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Was Ostfriesland am Laufen hielt

Eine Archivalienausstellung im Niedersächsischen Landesarchiv zeigt am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 13. September 2026, ausgewählte historische Pläne, Karten und Schriftstücke zur Infrastrukturgeschichte Ostfrieslands

Abb. 1: Verlauf des Treckfahrtstiefs zwischen Aurich und Emden vorbei am Großen Meer und dem Kleinen Meer um 1830 (NLA AU Rep. 244 B Nr. 581)

Wie gelangten Nachrichten über weite Entfernungen ans Ziel? Auf welchen Wegen wurden Menschen und Waren transportiert? Und wie konnten die ostfriesischen Inseln selbst im strengen Winter versorgt werden? Unter dem Titel „Was Ostfriesland am Laufen hielt …“ zeigt das Niedersächsische Landesarchiv in Aurich am diesjährigen Tag des offenen Denkmals, wie Verkehrswege, Kommunikationsnetze und Versorgungsstrukturen das Leben in Ostfriesland prägten.

Die eigens konzipierte Ausstellung greift das bundesweite Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ auf. Anhand von historischen Plänen, Karten und Schriftstücken zeigt sie, wie Post, Kanäle, Schienen und Bunkeranlagen den Alltag organisierten und in schwierigen Zeiten handlungsfähig hielten. Dazu gehören neben der historischen Entwicklung der Post ab Mitte des 16. Jahrhunderts auch der Bau des Vorläufers des Ems-Jade-Kanals von Emden nach Aurich zwischen 1798 und 1800, die Anbindung Aurichs an das Kleinbahnschienennetz ab 1890, die Nutzung der Bunkeranlagen in Aurich und Emden oder die Notversorgung der ostfriesischen Inseln im Winter.

Abb. 2: Beispiele aus der Archivalienausstellung in der NLA-Abteilung Aurich

Neben der Ausstellung steht die Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs (Oldersumer Straße 50, 26603 Aurich) von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr allen Interessierten offen und bietet verschiedene weitere Veranstaltungspunkte an:

  • Wie und wo werden authentische Quellen zur ostfriesischen Geschichte aufbewahrt?
    Führung durch das Archiv und das Archivmagazin, die einen Einblick gibt, wie die Originale aufbewahrt werden, damit sie auch die nächsten Jahrhunderte überdauern
    (12.00 Uhr / 14.00 Uhr / 16.00 Uhr).
  • Wie und wo finde ich Unterlagen zu meinem Thema?
    Für alle, die Familienforschung betreiben, sich für die Geschichte ihres Ortes interessieren oder in die ostfriesische Geschichte eintauchen wollen, gibt es eine Einführung in das Archivinformationssystem „Arcinsys“, mit dem man online nach Archivalien recherchieren und diese gleich in den Lesesaal bestellen kann
    (13.00 Uhr).
  • Haben Sie Dias, Fotos, Fotoalben oder ähnliches Bildgut mit Bezug zu Ostfriesland, die es wert sind, für nachfolgende Generationen erhalten zu werden und daher im Archiv dauerhaft aufbewahrt werden sollten? Dann nutzen Sie unsere Tauschbörse, bei der historische Fotos gegen Bücher aus dem Dubletten-Bestand der Dienstbibliothek getauscht werden können. Oder stöbern Sie in unserem Bücherflohmarkt.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen! Das Landesarchiv freut sich auf Ihren Besuch!

Vom Fischerdorf zum Staatsbad: Karl-Wilhelm Fischers Publikation zur Frühgeschichte des Seebades Norderney

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Umschlagbild der Veröffentlichung

Auf den ersten Blick weckt der Titel der vorliegenden Broschüre Assoziationen zu Hermann Soeke Bakkers Dissertation „Norderney: Vom Fischerdorf zum Nordseeheilbad“ (1956, erw. Auflagen 1971 und 1980).1 Doch wo Bakker sich mit den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen der Insulaner bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs auseinandersetzte, konzentriert sich Karl-Wilhelm Fischer, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter des Norderneyer Bademuseums, auf die schwierige Gründungsphase des Bades, während der aus einem bescheidenen ostfriesischen Fischerort ein konzessioniertes Seebad entstand.

