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Aurichs Wasserstraße – der Ems-Jade-Kanal

Ein Beitrag anlässlich der Sonderausstellung zum Gemeinschaftsprojekt im Museumsverbund Ostfriesland „Dat löppt! Wasser in der ostfriesischen Kultur“ im Historischen Museum Aurich – 16. März bis 5. Dezember 2021

Ein Gastbeitrag von Brigitte Junge

„Das schwarze, moorige Wasser stand zwischen hohen Deichen, an deren Sohle ein Pfad entlanglief für die Männer oder Pferde, die die Torfschiffe zogen, wenn die Schiffer sie nicht von Bord aus stakten. Dann gingen sie, die langen Stangen an die Schulter gestemmt, gegen die Fahrtrichtung und drückten so die Schiffe vorwärts. Tief und schwer fuhren die Kähne dahin, bis an den Rand mit Kohlen, Steinen, Gemüse oder Torf beladen. Über die Deiche ragten die Spitzen der Kirchtürme oder der kreisende Gang der Windmühlenflügel. Wenn man am Ufer lag, sah man nur den Himmel über sich und das hohe Zittergras, das auch ohne Lufthauch bebte, und hörte nichts als das leise Glucksen des Wassers, das die Lastschiffe zerteilten.“ Mit diesen Worten erinnerte sich Herbert Jhering, der einen Teil seiner Kindheit in einem Haus am Alten Hafen, Ecke Hafenstraße verbrachte, an Aurichs Wasserstraße.1

Westdeutsche Kanäle, Mittelandkanal und Märkische Wasserstraßen. Ausschnitt aus dem Kartenblatt – Maßstab 1:800.000 nach amtlichem Material hrsg. von „Rhein“, Verlagsgesellschaft Duisburg, Schmorl & Seefeld Nachf., Hannover o. J. (HMA-20431)

Menschen machten jahrhundertelang die Erfahrung, dass Waren auf dem Wasser einfach und kostengünstig zu transportieren waren. Im Binnenland nutzten ostfriesische Handwerker und Kaufleute die Flüsse Ems, Jümme, Leda und Ee (Ehe). Doch konnten die natürlichen Flussläufe den wirtschaftlichen Interessen kaum genügen. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein taten schlecht ausgebaute Straßen ihr Übriges, denn sie waren während langanhaltender Regenperioden im Frühjahr und Herbst kaum befahrbar. Folgerichtig wünschte man sich zwischen der Residenzstadt Aurich und dem Emder Hafen bereits um 1630 eine künstliche Wasserstraße.

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  1. Herbert Jhering, Theaterkritiker in Berlin 1920/30er Jahre, geboren 1888 in Springe, gestorben 1977 in Berlin, lebte als Kind eine Zeitlang in Aurich; zitiert nach Detlef Hartlap: Hundert Jahre Ems-Jade-Kanal in: Ostfriesland-Magazin Nr. 6, Juni 1988, S. 60. [↩]

Gut verpackt will Weile haben – Die dauerhafte Aufbewahrung von Archivalien erfordert eine Vielzahl von Maßnahmen

Ein Gastbeitrag von Sinah Wirgenings.

Während meines Praktikums beim Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich erhielt ich die Gelegenheit einen neuen Aktenzugang (acc. 2020/18) – von der Übernahme ins Archiv bis zur Einlagerung im Magazin – zu bearbeiten. Es handelte sich um Unterlagen der Handwerkskammer Aurich (https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b276), die u.a. aus den 1950er/60er Jahren stammten.

Der erste Schritt, das Verzeichnen, war vergleichsweise schnell getan, da nur eine einfache Erstschließung erforderlich war. Hierzu musste zu jedem einzelnen Stück ein passender Aktentitel gefunden werden, der zusammen mit Archivsignatur und der Laufzeit in das Archivinformationssystem „Arcinsys“ eingetragen wurde. Auf diese Weise sind die Akten jederzeit auffindbar und für die Benutzer auch online recherchierbar. Sehr viel aufwändiger war dagegen die anschließende Verpackung der Unterlagen.

Es galt, die Schriftstücke in passende Mappen zu verpacken, um sie anschließend in einem Archivkarton zu verstauen. Ziel dieses Verfahrens ist es, das Papier und die darauf vorhandenen Informationen so lange wie möglich zu erhalten. Deshalb muss gewährleistet werden, dass es weder zu inneren noch äußeren Schadenseinwirkungen kommen kann. Dazu musste das Schriftgut zuerst aus der ursprünglichen Verpackung entfernt werden. So bestand der von mir zu bearbeitende Zugang hauptsächlich aus alten, häufig rostigen oder angeschlagenen Aktenordnern. Einigen war deutlich anzusehen, dass sie Jahre, sogar Jahrzehnte lang sorglos in der hintersten Ecke eines Raums gelagert worden waren. Besonders die älteren Stücke hatten eine Menge Rost angesetzt.

Rostige Büro- und Heftklammern aus den Akten des Bestandes (Foto: Sinah Wirgenings)
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Buchbesprechung: Axel Heinze, Die Schulchronik von Neugaude und andere Dokumente der Schule, (hrsg. von der Gemeinde Moorweg), Moorweg 2020.

Ein Gastbeitrag von Burkhard Schäfer.

Das Schicksal der amtlichen Schulchroniken vieler kleinen aufgelösten Schulen ist oft beklagenswert. Sie sind entsorgt worden, widerrechtlich in Privatbesitz übergegangen oder einfach verschwunden. Nur wenige gelangten an ihren eigentlichen Bestimmungsort, das Niedersächsische Landesarchiv in Aurich.

Auch die Schulchronik der kleinen Gemeinde Neugaude (Landkreis Wittmund) ist verschollen. Hier gab es aber einen besonderen Glücksumstand: Eine Lehrerin hatte aus geschichtlichem Interesse die gesamte Chronik kopiert! Nach vielen Jahren gelangte diese Kopie in das Esenser Museum. Nun hat Axel Heinze diese Quelle dankenswerter Weise neu geordnet und herausgegeben und mit einem Vorwort versehen. Das von der Gemeinde Moorweg herausgegebene Buch gliedert sich in drei Teile: der erste ist die eigentliche Schulchronik von Neugaude 1892 -1962. Es folgt das Inventarium von den Mitteln der Nebenschule zu Neugaude, das interessante Informationen zum Schulvermögen und zur Finanzierung des Schulbetriebs enthält. Der sehr umfangreiche dritte Teil enthält eine Fülle heimatkundlicher Informationen, die der Hauptlehrer Franzen der Schulchronik beigefügt hatte, u.a. eine ausführliche Liste zur politischen Entwicklung im Reich und in der Gemeinde von 1918 bis 1936.

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