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Zwei Emder Renaissancehäuser zwischen Abrissbirne und Denkmalschutz

Aiko Schmidt M.A. widmet sich in einem Vortrag im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am 26. Januar 2026 der Geschichte der beiden im 16. Jahrhundert errichteten Bürgerhäuser in der Pelzerstraße in Emden

Abb.: Blick aus der Klunderburgstraße auf die Nordfassaden der Häuser Pelzerstraße 11 (links) und 12 (rechts), 2001 (Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Adolf Harms)

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ laden die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum ersten Vortrag im Jahr 2026 ein. Im Mittelpunkt steht die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert.

Die Emder Altstadt fiel im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig den Bombenangriffen zum Opfer. Inmitten dieser Zerstörung haben zwei im 16. Jahrhundert errichtete Bürgerhäuser an der Pelzerstraße die Zeiten überdauert und gewähren noch heute – zumindest ansatzweise – einen seltenen Einblick in die einstige Wohnkultur einer wohlhabenden Bürgerschaft. Der Vortrag zeichnet die wechselvolle Geschichte dieser beiden Renaissancegebäude von ihrer Entstehung bis in die jüngere Vergangenheit nach. Während das Haus Nr. 11 trotz fortschreitender Baufälligkeit bis 1989 als Unterkunft für sozial schwach gestellte Personen diente, wurde das Haus Nr. 12 – mit Ausnahme der erhaltenen Nordfassade – durch einen Neubau ersetzt und ab 1984 als Kulturhaus genutzt. An der Wende zum 21. Jahrhundert erfuhr das Haus Nr. 11 eine behutsame Restaurierung und vermittelt seither einen Eindruck der Lebensverhältnisse vor rund 350 Jahren, wenngleich dessen Authentizität gewissen Einschränkungen unterliegt.

Aiko Schmidt M. A. ist seit 1994 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostfriesischen Landesmuseum Emden tätig und hat zahlreiche Aufsätze zur Emder Stadtgeschichte veröffentlicht.

Aiko Schmidt M.A.

Aiko Schmidt M.A. (Emden)

Die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 26. Januar 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

“Ganz Ostfriesland gleicht einem See”

Die neueste Ausgabe der Hefte zur ostfriesischen Kulturgeschichte erinnert an die Sturmflut 1825

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Titelblatt der Publikation

Mit dem Band „Die Sturmflut 1825. Eine Naturkatastrophe vor 200 Jahren und ihre Bedeutung für den Küstenschutz in Ostfriesland bis in die Gegenwart“ legt die Ostfriesische Landschaft – herausgegeben von Heiko Suhr – eine wissenschaftlich fundierte und zugleich interdisziplinär weit gespannte Publikation vor, die nicht nur die Katastrophe von 1825 historisch einordnet, sondern auch zu aktuellen Herausforderungen des Klimawandels in Beziehung setzt. Es handelt sich dabei um den publizistischen Abschluss eines dreiteiligen Projekts, das aus einer Tagung am 5. Februar 2025 im Sparkassenforum Leer, einer Wanderausstellung, die auch digital besucht werden kann (www.ol-link.de/1825), und eben dieser Veröffentlichung besteht.

Nach Grußworten der einzelnen Institutionen, die an der Durchführung der Tagung beteiligt waren – Ostfriesische Landschaft, Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse, Ostfriesische Deichverbände –, und einer einleitenden Einführung in das Thema durch den Herausgeber untersucht der Leiter der Landschaftsbibliothek, Heiko Suhr, die Sturmflut vom 3./4. Februar 1825 unter unterschiedlichen Gesichtspunkten.

