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Zwischen Kochtopf und Archiv

Am 21. April 2026 trafen sich Historiker:innen, Archäolog:innen und Sprachwissenschaftler:innen aus Ost- West-, und Nordfriesland zu einem interdisziplinären Workshop im Steinhaus Bunderhee

Ein Beitrag von Dr. Heiko Suhr

Wer im breiten Publikum nach der Küche der Frieslande fragt, erhält in der Regel nur wenige, immer wiederkehrende Antworten: das ostfriesische Teezeremoniell, vielleicht Grünkohl und Pinkel, Mehlpüüt oder Krintstuut. In Reiseportalen, Lifestyle-Magazinen und sozialen Medien werden solche Schlagworte ebenso publikumswirksam wie unhinterfragt als Inbegriff einer „typisch friesischen“ Esskultur präsentiert – meist ohne die historischen Wurzeln, die soziale Differenzierung der Tafel oder den Austausch zwischen Ost-, West- und Nordfriesland in den Blick zu nehmen. Tatsächlich ist die kulinarische Geschichte der Frieslande wissenschaftlich bislang nur in Ansätzen erschlossen, bietet aber gleichwohl faszinierende Einblicke in Esskultur, Trinkgewohnheiten, Gastlichkeit und regionale Identität.

Abb. 1: Drohnenaufnahme des Steinhauses in Bunderhee (2024) (Foto: Ostfriesische Landschaft)

Um diese Forschungslücke aus interdisziplinärer Perspektive zu adressieren, trafen sich am 21. April 2026 – auf Einladung der Ostfriesischen Landschaft, der Auricher Abteilung des Niedersächsischen Landesarchivs, des Nordfriisk Instituut (Bredstedt) und der Fryske Akademy (Leeuwarden) – Expertinnen und Experten zu einem Workshop im Steinhaus Bunderhee, um sich mit der Kulinarik in den Frieslanden zwischen Kochtopf und Archiv zu befassen.

Das Projekt „Steinhausgespräch: Friesische Kulinarik“ wurde durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland sowie seine Programmpartner ermöglicht und von der Europäischen Union kofinanziert. Die Tagung fand im Rahmen des niederländisch-deutschen Historikernetzwerks der Ems Dollart Region (EDR) statt.

Den Auftakt bildete ein Beitrag von Redmer Alma (Stichting Twickel, Delden/Provinz Overijssel) über die adlige Küche in den friesischen Landen des 16. und 17. Jahrhunderts. Alma näherte sich dem weiten Feld exemplarisch anhand zweier Angehöriger des Ommelander Adels an: Johan van Ewsum (um 1508–1570) und Occa Johanna Ripperda (1619–1669). Die Auswahl, so betonte er, sei weniger durch die herausragende Bedeutung der beiden Personen bestimmt als durch die Quellenlage, die für diesen Zeitraum ausgesprochen dürftig ausfällt und deshalb jeden dichter überlieferten Fall besonders kostbar macht.

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Norderney zwischen Nachkriegsnot und Neubeginn

Mit einer neuen Publikation von Matthias Pausch begibt man sich auf eine historische Bilderreise

Ein Gastbeitrag von Dietrich Nithack, Norderney

Abb. 1: Titelblatt der Publikation

Pünktlich zum Beginn der Sommerferien wird auch Norderney erneut von der jährlich wiederkehrenden Gästewelle überflutet. Die Annehmlichkeiten der Insel sind allzu verlockend; hier kann der Sommer in vollen Zügen genossen werden. Dabei stand Norderney als Sommerfrische nach ersten schweren Zeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Mitte jenes Jahrhunderts beinahe vor dem Aus. Vom Ersten Weltkrieg und den wirtschaftlich schwierigen Weimarer Jahren hatte sich das Nordseebad noch nicht vollständig erholt, als die NS-Zeit und in ihrem Verlauf der Zweite Weltkrieg mit fatalen Folgen über die Insel hereinbrachen. Die wenigsten der heute anreisenden Gäste werden ahnen oder wissen, wie hart und steinig der Weg Norderneys nach dem Krieg zurück zum belebten Seebad war, und wie wenig selbstverständlich es ist, dass die Insel für viele Erholungsuchende zum beliebten und begehrten Ferienparadies werden konnte.

So ist es sehr erfreulich, dass Stadtarchivar Matthias Pausch als profunder Kenner der Inselgeschichte jetzt eine eindrucksvolle Dokumentation über Norderney in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg vorlegt. Dabei hat er keinen klassischen historischen Überblick verfasst. Das Buch lebt vielmehr von seinen Bildern. Fotografien aus den Beständen des Stadtarchivs, ergänzt durch zeitgenössische Zeitungsberichte, amtliche Bekanntmachungen, Leserbriefe und andere historische Dokumente, lassen die Nachkriegsjahre auf Norderney lebendig werden. Die erläuternden Texte sind bewusst knapp gehalten und ordnen die Quellen ein, ohne sich in ausführlichen Darstellungen zu verlieren. Gerade dadurch sprechen die Bilder häufig für sich selbst, und der tiefgreifende Wandel Norderneys von den entbehrungsreichen Jahren unmittelbar nach Kriegsende über die Zeit als Leave Centre – also als ein Erholungszentrum der britischen Rheinarmee – bis hin zum Wiederaufleben des Badebetriebs und den Anfängen des modernen Massentourismus in den 1950er Jahren wird plastisch nachvollziehbar.

Den Ausgangspunkt bildet die Situation auf der Insel unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Badebetrieb, die wirtschaftliche Grundlage Norderneys, war zum Erliegen gekommen. Norderney war im Krieg Garnison; zahlreiche Kasernengebäude, Bunker und Militärwerkstätten prägten das Inselbild. Die britische Besatzungsmacht bestimmte das öffentliche Leben, gleichzeitig verschärften Wohnungsnot, Lebensmittelknappheit und der Zuzug zahlreicher Flüchtlinge und Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten die ohnehin schwierige Lage der Inselbevölkerung. Die Fotografien dokumentieren eindrucksvoll einen Alltag, der von Mangel und Improvisation geprägt war.

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