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Entschlüsselung einer Holocaust-Fotografie

Mit einem Vortrag des Historikers Dr. Jürgen Matthäus startet am 12. Oktober 2026 die Vortragsreihe im Landschaftsforum

Abb.: Eines der wohl ikonischsten Fotos der Shoah zeigt den aus Tichelwarf gebürtigen Jakobus Onnen während einer Massenerschießung. Es stammt aus dem Kriegstagebuch von Walter Materna (United States Holocaust Memorial Museum, Archives, 2021.159.1)

Fotografien gehören zu den verstörendsten Quellen des Holocaust und zugleich zu den präsentesten in den Medien. Ende 2025 sorgte weltweit die Nachricht für Schlagzeilen, dass aufgrund neuer Forschungsergebnisse der Todesschütze auf einem der bekanntesten Holocaust-Fotos identifiziert werden konnte: SS-Unterscharführer Jakobus Onnen aus dem nahe Weener gelegenen Tichelwarf.

Der Vortrag beleuchtet, wie diese Identifikation möglich wurde, welche Methoden einschließlich Künstlicher Intelligenz zum Einsatz kamen, wie Vertreter der Stadt Weener das neue Wissen um Onnens Mordtätigkeit zur Überarbeitung des örtlichen Kriegsdenkmals nutzten und welche Probleme historische Fotografien für die Geschichtswissenschaft und andere Forschungsdisziplinen auch weiterhin aufwerfen.

Dr. Jürgen Matthäus ist Historiker und leitete von 2005 bis 2025 die Forschungsabteilung am Mandel Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C.

Dr. Jürgen Matthäus

Dr. Jürgen Matthäus (Washington, D.C.)

Bilderrätsel: Holocaust-Fotografien und deutsche Kriegserinnerung am Beispiel von Jakobus Onnen aus Tichelwarf

Zeit:                Montag, der 12. Oktober 2026; 19.30 Uhr

Ort:                 Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1–5

Eintritt:           5,00 €

Ein Architektenleben zwischen Landschaftspolder und Hamburg.

Gerhard de Boer (1927–2005) und seine Zeichnungen vom Steinhaus Bunderhee

Ein Beitrag von Dr. Heiko Suhr

Im Sommer 2026 hat die Landschaftsbibliothek eine kleine Sammlung des Architekten Gerhard de Boer übernommen. Ihr Kernstück ist eine baugeschichtliche Untersuchung des Steinhauses Bunderhee, die de Boer 1956 als Student anfertigte und zu der auch neun großformatige Bauaufnahmen des Gebäudes gehören.1 Mit dem Erhalt dieser Objekte ergaben sich jedoch sogleich weiterführende Fragen, einmal nach dem Urheber und dessen Werdegang, aber auch in welchem Kontext die Studie und die Zeichnungen entstanden waren.

Abb. 1: Gerhard de Boer als Architekt in Hamburg (1976) (Privatarchiv Theda de Boer)

Gerhard de Boer hat sein Berufsleben als angestellter Architekt bei der Neuen Heimat in Hamburg verbracht, also bei einem Unternehmen, das für den Wohnungsbau der Bundesrepublik in großem Maßstab steht und weniger für den einzelnen architektonischen Entwurf. Tagebücher oder Briefwechsel sind aus seinem Leben nicht überliefert. Dennoch lässt sich seine Biografie anhand von zwei eigenhändigen Lebensläufen rekonstruieren, die im Besitz der Familie geblieben sind: ein knapper von 1950, mit dem der junge Mann seine Zulassung zum Architekturstudium erbat, und ein ausführlicher, Anfang 1948 zur Reifeprüfung niedergeschrieben.2 Darin erzählt der Zwanzigjährige in einer überraschend dichten, fast literarischen Sprache von seiner Kindheit auf einem abgelegenen Hof, vom Internatsleben in Ihrhove, vom Zweiten Weltkrieg und von dem früh gefassten Wunsch, Architekt zu werden. Erst sie machen die Untersuchung zu Bunderhee und die Zeichnungen als Teil einer Biografie lesbar.

