In unregelmäßigen Abständen führen die am Museumsverbund Ostfriesland beteiligten Einrichtungen Gemeinschaftsausstellungen zu verschiedenen Themen durch. Lautete der Titel der Ausstellungsreihe 2017 „Unnerwegens“ sollte es für das Jahr 2020 um „Wasser in der ostfriesischen Kultur” gehen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten die geplanten Ausstellungen überhaupt nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden bzw. wurden 2021 nachgeholt. Gleichwohl war im vergangenen Jahr bereits der zugehörige Ausstellungskatalog erschienen, der einen Überblick über die Ausstellungsschwerpunkte bietet, die die dreizehn beteiligten Institutionen zum Themenbereich Wasser gesetzt hatten.
Am 1. November 2021 um 19.30 Uhr findet im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft (Georgswall 1-5) der zweite Vortrag in der landeskundlichen Vortragsreihe von Landschaftsbibliothek und der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs statt. Der im Ostfriesischen Landesmuseum Emden als Provenienzforscher beschäftigte Mag. Georg Kö befasst sich dabei mit einem dunkleren Kapitel aus der Geschichte der „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden“ – kurz: die „Kunst“ genannt.
In der Riege der ostfriesischen Heimatforscher ist Hermann Adams aus Westoverledingen schon lange kein Unbekannter mehr. Immer wieder hat er sich durch Publikationen und Initiativen mit der Geschichte des Overledingerlandes (historische Landschaft im südöstlichen Landkreis Leer), insbesondere während des „Dritten Reiches“, auseinandergesetzt, und auch der Sensationsfund der vergangenen Jahre, die Entdeckung des Fotoalbums des Völleners Johann Niemann aus dem Vernichtungslager Sobibor, wird unverrückbar mit seinem Namen verbunden bleiben.
Nun hat Adams eine neue Publikation herausgebracht, in der er sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Overledingerland befasste. Dazu hat er nicht nur unzählige Zeitzeugen befragt, sondern auch Aktenrecherche betrieben und mit dem Militärarchiv in Warschau/Warszawa und dem kanadischen National Archive in Ottawa korrespondiert. Im Mittelpunkt dieser Geschehnisse stehen vor allem die wenigen Tage zwischen dem 21. und dem 28. April, also vom Vorstoß alliierter Streitkräfte auf ostfriesisches Gebiet bis zum Angriff auf die Stadt Leer.
Ein Gastbeitrag von Dr. Juliane Irma Mihan (Forschungsprojekt: “Jüdisches Leben im grenznahen Raum”)
Abb. 1: Der Teppich der Wanderausstellung “Jüdisches Leben in der Grenzregion – Joods leven in de grensstreek” als Rahmen (Foto: LK Leer)
Ein Teppich in Knallbunt ist der Rahmen einer Wanderausstellung, die über jüdisches Leben in der Grenzregion Rheiderland – Groningen informiert. Der Teppich zeigt eine stilisierte Landkarte mit den Orten Jemgum, Bunde, Weener, Winschoten, Bourtange und Groningen, die Heimat für jüdische Gemeinden gewesen sind und miteinander in Zusammenhang standen. Durch den Teppich kann die Wanderausstellung in ganz unterschiedlichen Räumlichkeiten aufgebaut werden, denn er ist gewissermaßen der Ausstellungsraum. Alle Ausstellungsteile sind mit dem Teppich verbunden, indem sie mit mindestens einer Ecke auf dem Teppich stehen. Auf der Teppichkarte kann man ganz leicht (und ohne nasse Füße zu bekommen) von Leer ins Rheiderland und weiter ins Groningerland und nach Groningen wandern – und selbstverständlich auch wieder zurück. Diese Wanderungsbewegung gab es seit dem 17. Jahrhundert, als sich jüdische Gemeinden im Rheiderland formierten.