Fischer verortet seine Darstellung im europäischen und deutschen Kontext der Badekultur um 1800. Als Vorbilder nennt er die repräsentativen Seebäder an der englischen Nordseeküste sowie den einflussreichen Aufsatz des Göttinger Professors Georg Christoph Lichtenberg von 1793, der für die Gründung eines Seebades an der deutschen Nordseeküste plädierte und auf die nachgewiesenen Heilerfolge bei Atemwegs- und Hauterkrankungen hinwies. Die Gründung des ersten deutschen Ostseebades in Bad Doberan (1794) hatte überdies bewiesen, dass ein solches Vorhaben auch an der deutschen Küste realisierbar war.

Norderney selbst präsentierte sich Ende des 18. Jahrhunderts als relativ unbedeutende Inselgemeinde, deren Bewohner ihren Lebensunterhalt vornehmlich aus Fischfang und Frachtschifffahrt bestritten. An die Errichtung eines Seebades war zunächst kaum zu denken. Den entscheidenden Impuls gab schließlich der Inselvogt Johann Gerhard Feldhausen, in dessen Haus bereits Gäste zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit logierten: 1797 wandte er sich mit einem Gesuch um finanzielle Unterstützung an die ostfriesischen Landstände.

Fischer zeichnet die kleinteilige Verwaltungsgeschichte dieses Gründungsprozesses nach. Das Gutachten des Arztes Dr. Friedrich Wilhelm von Halem, der die therapeutische Wirkung des Seebades bei chronischen Erkrankungen hervorhob, ebnete den Weg für den Grundsatzbeschluss der Landstände. In den Folgejahren standen mehrere Alternativen zur Debatte – darunter die Anlage eines Seebades in Norddeich oder die Beauftragung eines privaten Unternehmers –, bevor man sich 1800 auf die Bereitstellung von 1.500 Talern aus dem Dispositionsfonds zur Errichtung eines Conversationshauses einigte.

„Vom Fischerdorf zum Staatsbad: Karl-Wilhelm Fischers Publikation zur Frühgeschichte des Seebades Norderney“ weiterlesen
  1. Vgl. Hermann Soeke Bakker, Norderney. Vom Fischerdorf zum Nordseeheilbad. Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Bevölkerung der Insel Norderney bis zum ersten Weltkriege (= Schriften der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft zum Studium Niedersachsens e.V., Neue Folge, Bd. 62), Bremen-Horn 1956. []

Von Wappen und verschwundenen Gewässern bis hin zu dunklen Kapiteln der NS-Zeit

Das neue “Emder Jahrbuch” eröffnet abermals Einblicke in die ostfriesische Geschichte

Abb. 1: Umschlagbild des aktuellen Emder Jahrbuchs 2026

Dass unsere Sicht auf die Geschichte nicht statisch ist, sondern in einem fortwährenden Prozess des Entdeckens entsteht, beweist eindrücklich die neueste Ausgabe des „Emder Jahrbuchs für historische Landeskunde Ostfrieslands“. In insgesamt sechs Forschungsbeiträgen, die zeitlich vom 15. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit reichen, unterstreicht der aktuelle Band, dass die Geschichte der Region durch moderne Fragestellungen ständig neu beleuchtet werden kann.

Der erste Beitrag stammt von Hanke Immega, Mitarbeiter der Landschaftsbibliothek, der sich für Ostfriesland immer mehr zu dem Heraldik-Experten entwickelt. Nachdem er im „Blog für ost-friesische Geschichte“ seit September 2025 bereits vier umfangreiche Beiträge zu verschiedenen Themen rund um ostfriesische Wappen veröffentlicht hat,1 befasst er sich im Emder Jahrbuch mit der „Entwicklung der Helmzierden des ostfriesischen Grafen- und Fürstenwappens“. Es geht darin nicht um den bekannten Wappenschild mit seinen sechs Feldern, sondern um den oberen Teil des Wappens. In seinem Aufsatz kommt Immega zu dem Ergebnis, dass die Helmzierden nicht nur den tatsächlichen Besitz, sondern darüber hinaus auch nicht verwirklichte Herrschaftsansprüche des Grafenhauses repräsentieren. Nach 1630 kam neben dem Oberwappen der Häuptlinge des Harlingerlandes auch das der Herrschaft Jever hinzu, welche die Cirksena nie in die Grafschaft integrieren konnten. Später wurde diese Helmzier durch die der Grafschaft Rietberg ersetzt, die vorher im Besitz einer Nebenlinie der Cirksena gewesen war.