Zunächst widmet er sich der Ereignisgeschichte der Februarflut, die sich durch ihre außergewöhnliche Höhe und räumliche Ausdehnung auszeichnete und damit sogar die Weihnachtsflut von 1717 in den Schatten stellte. Doch auch die Organisation der Hilfsmaßnahmen war außerordentlich. Suhr arbeitet heraus, dass neben lokalem Engagement sehr früh überregionale und staatlich koordinierte Strukturen entstanden, darunter ein „Central-Hülfsverein“ und ihm untergeordnete lokale und regionale Vereine. Suhr identifiziert darin bereits moderne Strukturen eines sich noch zu entwickelnden Katastrophenmanagements. Anschließend werden die Reaktionen zweier zeitgenössischer Geistlicher, des Superintendenten Johann Ernst Müller und des Landrabbiners Abraham Levy Löwenstamm, als Beispiele religiöser Sinnzuschreibungen analysiert. Beide Autoren interpretieren die Flut nicht nur als Naturereignis, sondern als Teil umfassender kultureller und moralischer Diskurse, wobei insbesondere Fragen zur sozialen Verantwortung hervortreten. Ein lokales Beispiel – der Schwerinsgroden bei Carolinensiel – verdeutlicht abschließend die langfristigen morphologischen und infrastrukturellen Folgen der Flut für den Küstenraum.

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Zum 400. Todestag von Ubbo Emmius (1547-1625)

Der diesjährige Tag der ostfriesischen Geschichte am 6. Dezember 2025 befasst sich mit dem friesischen Gelehrten und Kartographen

Ein älterer Mann mit weißem Bart in eine schwarzen Robe mit Halskrause
Abb. Ubbo Emmius (1547-1625), Historiker und Universitätsprofessor, Schabkunstblatt von Last, ca. 1850 (NLA AU Rep. 243 A 169)

Am Samstag, 6. Dezember, laden die Ostfriesische Landschaft und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum 25. „Tag der ostfriesischen Geschichte“ ein. Von 10 bis 12:45Uhr dreht sich bei der kostenfreien Veranstaltung im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am Georgswall 1 in Aurich anlässlich seines 400. Todestages alles um den friesischen Gelehrten und Kartographen Ubbo Emmius (1547-1625).

Als erster wissenschaftlicher Geschichtsschreiber Frieslands legte Ubbo Emmius mit seiner monumentalen „Rerum Frisicarum Historia“ den Grundstein für die moderne Geschichtsschreibung der Region. Sein methodisches Vorgehen und sein kritischer Umgang mit Quellen machten ihn zum Wegbereiter einer neuen Epoche. Auch seine Karte von Ostfriesland stellte einen Höhepunkt der Kartographie des ostfriesischen Raumes dar.

Besonders spannend ist die grenzüberschreitende Dimension seines Wirkens: Geboren in Greetsiel, führte sein Lebensweg über Norden und Leer schließlich nach Groningen, wo er als erster Rektor die Universität prägte und bis heute als einer der bedeutendsten Gelehrten der friesischen Geschichte verehrt wird. Diese Verbindung zwischen Ost- und Westfriesland, zwischen dem heutigen Deutschland und den Niederlanden, spiegelt die historisch gewachsene kulturelle Einheit des friesischen Raums wider.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm: Tag der ostfriesischen Geschichte 2025

Friesischer Gelehrter und Kartograph:
Zum 400 Todestag von Ubbo Emmius (1547-1625)

10:00 Uhr                   Begrüßung durch den Landschaftspräsidenten Rico Mecklenburg

10:15 Uhr                   Prof. Klaas van Berkel (Groningen): Ubbo Emmius – Gründer der Universität Groningen?

11:00 Uhr                   Michael Recke (Emden): Ubbo Emmius – Die Ostfrieslandkarte von 1595/1599 und von 1616: Entstehung, Druck, Veränderungen und Nachwirkungen

11:45 Uhr                   Kaffeepause

12:15 Uhr                   Gesprächsrunde: Neues aus Wissenschaft und Forschung zur ostfriesischen Geschichte – Bericht und Moderation: Dr. Heiko Suhr, Dr. Michael Hermann

12:45 Uhr                   Ende der Veranstaltung

Von Seekarten, Seezeichen und Landmarken

In einem Vortrag im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am 1. Dezember 2025 befasst sich Michael Recke mit Seekarten des 19. Jahrhunderts zwischen Ems und Jade

Abb.: Die im Wasserbaukreis Emden ausliegenden Seezeichen, 1906 (NLA AU Rep. 244 B Nr. 3031)

Im Rahmen der „Landeskundlichen Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ widmet sich der Referent des letzten Vortrages im Jahr 2025 den Seekarten der ostfriesischen Küste im 19. Jahrhundert. Dabei konzentriert sich der seit mehr als vierzig Jahren durch Vorträge, Ausstellungen und Veröffentlichungen ausgewiesene Kartographie-Experte Michael Recke auf die Frage nach Funktion und Bedeutung der auf den Seekarten abgebildeten Landmarken, wie z.B. Leuchttürme, Feuerschiffe, Baken, Tonnen, Kirchtürme oder markante Gebäude. Denn diese erfüllten keinen dekorativen Zweck, sondern waren für Seefahrer unerlässlich, um auf offener See präzise Positionsbestimmungen vornehmen zu können.

