In dem vorderen Buchdeckel eines Sammelbandes mit Predigten aus dem Jahr 1551, der in der Landschaftsbibliothek in Aurich aufbewahrt wird, findet sich auf der Innenseite des Vorsatzes eine handschriftliche Notiz. Der Schreiber hat dafür zweimal angesetzt, der erste Versuch mit dunklerer Tinte wurde abgebrochen. Im zweiten Versuch ist zu lesen: „Wen meine Tochter Dorothea dieses Buch von anfang bis zu ende Und fleisig durchlesen haben soll ihr von den Vater 1 Rthlr. verehrt werden, sie hat angefangen den 25. Jan. Und Dies Pauli Conv[ersionis] 1630“. Auch vor fast 400 Jahren war also die Lektüre von Predigten für junge Menschen nicht unbedingt ein Vergnügen, und Belohnungssysteme und positive Verstärkung durch Geschenke erweisen sich hier als ein ganz altes Mittel der Pädagogik. Umgekehrt sichert die Tochter Dorothea klugerweise den versprochenen Lohn für ihre Mühe ab, indem sie den Vater dazu brachte, seine Zusage schriftlich auf dem Vorsatzblatt festzuhalten. Ein getrocknetes Blütenblatt, das noch zwischen den Blättern liegt, könnte darauf schließen lassen, dass Dorothea schließlich für sich auch eine sinnvolle Verwendung für das Buch gefunden hat.