„Von Wappen und verschwundenen Gewässern bis hin zu dunklen Kapiteln der NS-Zeit“ weiterlesen
  1. Hanke Immega, Selbstvergewisserung einer fürstlichen Halbwaise. Die Heraldik im Stammbaum der Cirksena im Rathaus zu Esens, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 24.09.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/6435; Hanke Immega, Nachahmung eines Stadtwappens mit fürstlichen Mitteln. Ein ungewöhnliches Wappen auf einer Münze Enno Ludwigs von Ostfriesland, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 05.11.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/6760; Hanke Immega, Häuptlingswappen oder Regionalwappen? Teil 1: Zur Herkunft des Norder Stadtwappens, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 04.12.2025, https://ostfrhist.hypotheses.org/7042; Hanke Immega, Häuptlingswappen oder Regionalwappen? Teil 2: Das Dreililienwappen von Faldern und Oldersum, in: Blog für ost-friesische Geschichte, 15.01.2026, https://ostfrhist.hypotheses.org/7301. []

Erneutes Vortragsangebot über zwei Emder Renaissancehäuser zwischen Abrissbirne und Denkmalschutz

Nachdem der Vortrag im Januar leider ausfallen musste, widmet sich Aiko Schmidt M.A. am 20. April 2026 nochmals der Geschichte der beiden im 16. Jahrhundert errichteten Bürgerhäuser in der Pelzerstraße in Emden

Abb.: Blick aus der Klunderburgstraße auf die Nordfassaden der Häuser Pelzerstraße 11 (links) und 12 (rechts), 2001 (Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Adolf Harms)

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ laden die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum letzten Vortrag in der Vortragssaison 2025/26 ein. Im Mittelpunkt steht die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert.

Die Emder Altstadt fiel im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig den Bombenangriffen zum Opfer. Inmitten dieser Zerstörung haben zwei im 16. Jahrhundert errichtete Bürgerhäuser an der Pelzerstraße die Zeiten überdauert und gewähren noch heute – zumindest ansatzweise – einen seltenen Einblick in die einstige Wohnkultur einer wohlhabenden Bürgerschaft. Der Vortrag zeichnet die wechselvolle Geschichte dieser beiden Renaissancegebäude von ihrer Entstehung bis in die jüngere Vergangenheit nach. Während das Haus Nr. 11 trotz fortschreitender Baufälligkeit bis 1989 als Unterkunft für sozial schwach gestellte Personen diente, wurde das Haus Nr. 12 – mit Ausnahme der erhaltenen Nordfassade – durch einen Neubau ersetzt und ab 1984 als Kulturhaus genutzt. An der Wende zum 21. Jahrhundert erfuhr das Haus Nr. 11 eine behutsame Restaurierung und vermittelt seither einen Eindruck der Lebensverhältnisse vor rund 350 Jahren, wenngleich dessen Authentizität gewissen Einschränkungen unterliegt.

Aiko Schmidt M. A. ist seit 1994 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostfriesischen Landesmuseum Emden tätig und hat zahlreiche Aufsätze zur Emder Stadtgeschichte veröffentlicht.

Aiko Schmidt M.A.

Aiko Schmidt M.A. (Emden)

Die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 20. April 2026; 19.30 Uhr

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Migration und Integration in Ostfriesland

Am Tag der Archive fand unter dem Motto “Alte Heimat – neue Heimat” im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft ein Vortragsvormittag statt

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Der Tag der Archive ist eine bundesweite Veranstaltung, um Archive und ihre Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen (Foto: Michael Hermann)

Für den 7. März 2026 lud das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – in Kooperation mit der Ostfriesischen Landschaft zu einem Vortragsvormittag unter dem Titel „Alte Heimat – Neue Heimat“ ein. Die Veranstaltung fand im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft statt und war Teil des bundesweiten „Tags der Archive“, der 2026 zum dreizehnten Mal seit seiner Erstauflage im Jahr 2001 begangen wurde. Dieser Aktionstag, organisiert vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA), gibt Archiveinrichtungen in ganz Deutschland die Gelegenheit, sich an die breite Öffentlichkeit zu wenden und auf die gesellschaftliche Bedeutung archivischer Arbeit aufmerksam zu machen.

Die Begrüßung der über dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die trotz des ungewöhnlich schönen Wetters gekommen waren, übernahmen Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft, sowie Dr. Michael Hermann, Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs.