Mit einer Fülle bislang kaum beachteter Seekarten aus dem 19. Jahrhundert verwahrt das Niedersächsische Landesarchiv in Aurich einen bedeutenden Schatz zur maritimen Geschichte der ostfriesischen Küste. Die oft großformatigen Kartenwerke, nicht immer eindeutig als Seekarten gekennzeichnet, haben durch die fortschreitende Digitalisierung neue Aufmerksamkeit erlangt.

Der Vortrag richtet den Blick auf die Arbeiten der Königlichen General-Direktion des Wasserbaues zu Hannover und würdigt dabei besonders die Leistungen des Wasserbau-Inspektors Arend Emanuel Taaks. Der in Resterhafe geborene und lange in Esens tätige Fachmann ist vor allem durch seine Karten für wasserbauliche Projekte im Binnenland bekannt geworden, doch seine Bedeutung für die Seekartographie verdient eine eigene Betrachtung. Zahlreiche historische Kartendarstellungen veranschaulichen die technischen und navigatorischen Herausforderungen der Zeit.

Michael Recke

Michael Recke (Emden)

Die Ostfriesische Küste von der Ems bis zur Jade auf Seekarten des 19. Jahrhunderts. Mit Berücksichtigung von Seezeichen und Landmarken wie Feuerschiffen, Leuchttürmen, Baken, Tonnen, Kirchtürmen und anderen markanten Gebäuden

Zeit:                Montag, den 1. Dezember 2025, 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Römisches Recht im mittelalterlichen Friesland

In einem Vortrag im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft am 27. Oktober 2025 geht der Historiker Dr. Marvin Wiegand u.a. der Frage nach, weshalb trotz „Friesischer Freiheit“ im mittelalterlichen Friesland auf römisches und kanonisches Recht zurückgegriffen wurde.

Abb. 1: Codex Roorda (15. Jahrhundert) (Tresoar Leeuwarden, PBF hs 6, Bl. 249–250)

Dr. Marvin Wiegand, der 2023 an der Freien Universität Amsterdam über die Rezeption des gelehrten Rechts im Friesland des 14. und 15. Jahrhunderts promovierte, setzt die gemeinsam von der Landschaftsbibliothek und dem Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich –organisierte Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ fort.

Friesland befand sich im Mittelalter in einer besonderen Situation: Seine Bewohner standen nicht unter fürstlicher Lehnsherrschaft, sondern organisierten sich in kleinen, lokalen Gemeinschaften und wandten ihr eigenes Recht an. Im Spätmittelalter vollzog sich innerhalb dieser „Friesischen Freiheit“ eine bemerkenswerte Entwicklung: Das gelehrte römische und kanonische Recht gewann zunehmend an Einfluss. Diese Entwicklung endete mit der Ausbildung der Lehnsherrschaft in den friesischen Landen und zeigt ein eigenständiges Bestreben nach rechtlichen Veränderungen.

Welche Gründe und Motivationen bewogen die Friesen, fremdes Recht zu rezipieren und zu adaptieren? Zur Beantwortung dieser Frage werden klassische und spätmittelalterliche Rechtstexte mit besonderem Fokus auf das Westerlauwersche Friesland untersucht. Die verschiedenen Aspekte der friesischen Rezeption werden dargestellt und veranschaulicht – ergänzt durch Vergleiche mit dem Sachsenspiegel und dem Ostfriesischen Landrecht.