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  1. Vgl. zur Übernahme des Nachlasses durch die Landschaftsbibliothek auch die Presseberichterstattung: Zeichnungen vom Steinhaus aufgetaucht, in: Ostfriesen-Zeitung, 30.07.2026 bzw. die Pressemitteilung der Ostfriesischen Landschaft https://www.ostfriesischelandschaft.de/wp-content/uploads/dateiarchiv/4275/PM%20%C3%9Cbergabe%20Steinhaus-Zeichnungen.pdf [27.08.2026]. [↩]
  2. Vgl. zur Biografie von Gerhard de Boer vor allem Privatarchiv Theda de Boer, eigenhändige Lebensläufe von Gerhard de Boer vom 20.08.1950 und undatiert [Anfang 1948]. Ich danke Theda de Boer für die Überlassung der wichtigen Dokumente und zahlreiche Auskünfte. [↩]

Was Ostfriesland am Laufen hielt

Eine Archivalienausstellung im Niedersächsischen Landesarchiv zeigt am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 13. September 2026, ausgewählte historische Pläne, Karten und Schriftstücke zur Infrastrukturgeschichte Ostfrieslands

Abb. 1: Verlauf des Treckfahrtstiefs zwischen Aurich und Emden vorbei am Großen Meer und dem Kleinen Meer um 1830 (NLA AU Rep. 244 B Nr. 581)

Wie gelangten Nachrichten über weite Entfernungen ans Ziel? Auf welchen Wegen wurden Menschen und Waren transportiert? Und wie konnten die ostfriesischen Inseln selbst im strengen Winter versorgt werden? Unter dem Titel „Was Ostfriesland am Laufen hielt …“ zeigt das Niedersächsische Landesarchiv in Aurich am diesjährigen Tag des offenen Denkmals, wie Verkehrswege, Kommunikationsnetze und Versorgungsstrukturen das Leben in Ostfriesland prägten.

Die eigens konzipierte Ausstellung greift das bundesweite Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ auf. Anhand von historischen Plänen, Karten und Schriftstücken zeigt sie, wie Post, Kanäle, Schienen und Bunkeranlagen den Alltag organisierten und in schwierigen Zeiten handlungsfähig hielten. Dazu gehören neben der historischen Entwicklung der Post ab Mitte des 16. Jahrhunderts auch der Bau des Vorläufers des Ems-Jade-Kanals von Emden nach Aurich zwischen 1798 und 1800, die Anbindung Aurichs an das Kleinbahnschienennetz ab 1890, die Nutzung der Bunkeranlagen in Aurich und Emden oder die Notversorgung der ostfriesischen Inseln im Winter.

Abb. 2: Beispiele aus der Archivalienausstellung in der NLA-Abteilung Aurich

Neben der Ausstellung steht die Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs (Oldersumer Straße 50, 26603 Aurich) von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr allen Interessierten offen und bietet verschiedene weitere Veranstaltungspunkte an:

  • Wie und wo werden authentische Quellen zur ostfriesischen Geschichte aufbewahrt?
    Führung durch das Archiv und das Archivmagazin, die einen Einblick gibt, wie die Originale aufbewahrt werden, damit sie auch die nächsten Jahrhunderte überdauern
    (12.00 Uhr / 14.00 Uhr / 16.00 Uhr).
  • Wie und wo finde ich Unterlagen zu meinem Thema?
    Für alle, die Familienforschung betreiben, sich für die Geschichte ihres Ortes interessieren oder in die ostfriesische Geschichte eintauchen wollen, gibt es eine Einführung in das Archivinformationssystem „Arcinsys“, mit dem man online nach Archivalien recherchieren und diese gleich in den Lesesaal bestellen kann
    (13.00 Uhr).
  • Haben Sie Dias, Fotos, Fotoalben oder ähnliches Bildgut mit Bezug zu Ostfriesland, die es wert sind, für nachfolgende Generationen erhalten zu werden und daher im Archiv dauerhaft aufbewahrt werden sollten? Dann nutzen Sie unsere Tauschbörse, bei der historische Fotos gegen Bücher aus dem Dubletten-Bestand der Dienstbibliothek getauscht werden können. Oder stöbern Sie in unserem Bücherflohmarkt.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen! Das Landesarchiv freut sich auf Ihren Besuch!