin van der Linde (Emsländischer Heimatbund e. V.) und Bernd Grünefeld (Emsländische Landschaft e. V.).

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Datum: Freitag, 19. September 2025, 15 bis 18 Uhr

Ort: Dorfgemeinschaftshaus Breinermoor, Idehörner Straße 11, 26810 Westoverledingen-Breinermoor

Abb. 2: Ausschnitt aus der Karte des Arbeitsgebietes der Emsland GmbH Meppen mit den im Emslandplan berücksichtigten ostfriesischen Gebieten. Die grüne Linie markiert die maximale nördliche Ausdehnung (NLA OS, K Akz. 2006/064, Nr. 4 H)

(Red.: M.H.)

Datenschutz- und Urheberrechtsfragen bei der regionalen Geschichtsforschung und -präsentation

Ein Workshop am Freitag, den 19. September 2025, richtet sich an alle Geschichtsinteressierten in der Region

Abb: Titelblatt der Personalakte des ehemaligen Regierungspräsidenten Jann Berghaus (NLA AU Rep. 16/1 Nr. 476) mit einem Vorhängeschloss versehen (Bild erstellt mit ChatGPT)

Die Aufarbeitung und Präsentation historischer Erkenntnisse zur Region ist ohne das Engagement vieler ehrenamtlich und wissenschaftlich tätiger Personen kaum denkbar. Doch gerade, wer sich mit regionaler Geschichte beschäftigt, bewegt sich – insbesondere bei der Veröffentlichung von Dokumenten, Fotografien und persönlichen Daten – oftmals in einem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach offener Wissensvermittlung und komplexen rechtlichen Vorgaben.

In einem Workshop, veranstaltet vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich – und der Ostfriesischen Landschaft, sollen aktuelle Aspekte des Datenschutzes und des Urheberrechtes beleuchtet werden, die für die Arbeit in Geschichtsinitiativen, Archiven, Gedenkprojekten oder sozialen Medien von Bedeutung sind.

Die einzelnen Vorträge bieten Hinweise für die Nutzung archivischer Quellen, regen zur Reflexion über Datenschutz und den respektvollen Umgang mit Erinnerungskultur an, bieten einen Überblick über die urheberrechtlichen Rahmenbedingungen beim Umgang mit historischen Fotos oder Zeitungsartikeln und sollen für eine rechtskonforme Nutzung digitaler Plattformen bei der Geschichtsvermittlung sensibilisieren. Eine individuelle Rechtsberatung ist nicht möglich.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Workshop Programm

Datenschutz- & Urheberrechtsfragen bei der regionalen Geschichtsforschung und -präsentation
Ein Workshop für alle Geschichtsinteressierten

Veranstaltungsort: Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1, 26603 Aurich

Datum: Freitag, den 19. September 2025

09.30 Uhr: Begrüßung

1. Panel: Datenschutz

09.45 Uhr: „Recht(s)sicher?“ – Datenschutz- und Datennutzungsregelungen für Archive
(Dr. Michael Hermann, Niedersächsisches Landesarchiv)

10.30 Uhr: „Den Opfern einen Namen geben?“ – Personenbezogene Daten bei der Erinnerungs- und Gedenkarbeit
(Kathrin Flor, Gedenkstätte Esterwegen)

11.15 Uhr: Kaffeepause

2. Panel: Urheberrecht

11.30 Uhr: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte?“ – Fotografien und Urheberrecht. Ein Werkstattbericht
(Hanke Immega, Ostfriesische Landschaft)

12.15 Uhr: „Ich poste, also bin ich?“ – Social Media und Urheberrecht
(Jörg Höschel, lowcos – lösungsorientierter Datenschutz)

13.00 Uhr: Abschlussdiskussion

Ein kleiner ostfriesischer Schatz – Der Nachlass der ersten deutschen Frauenärztin Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen im Niedersächsischen Landesarchiv

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Hermine Heusler-Edenhuizen, Porträt, ca. 1890 (NLA AU Rep. 243 acc. 2024/104 Nr. 119)

Sie gilt als die erste Frauenärztin in Deutschland, war 1924 die Begründerin des Deutschen Ärztinnenbundes und engagierte sich in den 1920er Jahren in Vorträgen und Veröffentlichungen für die Abschaffung des § 218 StGB. Nunmehr konnte der im Niedersächsischen Landesarchiv überlieferte Nachlass von Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen (1872-1955) vollständig erschlossen werden.1