Abb. Dr. Marvin Wiegand

Dr. Marvin Wiegand (Utrecht)

Die Rezeption des gelebten Rechts im mittelalterlichen Friesland

Zeit:                Montag, den 27. Oktober 2025; 19.30 Uhr

Ort:                 Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Datenschutz- und Urheberrechtsfragen bei der Geschichtsvermittlung

Ein vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich und der Landschaftsbibliothek organisierter Workshop am 19. September 2025 lieferte grundlegende Informationen und Tipps

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Dr. Michael Hermann begrüßte als Mitorganisator des Workshops die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führte in das Thema ein (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

Die Aufarbeitung und Präsentation historischer Erkenntnisse zur Region ist ohne das Engagement vieler ehrenamtlich und wissenschaftlich tätiger Personen kaum denkbar. Doch gerade, wer sich mit regionaler Geschichte beschäftigt, bewegt sich – insbesondere bei der Veröffentlichung von Dokumenten, Fotografien und persönlichen Daten – oftmals in einem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach offener Wissensvermittlung und komplexen rechtlichen Vorgaben.

In einem Workshop, veranstaltet vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich und der Ostfriesischen Landschaft, wurden am 19. September 2025 aktuelle Aspekte des Datenschutzes und des Urheberrechtes beleuchtet, die für die Arbeit in Geschichtsinitiativen, Archiven, Gedenkprojekten oder sozialen Medien von Bedeutung sind.

Abb. 2: Mit dem Datenschutz in Archiven befasste sich der Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

Nach der Begrüßung der knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befasste sich das erste Panel des Workshops mit dem Themenbereich des Datenschutzes. Unter dem Titel „Recht(s)sicher? Datenschutz- und Datennutzungsregelungen für Archive“ zeigte der Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann, dass es sich bei den Archivgesetzen aus den 1980/90er Jahren um „Kinder des Datenschutzes“ handelt, die nicht zuletzt auf das „Volkszählungsurteil“ des Bundesverfassungsgerichts am 15. Dezember 1983 zurückgehen. Auch wenn nach dem Niedersächsischen Archivgesetz prinzipiell jedermann das Archiv nutzen kann, können bei einzelnen Archivalien oder Aktengruppen noch sogenannte Schutzfristen bestehen, die bei personenbezogenen Unterlagen sogar über den Tod des Betroffenen hinausgehen. Dennoch ist die Forschungsfreiheit gewährleistet, da für wissenschaftliche Vorhaben diese Fristen verkürzt werden können. Zudem ging Dr. Hermann auf die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein, die zwar ein „Recht auf Vergessenwerden“ vorsieht, welches aber „für im öffentlichen Interesse liegende Archivzwecke, wissenschaftliche oder historische Forschungszwecke“ nicht gilt. Abschließend widmete er sich auch noch den sich vielerorts bildenden Digitalen Dorfarchiven, die sich bewusst machen sollten, dass sie mit ihrer verdienstvollen Arbeit nicht im rechtsfreien Raum agieren. Abgesehen von der Beachtung des Urheberrechtes bei der Online-Veröffentlichung von historischen Unterlagen, Briefen oder Fotos sollten diese darauf achten, sich bei der Übergabe von Schriftgut stets die entsprechenden Nutzungsrechte übertragen zu lassen.

„Datenschutz- und Urheberrechtsfragen bei der Geschichtsvermittlung“ weiterlesen

Das Steinhaus Bunderhee

Mit einem Vortrag des Archäologen und ehemaligen Landschaftsdirektors Dr. Rolf Bärenfänger startet am 29. September 2025 wieder die Vortragreihe im Landschaftsforum

Abb.: Das Steinhaus Bunderhee (Bildarchiv der Ostfriesischen Landschaft, Foto: Sebastian Schatz)

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden zur ersten Veranstaltung der neuen Vortragssaison 2025/26 zu einem Vortrag über das Steinhaus Bunderhee ins Landschaftsforum ein.

Mit einem Alter von mehr als 600 Jahren ist das Steinhaus zu Bunderhee wohl das älteste erhaltene profane Gebäude Ostfrieslands. Der massive Backsteinturm steht im Rheiderland, nahe der niederländischen Grenze, in weitgehend unverfälschter Form. Er ist als Kulturdenkmal von überragender Bedeutung für die ostfriesische Geschichte und besitzt überregionale Ausstrahlung. Gleichzeitig belegt er die Kontinuität der hochstehenden bäuerlichen Kultur im Rheiderland vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit.