Enge Verbindungen
Die Geschichte der benachbarten Regionen Rheiderland und Groningerland ist seit dieser Zeit untrennbar mit der Geschichte ihrer jüdischen Gemeinden verbunden. Die Jüdinnen und Juden in der Grenzregion hatten sich aktiv in den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Alltag integriert. Ohne die Geschichte dieser jüdischen Gemeinden kann die historische Entwicklung Ostfrieslands und der Provinz Groningen nicht gedacht und verstanden werden. Dem tschechisch-jüdischen Kulturwissenschaftler Vilém Flusser (1920 – 1991) folgend, der in einem Interview über das Thema „Grenze“ kurz vor seinem Tod konstatierte, dass zwei benachbarte Regionen in der Realität nie scharf voneinander abgegrenzt seien,1 ist auch für die Grenzregion Rheiderland – Groningerland eine Überschneidung der Kulturen festzustellen. Allein die Ähnlichkeit von Rheiderländer und Groninger Platt unterstreicht dies.2 Und so wird die Grenzregion Rheiderland – Groningerland zu einer Kontaktzone.3 Zur Geschichte der Grenzregion gehört aber auch, dass Jüdinnen und Juden unter der nationalsozialistischen Regierung ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. In der Wanderausstellung wird dieser Geschichte auf unterschiedlichen Ebenen und mit verschiedenen Methoden nachgegangen.
Das Interview ist u.a. abgedruckt in Klaus Sander (Hrsg.), Vilém Flusser. Zwiegespräche. Interviews 1967-1991. Göttingen: European Photography, 1996, S. 94-98. [↩]
Juliane Irma Mihan, Jüdisches Leben im grenznahen Raum. Die Wechselbeziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden im Rheiderland und Groningerland. Aurich: Ostfriesische Landschaft, 2021, S. 51. [↩]
Zum Begriff der Kontaktzone vgl. die Studie von Alexandra Binnenkade, KontaktZonen. Jüdisch-christlicher Alltag in Lengnau. Köln u.a.: Böhlau, 2009. [↩]
Mit einem Vortrag über die Geschichte der einzigen geschichtswissenschaftlichen Zeitschrift Ostfrieslands startet die landeskundliche Vortragsreihe 2021/22.
Nach der langen und unerfreulichen Pandemie-Pause laden die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – endlich wieder zum Start der gemeinsamen Vortragsserie 2021/22 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein.
Am 20. September 2021 um 19.30 Uhr hält Dr. Michael Hermann einen Vortrag mit dem Titel „100 Bände Emder Jahrbuch – Die Entwicklung der historischen Zeitschrift für ostfriesische Landeskunde im Beziehungsgeflecht zwischen ‘Kunst’, Staatsarchiv und Ostfriesischer Landschaft“.
Die Vortragenden und Gastgeber der Online-Tagung: v.l. Prof. Dr. Bernhard Parisius, Astrid Parisius M.A., Rico Mecklenburg, Dr. Matthias Stenger, Dr. Inge Lüpke-Müller, Dipl. Archivarin Kirsten Hoffmann, Dr. Michael Hermann, Dr. Paul Weßels (Foto: Brasat)
Am 1. November jährt sich die Gründung des Bundeslandes Niedersachsen durch die britischen Alliierten zum 75. Mal. Dieses Ereignis bildete nicht nur den Anlass für die Herausgabe eines Sammelbands aus dem Niedersächsischen Landesarchiv, der ein beeindruckendes und reich illustriertes Kompendium verschiedener politik- und alltagsgeschichtlicher Themen darstellt.1 Auch die Ostfriesische Landschaft und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich nutzten das anstehende Jubiläum, um in einer von Paul Weßels moderierten Tagung nach der Rolle und dem Standort Ostfrieslands innerhalb des Bundeslandes zu fragen. Auf Grund der Pandemielage hatten sich die Organisatoren für die Abhaltung einer digitalen Tagung entschieden. Nur die Vortragenden fanden sich persönlich im Landschaftsforum zusammen. Mehr als 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ostfriesland, aber auch den angrenzenden Regionen hatten sich online zu der Veranstaltung zugeschaltet, die – von kleineren technischen Problemen abgesehen – reibungslos in dem neuen Format ablief.