Rico Mecklenburg hob in seiner Ansprache neben der überregionalen Bedeutung des Tags der Archive die langjährige und traditionsreiche Kooperation zwischen Landesarchiv und Ostfriesischer Landschaft hervor. Vortragsreihen, der „Tag der ostfriesischen Geschichte“ sowie zwei wissenschaftliche Buchreihen zeugten von einem fruchtbaren institutionellen Miteinander, das auch zu der sofortigen Bereitschaft führte, das Landschaftsforum als Veranstaltungsort zur Verfügung zu stellen.

„Migration und Integration in Ostfriesland“ weiterlesen

Ehen vor Gericht

In einem Vortrag befasst sich Hjördis Bohse mit Streitigkeiten zu Ehe und Partnerwahl bei frühneuzeitlichen Gerichtsprozessen in Ostfriesland

Abb. 1: Albrecht Dürer: Ungleiches Paar, um 1495, Kupferstich 15,4 x 14,2 cm, Schenkung Johann Heinrich Landolt (1885) © ETH-Bibliothek Zürich, Graphische Sammlung / D 7742 / Public Domain Mark 1.0 https://doi.org/10.16903/ethz-grs-D_007742

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ zum zweiten Vortrag des Jahres 2026 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein, in dem Gerichtsprozesse zu Ehe und Partnerwahl aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Mittelpunkt stehen.

Sich für eine Eheschließung zu entscheiden, bedeutet, sich in vielerlei Hinsicht Gedanken über die Kompatibilität der betreffenden Personen zu machen. Die Erwartungshaltungen können hierbei sehr unterschiedlich sein, spielen etwa Aspekte wie gegenseitige Zuneigung, übereinstimmende Vorstellungen hinsichtlich der Lebensführung oder aber ein ähnlicher sozialer Hintergrund in die Entscheidungsfindung hinein.

Auf den ersten Blick scheint es ein Gegenwartsproblem zu sein, sich eingehend mit den eigenen hohen Ansprüchen an eine potenzielle Partnerin oder einen potenziellen Partner zu befassen. Doch bereits im frühneuzeitlichen Ostfriesland gehörte es zu einer gängigen Praxis, die Eignung eines Paares für eine gemeinsame Ehe genau zu prüfen. Neben den Vorstellungen eines Paares selbst erhoben auch die beteiligten Familien Ansprüche, in die Partnerwahl einbezogen zu werden. Mit dieser Vielzahl an involvierten Personen ging ein großes Konfliktpotenzial einher. So kam es nicht selten vor, dass vor den ostfriesischen Gerichten über ein gebrochenes Eheversprechen oder aber über die Verweigerung des elterlichen Konsenses geklagt wurde.

Anhand noch kaum betrachteter Prozessakten, die sich im Niedersächsischen Landesarchiv in Aurich befinden, beleuchtet der Vortrag die komplexen Dynamiken, die die Eheanbahnungsphase prägten. Der Fokus des Vortrages liegt dabei auf den Argumentationsmustern, die Aufschluss über die Gründe für oder gegen eine Eheschließung geben. Es wird den Fragen nachgegangen, mittels welcher Kategorien – wie etwa geschlechtsspezifischer Rollenbilder, Alter oder Berufsstand – die klagenden und beklagten Personen ihr Anliegen verdeutlichten und inwiefern es durch die eigene Argumentation gelang, den Aushandlungsprozess zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Hjördis Bohse M.Ed.

Hjördis Bohse M.Ed. (Osnabrück)

Ehe und Partnerwahl: Streitigkeiten im frühneuzeitlichen Ostfriesland. Ein Einblick in Gerichtsprozesse und Argumentation aus dem 17. und 18. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 16. März 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann

(Red.: H.S.)

Alte Heimat – neue Heimat

Im Rahmen des bundesweiten “Tags der Archive” widmet sich am 7. März 2026 ein Vortragsvormittag dem Thema “Migration in Ostfriesland” aus historischer und aktueller Perspektive

Abb.: Roman Siewert, Leiter des Sozialwerks Nazareth, umringt von geflüchteten vietnamesischen Kindern, ca. 1980 (NLA AU Rep. 243 B 2162)

Migration und Integration prägen Ostfriesland seit Jahrhunderten. Die Region war immer wieder Ziel von Menschen, die hier eine neue Heimat suchten – ob Glaubensflüchtlinge in der Frühen Neuzeit, Vertriebene nach 1945 oder Geflüchtete in jüngerer Zeit. Wie gestaltete sich das Ankommen? Welche Hürden gab es, welche Chancen wurden ergriffen?

Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich ein Vortragsvormittag anhand dreier Fallbeispiele aus unterschiedlichen Epochen: von der Nachkriegszeit über die vietnamesischen Boat-People bis zur aktuellen Integrationsarbeit im Landkreis Aurich. Dabei werden sowohl die Perspektiven der Ankommenden als auch die der aufnehmenden Gesellschaft in den Blick genommen.

Der Vortragsvormittag wird von dem Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich in Kooperation mit der Ostfriesischen Landschaft veranstaltet und findet am 7. März 2026 ab 10.00 Uhr im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft (Georgswall 1–5, 26603 Aurich) statt.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm

Alte Heimat – neue Heimat
7. März 2026

10.00 Uhr:      Begrüßung durch den Präsidenten der Ostfriesischen Landschaft, Rico Mecklenburg, und den Leiter der Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Michael Hermann

10.15 Uhr:      Lennart Bohne (Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld)
„Das waren für uns Ausländer“ – Aufnahme und Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Ostfriesland

11.00 Uhr:      Dr. Edda Willamowski (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Vietnamesische Geflüchtete in Ostfriesland. Geschaffene und genutzte Möglichkeiten

11.45 Uhr:      Kaffeepause

12.00 Uhr:      Daphne Mariebelle Eich (KVHS Aurich)
Teilhaben und Ankommen: Integration von Migrant*innen im Landkreis Aurich

12.45 Uhr:      Abschlussdiskussion

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Frühneuzeitliche Befestigungsanlagen in Ostfriesland

Dr. Andreas Hüser berichtet in einem Vortrag von den archäologischen Erkenntnissen zur Festung Leerort und zur Dieler Schanze

Abb.: Darstellung der Festung Leerort, von Georg Faber, 1632 (Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur 30917/36)

Die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich – laden im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ zum zweiten Vortrag des Jahres 2026 in das Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft nach Aurich ein.

In diesem Vortrag geht es um zwei bedeutsame frühneuzeitliche Festungswerke der Grafschaft Ostfriesland: Die Festung Leerort auf der Landspitze zwischen Leda und Ems als einst größte ostfriesische Landesfestung und die Schanze bei Diele als Grenzbefestigung im Rheiderland.

Beide Festungswerke waren zwischen 2010 und 2013 Bestandteil archäologischer Untersuchungen durch die Ostfriesische Landschaft, um Kenntnisse über die Struktur und den Aufbau zu gewinnen: Im Boden verborgen haben zahlreiche Zeugnisse dieser teils unruhigen Zeiten überdauert. Die Ergebnisse ergänzen maßgeblich das bisherige Wissen zu den Anlagen. Das reichhaltige Fundmaterial liefert Einblicke in Belagerungstechniken, aber auch in das tägliche Leben der gräflichen Familie im Schloss Leerort oder das Leben der in den Festungen stationierten Soldaten. Im Vortrag wird über zehn Jahre nach Abschluss der Untersuchungen ein Einblick in den Festungsbau des 16. bis 18. Jahrhunderts gegeben und unterschiedliche Alltagssituationen beleuchtet.

Dr. Andreas Hüser hat im Rahmen des Projektes „Grenzland Festungsland“ zwischen 2010 und 2013 die Grabungen in Diele und Leerort geleitet und war anschließend für den Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft bis 2015 tätig. Seit 2017 ist er Leiter der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven.

Dr. Andreas Hüser

Dr. Andreas Hüser (Bad Bederkesa)

Dieler Schanze und Festung Leerort

Zeit:                Montag, den 16. Februar 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Michael Hermann
(Red.: H.S.)

Zwei Emder Renaissancehäuser zwischen Abrissbirne und Denkmalschutz

Aiko Schmidt M.A. widmet sich in einem Vortrag im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am 26. Januar 2026 der Geschichte der beiden im 16. Jahrhundert errichteten Bürgerhäuser in der Pelzerstraße in Emden

Abb.: Blick aus der Klunderburgstraße auf die Nordfassaden der Häuser Pelzerstraße 11 (links) und 12 (rechts), 2001 (Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Adolf Harms)

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ laden die Landschaftsbibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum ersten Vortrag im Jahr 2026 ein. Im Mittelpunkt steht die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert.