Der Vortrag des Archäologen und ehemaligen Landschaftsdirektors Dr. Rolf Bärenfänger beschreibt die Baugeschichte des Hauses, den historischen Hintergrund und die besonderen naturräumlichen Bedingungen am Rand des damals überschwemmten Dollartgebietes. Im Weiteren richtet sich der Blick auf die früheren Besitzer des Platzes sowie auf die jüngste Entwicklung hin zu einem Erlebnisort mit modernem Kulturangebot in historischem Ambiente. Zahlreiche historische und aktuelle Abbildungen tragen zur Veranschaulichung bei.

Dr. Rolf Bärenfänger

Dr. Rolf Bärenfänger (Moormerland)

Das Steinhaus Bunderhee

Zeit:                Montag, den 29. September 2025; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Datenschutz- und Urheberrechtsfragen bei der regionalen Geschichtsforschung und -präsentation

Ein Workshop am Freitag, den 19. September 2025, richtet sich an alle Geschichtsinteressierten in der Region

Abb: Titelblatt der Personalakte des ehemaligen Regierungspräsidenten Jann Berghaus (NLA AU Rep. 16/1 Nr. 476) mit einem Vorhängeschloss versehen (Bild erstellt mit ChatGPT)

Die Aufarbeitung und Präsentation historischer Erkenntnisse zur Region ist ohne das Engagement vieler ehrenamtlich und wissenschaftlich tätiger Personen kaum denkbar. Doch gerade, wer sich mit regionaler Geschichte beschäftigt, bewegt sich – insbesondere bei der Veröffentlichung von Dokumenten, Fotografien und persönlichen Daten – oftmals in einem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach offener Wissensvermittlung und komplexen rechtlichen Vorgaben.

In einem Workshop, veranstaltet vom Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich – und der Ostfriesischen Landschaft, sollen aktuelle Aspekte des Datenschutzes und des Urheberrechtes beleuchtet werden, die für die Arbeit in Geschichtsinitiativen, Archiven, Gedenkprojekten oder sozialen Medien von Bedeutung sind.

Die einzelnen Vorträge bieten Hinweise für die Nutzung archivischer Quellen, regen zur Reflexion über Datenschutz und den respektvollen Umgang mit Erinnerungskultur an, bieten einen Überblick über die urheberrechtlichen Rahmenbedingungen beim Umgang mit historischen Fotos oder Zeitungsartikeln und sollen für eine rechtskonforme Nutzung digitaler Plattformen bei der Geschichtsvermittlung sensibilisieren. Eine individuelle Rechtsberatung ist nicht möglich.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Workshop Programm

Datenschutz- & Urheberrechtsfragen bei der regionalen Geschichtsforschung und -präsentation
Ein Workshop für alle Geschichtsinteressierten

Veranstaltungsort: Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1, 26603 Aurich

Datum: Freitag, den 19. September 2025

09.30 Uhr: Begrüßung

1. Panel: Datenschutz

09.45 Uhr: „Recht(s)sicher?“ – Datenschutz- und Datennutzungsregelungen für Archive
(Dr. Michael Hermann, Niedersächsisches Landesarchiv)

10.30 Uhr: „Den Opfern einen Namen geben?“ – Personenbezogene Daten bei der Erinnerungs- und Gedenkarbeit
(Kathrin Flor, Gedenkstätte Esterwegen)

11.15 Uhr: Kaffeepause

2. Panel: Urheberrecht

11.30 Uhr: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte?“ – Fotografien und Urheberrecht. Ein Werkstattbericht
(Hanke Immega, Ostfriesische Landschaft)

12.15 Uhr: „Ich poste, also bin ich?“ – Social Media und Urheberrecht
(Jörg Höschel, lowcos – lösungsorientierter Datenschutz)

13.00 Uhr: Abschlussdiskussion

Ein kleiner ostfriesischer Schatz – Der Nachlass der ersten deutschen Frauenärztin Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen im Niedersächsischen Landesarchiv

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Hermine Heusler-Edenhuizen, Porträt, ca. 1890 (NLA AU Rep. 243 acc. 2024/104 Nr. 119)