Hermine Heusler-Edenhuizen (laut Taufurkunde Harmina Egberta) wurde am 16. März 1872 in dem ostfriesischen Ort Pewsum geboren. Sie besuchte zunächst in Emden die höhere Töchterschule, um dann 1898 in Berlin das Abitur zu machen. Bis 1903 folgte ein Medizinstudium in Berlin, Zürich, Halle und Bonn, das sie als erste Frau mit einer Promotion an der medizinischen Fakultät in Bonn abschloss. Es folgten Jahre als Assistenzärztin und 1909 die Facharztausbildung zur „Spezialärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe“. Heusler-Edenhuizen praktizierte die meiste Zeit ihres Lebens in Berlin. Nach Kriegsende kehrte sie 1946 für einige Jahre in ihre ostfriesische Heimat zurück und zog erst kurz vor ihrem Tod erneut nach Berlin, wo sie am 26. November 1955 im Alter von 83 Jahren verstarb.

Ihr vollständiger Nachlass verblieb nach dem Tod der Adoptivtochter in der Familie und wurde 2003 dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Nervenheilkunde Dr. Heyo Prahm (1942-2022) treuhänderisch übergeben. Prahm, der bereits 1997 die Lebenserinnerungen Heusler-Edenhuizens veröffentlicht hatte,2 nutzte den unmittelbaren Zugriff, um erste wissenschaftliche Publikationen auf Grundlage des Nachlasses zu erarbeiten.3 Zudem machte er sich an eine Sichtung und Ordnung und legte 2014 ein erstes Findbuch zu dem Bestand vor.

„Ein kleiner ostfriesischer Schatz – Der Nachlass der ersten deutschen Frauenärztin Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen im Niedersächsischen Landesarchiv“ weiterlesen
  1. https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b370 [↩]
  2. Heyo Prahm (Hrsg.), Die erste deutsche Frauenärztin. Lebenserinnerungen. Im Kampf um den ärztlichen Beruf der Frau. Hermine Heusler-Edenhuizen, Opladen 1997. [↩]
  3. Heyo Prahm, Dr. med. Hermine Heusler-Edenhuizen. Neues zu ihrer ärztlichen und politischen Haltung, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 96, Aurich 2016, S. 55-78; Heyo Prahm, Geschlechterbeziehungen in der Weimarer Republik im Spiegel der Vorträge von Hermine Edenhuizen, Hude-Oberhausen 2021. [↩]

Eine Bildergeschichte des Landkreises Wittmund der 1960er und 1970er Jahre – Der Nachlass des Pressefotografen Ehnt Ulfert Janssen

Abb. 1: Hannes Flesner, 1974 (NLA AU, Rep. 243, acc. 2025/105 Nr. 40)

Was haben der ehemalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt, der ostfriesische Liedermacher Hannes Flesner und das Esenser Rathaus gemeinsam? Auf den ersten Blick nur wenig oder gar nichts. Tatsächlich finden sich Fotos der beiden Personen und des Gebäudes in dem Nachlass des 2023 verstorbenen Pressefotografen Ehnt Ulfert Janssen, der an das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich abgegeben und nun für die Nutzung freigegeben wurde.

Anfang des Jahres 2025 wurde das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich von einer Person angesprochen, da man bei einer Wohnungsauflösung in Wittmund auf einen großen Schrank voller Fotos gestoßen war, die Ehnt Ulfers Janssen (1937-2023) aufgenommen hatte.1 Der Sohn eines Landwirts aus Friedrichsgroden war nicht nur begeisterter Pferdesportler, sondern – nach zwei Jahren beim Jeverschen Wochenblatt – bis zu seinem Ruhestand 2003 auch Redakteur und Fotograf für den „Anzeiger für Harlingerland“ in Wittmund. Berichtete er zunächst vor allem aus Holtriem, Dornum und von den Inseln des Landkreises, verschob sich sein Fokus später auf die Samtgemeinde Esens. Diese Tätigkeit kann wohl guten Gewissens als seine Leidenschaft bezeichnet werden – zwar hatte er zwischenzeitlich Positionen als Chef vom Dienst und Redaktionsleiter inne, gab diese aber zugunsten der Tätigkeit als Redakteur und Fotograf wieder ab.2 Sein Nachlass wurde nun im März an das Landesarchiv übergeben, wo er in den vergangenen Monaten archivfachlich bewertet und in der Bildgutsammlung der NLA-Abteilung Aurich verzeichnet wurde.

Dabei stellten sich schnell zwei Dinge heraus: Der Nachlass enthält nicht nur viele archivwürdige Alltagsmotive, sondern auch ausgesprochene „Raritäten“.

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