Die Emder Altstadt fiel im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig den Bombenangriffen zum Opfer. Inmitten dieser Zerstörung haben zwei im 16. Jahrhundert errichtete Bürgerhäuser an der Pelzerstraße die Zeiten überdauert und gewähren noch heute – zumindest ansatzweise – einen seltenen Einblick in die einstige Wohnkultur einer wohlhabenden Bürgerschaft. Der Vortrag zeichnet die wechselvolle Geschichte dieser beiden Renaissancegebäude von ihrer Entstehung bis in die jüngere Vergangenheit nach. Während das Haus Nr. 11 trotz fortschreitender Baufälligkeit bis 1989 als Unterkunft für sozial schwach gestellte Personen diente, wurde das Haus Nr. 12 – mit Ausnahme der erhaltenen Nordfassade – durch einen Neubau ersetzt und ab 1984 als Kulturhaus genutzt. An der Wende zum 21. Jahrhundert erfuhr das Haus Nr. 11 eine behutsame Restaurierung und vermittelt seither einen Eindruck der Lebensverhältnisse vor rund 350 Jahren, wenngleich dessen Authentizität gewissen Einschränkungen unterliegt.

Aiko Schmidt M. A. ist seit 1994 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostfriesischen Landesmuseum Emden tätig und hat zahlreiche Aufsätze zur Emder Stadtgeschichte veröffentlicht.

Aiko Schmidt M.A.

Aiko Schmidt M.A. (Emden)

Die Erhaltung der Renaissancehäuser in der Pelzerstraße in Emden im 20. Jahrhundert

Zeit:                Montag, den 26. Januar 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

“Ganz Ostfriesland gleicht einem See”

Die neueste Ausgabe der Hefte zur ostfriesischen Kulturgeschichte erinnert an die Sturmflut 1825

Ein Beitrag von Dr. Michael Hermann

Abb. 1: Titelblatt der Publikation

Mit dem Band „Die Sturmflut 1825. Eine Naturkatastrophe vor 200 Jahren und ihre Bedeutung für den Küstenschutz in Ostfriesland bis in die Gegenwart“ legt die Ostfriesische Landschaft – herausgegeben von Heiko Suhr – eine wissenschaftlich fundierte und zugleich interdisziplinär weit gespannte Publikation vor, die nicht nur die Katastrophe von 1825 historisch einordnet, sondern auch zu aktuellen Herausforderungen des Klimawandels in Beziehung setzt. Es handelt sich dabei um den publizistischen Abschluss eines dreiteiligen Projekts, das aus einer Tagung am 5. Februar 2025 im Sparkassenforum Leer, einer Wanderausstellung, die auch digital besucht werden kann (www.ol-link.de/1825), und eben dieser Veröffentlichung besteht.

Nach Grußworten der einzelnen Institutionen, die an der Durchführung der Tagung beteiligt waren – Ostfriesische Landschaft, Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse, Ostfriesische Deichverbände –, und einer einleitenden Einführung in das Thema durch den Herausgeber untersucht der Leiter der Landschaftsbibliothek, Heiko Suhr, die Sturmflut vom 3./4. Februar 1825 unter unterschiedlichen Gesichtspunkten.

Zunächst widmet er sich der Ereignisgeschichte der Februarflut, die sich durch ihre außergewöhnliche Höhe und räumliche Ausdehnung auszeichnete und damit sogar die Weihnachtsflut von 1717 in den Schatten stellte. Doch auch die Organisation der Hilfsmaßnahmen war außerordentlich. Suhr arbeitet heraus, dass neben lokalem Engagement sehr früh überregionale und staatlich koordinierte Strukturen entstanden, darunter ein „Central-Hülfsverein“ und ihm untergeordnete lokale und regionale Vereine. Suhr identifiziert darin bereits moderne Strukturen eines sich noch zu entwickelnden Katastrophenmanagements. Anschließend werden die Reaktionen zweier zeitgenössischer Geistlicher, des Superintendenten Johann Ernst Müller und des Landrabbiners Abraham Levy Löwenstamm, als Beispiele religiöser Sinnzuschreibungen analysiert. Beide Autoren interpretieren die Flut nicht nur als Naturereignis, sondern als Teil umfassender kultureller und moralischer Diskurse, wobei insbesondere Fragen zur sozialen Verantwortung hervortreten. Ein lokales Beispiel – der Schwerinsgroden bei Carolinensiel – verdeutlicht abschließend die langfristigen morphologischen und infrastrukturellen Folgen der Flut für den Küstenraum.

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