Sie gilt als die erste Frauenärztin in Deutschland, war 1924 die Begründerin des Deutschen Ärztinnenbundes und engagierte sich in den 1920er Jahren in Vorträgen und Veröffentlichungen für die Abschaffung des § 218 StGB. Nunmehr konnte der im Niedersächsischen Landesarchiv überlieferte Nachlass von Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen (1872-1955) vollständig erschlossen werden.1

Hermine Heusler-Edenhuizen (laut Taufurkunde Harmina Egberta) wurde am 16. März 1872 in dem ostfriesischen Ort Pewsum geboren. Sie besuchte zunächst in Emden die höhere Töchterschule, um dann 1898 in Berlin das Abitur zu machen. Bis 1903 folgte ein Medizinstudium in Berlin, Zürich, Halle und Bonn, das sie als erste Frau mit einer Promotion an der medizinischen Fakultät in Bonn abschloss. Es folgten Jahre als Assistenzärztin und 1909 die Facharztausbildung zur „Spezialärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe“. Heusler-Edenhuizen praktizierte die meiste Zeit ihres Lebens in Berlin. Nach Kriegsende kehrte sie 1946 für einige Jahre in ihre ostfriesische Heimat zurück und zog erst kurz vor ihrem Tod erneut nach Berlin, wo sie am 26. November 1955 im Alter von 83 Jahren verstarb.

Ihr vollständiger Nachlass verblieb nach dem Tod der Adoptivtochter in der Familie und wurde 2003 dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Nervenheilkunde Dr. Heyo Prahm (1942-2022) treuhänderisch übergeben. Prahm, der bereits 1997 die Lebenserinnerungen Heusler-Edenhuizens veröffentlicht hatte,2 nutzte den unmittelbaren Zugriff, um erste wissenschaftliche Publikationen auf Grundlage des Nachlasses zu erarbeiten.3 Zudem machte er sich an eine Sichtung und Ordnung und legte 2014 ein erstes Findbuch zu dem Bestand vor.

„Ein kleiner ostfriesischer Schatz – Der Nachlass der ersten deutschen Frauenärztin Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen im Niedersächsischen Landesarchiv“ weiterlesen
  1. https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b370 [↩]
  2. Heyo Prahm (Hrsg.), Die erste deutsche Frauenärztin. Lebenserinnerungen. Im Kampf um den ärztlichen Beruf der Frau. Hermine Heusler-Edenhuizen, Opladen 1997. [↩]
  3. Heyo Prahm, Dr. med. Hermine Heusler-Edenhuizen. Neues zu ihrer ärztlichen und politischen Haltung, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 96, Aurich 2016, S. 55-78; Heyo Prahm, Geschlechterbeziehungen in der Weimarer Republik im Spiegel der Vorträge von Hermine Edenhuizen, Hude-Oberhausen 2021. [↩]

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostfriesland vor 80 Jahren

Unter dem Titel “Keine Stunde Null” widmeten sich auf einer wissenschaftlichen Tagung am 23. Mai 2025 sechs Vorträge der komplexen Zeitspanne zwischen Kriegsgewalt und Nachkriegszeit

Ein Tagungsbericht von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Ein Blick ins Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft während der Tagung “Keine Stunde Null” (Foto: Sebastian Schatz, Ostfriesische Landschaft)

„Der 8. Mai markiert mit dem Kriegsende einen der bedeutendsten Wendepunkte der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er ist und bleibt damit ein symbolträchtiges Datum, um dessen Deutung im politischen Raum wieder gerungen wird.“ Mit diesen einleitenden Worten begrüßte der Direktor der Ostfriesischen Landschaft, Dr. Matthias Stenger, die knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die am Freitag, den 23. Mai 2025 die wissenschaftliche Tagung „Keine Stunde Null. Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostfriesland“ besuchten. Er verwies auf die Notwendigkeit, der Geschichtsklitterung von Rechts mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und offenem Diskurs zu begegnen, und hob dabei die regionale Perspektive hervor, weil selbst epochalste Schicksalsmomente im Alltag der Menschen unterschiedlich erlebt bzw. sich auswirken würden.

Die ganztägige Tagung, die gemeinsam von der Ostfriesischen Landschaft und dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich im Landschaftsforum veranstaltet wurde, gliederte sich in drei Abschnitte, wobei sich das erste Panel mit den historischen Rahmenbedingungen befasste.

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