Vgl. Sabine Graf / Gudrun Fiedler / Michael Hermann (Hrsg.), 75 Jahre Niedersachsen. Einblicke in seine Geschichte anhand von 75 Dokumenten, Göttingen 2021 (https://ostfrhist.hypotheses.org/277). [↩]
Die Bundesländer Niedersachsen und Bremen wurden im November 2021 und im Januar 2022 vor jeweils 75 Jahren gegründet. Diese Jubiläen waren für die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen der Anlaß, ihren Stifterländern einen Sammelband zu schenken, in dem 75 regionale, gesamtniedersächsisch-bremische, nationale und europäische „Erinnerungsorte“ vorgestellt werden. Am Anfang dieses Vorhaben stand eine Initiative des Arbeitskreises Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission aus dem Jahr 2015. Auf der Basis von Umfragen und Arbeitstagungen wurde eine erste Auswahl von Erinnerungsorten zusammengestellt. Anlässlich der anstehenden Landesjubiläen hat eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Kommission das Projekt rechtzeitig zu einem erfolgreichen Abschluss geführt.
Landschaftspräsident Jann Berghaus in der Landschaftsversammlung 1949 im Ständesaal der ostfriesischen Landschaft (Foto: Bildarchiv der Ostfriesischen Landschaft)
Das Bundesland Niedersachsen feiert zum Ende des Jahres 2021 seinen 75. Geburtstag. Nachdem die Briten als Besatzungsmacht im August 1946 das Land Preußen als Verwaltungseinheit aufgelöst hatten, vereinten sie zum 1. November 1946 das Land Hannover mit den Freistaaten Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe zum neuen Land Niedersachsen. Die politische Einheit Ostfrieslands blieb in diesem Bundesland bis 1978 als „Regierungsbezirk Aurich“ erhalten. Bis heute zeichnet sich Ostfriesland im äußersten Nordwesten – nur etwa 6 Prozent der Gesamtfläche und auch der Einwohnerschaft Niedersachsens ausmachend – durch ein besonderes Selbstbewusstsein aus, das auch nicht verloren gegangen ist, als Ostfriesland scheinbar konturlos in der Bezirksregierung Weser-Ems aufging. Nur die Ostfriesische Landschaft verkörpert heute noch in der Tradition des alten Ständeparlaments die historische politische Einheit der Region in Niedersachsen. Das ist Grund genug, gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich – in die Feierlichkeiten einzustimmen und am 2. Juli 2021 „75 Jahre Ostfriesland in Niedersachsen“ mit einer historischen Tagung zu begehen.
Wer ist tatsächlich auf einem Gemälde aus dem 17. Jahrhundert abgebildet, das den ostfriesischen Häuptling Focko Ukena darstellen soll? Was hat der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1815 mit Ostfriesland zu tun? Welche Rolle spielte der frühere Landschaftspräsident Georg von Eucken-Addenhausen bei der Erstellung einer neuen Verfassung für die Ostfriesische Landschaft nach 1933? Wie viele Luftalarme gab es im Zweiten Weltkrieg in der Umgebung von Esens? Und welche Hintergründe waren ausschlaggebend, dass in den 1950er Jahren in der Krypta auf dem Kirchhof Westerende eine kommunale Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege und der jüdischen Opfer der Konzentrationslager errichtet wurde? Diese und viele weitere Fragen finden in der aktuellen Ausgabe des Emder Jahrbuchs für historische Landeskunde Ostfrieslands ihre Antworten.
Am 1. November 2021 wird das Land Niedersachsen 75 Jahre alt. Aus diesem Anlass veröffentlicht das Niedersächsische Landesarchiv den Band „75 Jahre Niedersachsen. Einblicke in seine Geschichte anhand von 75 Dokumenten“.
Von der Gründung des Landes im Jahr 1946 bis heute haben die Geschehnisse ihre Spuren im Archiv hinterlassen. Anhand von ausgewählten Dokumenten gibt das Niedersächsische Landesarchiv nunmehr Einblick in diese umfangreiche und breit gefächerte schriftliche Überlieferung, die vor allem aus den Behörden, Gerichten und sonstigen Stellen des Landes stammt. Sie stehen in besonderer Weise für bedeutende Ereignisse und Entwicklungen in der Geschichte Niedersachsens und seiner Regionen.